Neubelebung des Werks A: Bürgermeister schildert in München Vorgehen und stellt Forderungen
Projekt mit Vorbildfunktion

Mitterteich/München. Wie Fördermittel konkret helfen können, die Folgen des Strukturwandels abzufedern, stellte Bürgermeister Roland Grillmeier kürzlich bei der Obersten Baubehörde in München dar. Vor Mitgliedern des Arbeitskreises "Bauen und demografischer Wandel" schilderte er, wie sich das Werk A der früheren Porzellanfabrik in einen modernen Betriebsstandort der Firma Forster mit angeschlossenem Museum verwandelte.

"Ich wurde eingeladen, unser Projekt vorzustellen, das immer noch als Musterprojekt gilt", erklärte der Bürgermeister gegenüber den NT. Denn bislang sei es nur selten gelungen, Industriebrachen durch die Ansiedlung von Betrieben neu zu beleben.

Hintergrund für die Auseinandersetzung des Arbeitskreises mit diesem Thema sei laut Grillmeier ein neues Industriebrachen-Förderprogramm. Vertreten sind in dem Gremium Ministerialräte aus den verschiedenen Abteilungen der Obersten Baubehörde (Hochbau, Städtebauförderung, Wohnungswesen, Straßenbau), die Leiter des Bereichs Städtebauförderung bei den Regierungen und weitere Experten. Sie erarbeiten konkrete Vorschläge und Handlungsansätze für die Politik.

Einbindung nicht einfach

In seinem Vortrag machte Grillmeier deutlich, welche Mühen notwendig gewesen seien, um die Neunutzung der Brache durch einen Unternehmer zu erreichen. Die Stadt habe Verhandlungen mit Insolvenzverwalter, Gläubigern und Banken geführt sowie Planungen für Umbau und Förderung geklärt. Nicht einfach sei es gewesen, aus fördertechnischer Sicht einen Privatunternehmer einzubinden. "Ohne Beteiligung der Kommune und die flexible Einbindung von Mitteln aus dem Programm Stadtumbau West wäre dieser Umbau nicht möglich gewesen."
Um sämtliche Fördermöglichkeiten nutzen zu können und das Gesamtziel zu erreichen, habe die Stadt ein Museum und Räume für Vereine und Ausstellungen geschaffen. Um diese mit Leben zu füllen, sei es aber wiederum nötig gewesen, Ehrenamtliche einzubinden. Durch das Engagement der Firma Metallbau Forster seien letztlich rund 50 neue Arbeitsplätze entstanden, circa 1000 Quadratmeter würden als Ausstellungsfläche genutzt. Zudem seien ein Porzellan-Werksverkauf und ein Café vorhanden. Weitere Flächen würden von kleineren Betrieben genutzt.

Weg alternativlos

"Dieser Weg war kein leichter, aber für uns alternativlos." Die Alternativen wären weiter leerstehende Industriegebäude oder eine grüne Wiese gewesen. Der Bürgermeister verwies auch auf die weiteren Maßnahmen rund um die ehemalige Porzellanfabrik, darunter die Schaffung eines Freizeitgeländes auf der ehemaligen Bahnbrache. Insgesamt habe die Stadt rund sechs Millionen Euro investiert, wobei Fördermittel zwei Drittel der Kosten abgedeckt hätten.
Grillmeier betonte, dass die Region weiter unter dem demografischen Wandel leide und sich die Kommunalpolitik ständig mit Leerständen auseinandersetzen müsse. Notwendig seien flexible staatliche Förderprogramme und der Abbau von bürokratischen Hürden, etwa bei Bauvorschriften. Nötig sei auch die Einbindung von Privaten, weil die Kommunen kaum mehr die Folgekosten von Projekten tragen könnten.

Der Leiter der Obersten Baubehörde, Ministerialdirektor Josef Poxleitner, drückte in einer anschließenden Diskussion aus, dass man tief beeindruckt sei von dem Projekt in Mitterteich. Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer, dass Fördermittel wichtig seien, doch der Bau von öffentlichen Einrichtungen alleine könne die negative Bevölkerungsentwicklung nicht aufhalten. Wie in Mitterteich seien Unternehmer nötig, die neue Arbeitsplätze schaffen.

Neue Betriebe und Bildung

Bürgermeister Grillmeier betonte, dass auch das Wirtschaftsministerium und die Wirtschaftsförderung ihren Beitrag zur Ansiedlung neuer Betriebe leisten müssten. Wichtig seien zudem Investitionen in die Bildung, um junge Leute in der Region zu halten. Wünschenswert wäre in diesem Zusammenhang etwa die Schaffung einer Hochschul-Außenstelle im Landkreis Tirschenreuth. Handlungsbedarf bestehe ferner beim Thema Wohnraum: Hier fehlten die Anreize für private Investitionen.
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