07.09.2015 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Neue Heimat auf engstem Raum

Es werden täglich mehr. Flüchtlinge kommen aus Syrien, dem Libanon, vom Balkan. Sie riskieren ihr Leben auf überfüllten Booten, sie bezahlen skrupellose Schleuser, sie sind wochen-, monatelang unterwegs, um in ein Land zu kommen, in dem man gefahrlos leben und arbeiten kann, ohne Krieg und Angst. Sie wollen nach Deutschland. Das war schon einmal so.

Kaum zu glauben, aber im Haus der Meiers in Luppersricht lebten nach dem Krieg 15 Personen - und kamen gut miteinander aus. Repro: hka
von Helga KammProfil

Es geschah vor siebzig Jahren. Damals kamen Landsleute, sie mussten aufgenommen werden. Wie war das, als Schlesier, Ostpreußen, Sudetendeutsche eine neue Heimat brauchten, wie war das hier bei uns? Anna Meier war mit ihren Kindern allein, damals im Sommer 1946, als nach Luppersricht, Gemeinde Hahnbach, offene Lastwagen kamen und ihre "Fracht" entluden: Sudetendeutsche, die aus ihrer Heimat vertrieben worden sind.

"Ihr könnt's euch welche aussuchen", hieß es lapidar, und Anna Meier nahm die Familie Reisinger mit zu sich in ihr Haus Nr. 12. Vater und Mutter waren das, der Großvater und die beiden Kinder Hubert und Maria. Noch vage erinnert sich Gerald Meier, der mit seiner Frau Annelies heute das Elternhaus bewohnt, an diese Einquartierung: "Probleme hat es nicht gegeben, das war halt damals so."

Familie des Landrats dabei

Rund fünfzehn Leute wohnten zu dieser Zeit im Meier-Haus in Luppersricht: die Familie Reisinger in zwei Zimmern, die Frauen Klose und Schmidt in einem Zimmer, eine Familie aus Schlesien und natürlich die Hausleute, die Meiers. Max Meier war in Gefangenschaft, so war Anna Meier heilfroh, dass Mutter Reisinger gleich bei der Stallarbeit half. Sie konnte das, denn daheim in Kolnberg bei Prachaditz hatten sie einen großen Bauernhof. "In Luppersricht haben wir Flüchtlingskinder auf dem Dachboden geschlafen", berichtet Maria Reinhardt, das Leben und Kochen funktionierte - irgendwie.

Dass es Probleme oder Zwistigkeiten gegeben hätte, daran kann sie sich nicht erinnern. Im Gegenteil: "Wir haben großes Glück gehabt mit der Familie Meier, wir sind gut miteinander ausgekommen."

Zehn Jahre lebten die Reisingers in Luppersricht, gingen dann nach Sulzbach, bauten ein Haus. Als Hubert und seine Frau Erna ihren Sohn Richard bekamen, hätten sie sich nicht träumen lassen, dass er später einmal als Landrat Chef des Landkreises werden würde - unter anderem auch mit der Verantwortung für Flüchtlinge.

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