25.02.2012 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

OWV-Zweigverein vor 90 Jahren gegründet - Lehrer als erste Vorsitzende auch bei Neustart Bereits 1927 Wanderwege markiert

Ein Lehrer gründete vor 90 Jahren, am 22. Februar 1922, den OWV-Zweigverein Luhe. Johann Huber hatte sich mit Gleichgesinnten den Idealen des Oberpfälzer Waldvereins verschrieben. Bereits zwölf Jahre zuvor hatte Schulverweser Anton Haller den heute ebenfalls noch aktiven Gesangsverein Lyra ins Leben gerufen.

Zum ersten Koppelbergfest zog ein Festzug mit Teilnehmern in historischen Trachten. Die Beteiligten stellten sich dem Fotografen zusammen mit OWV-Vorsitzendem Johann Huber. Repro: sef
von Autor SEFProfil

1919 waren die geistliche Schulaufsicht und die Verpflichtung der Pädagogen zum niederen Kirchendienst abgeschafft worden. Nach dieser Gesetzesänderung konnte sich Schulleiter Huber auf die Lehrtätigkeit konzentrieren und leichter die ehrenamtliche Funktion als OWV-Vorsitzender übernehmen.

1921 hatte der Gesangsverein Lyra ein Sängerfest auf dem Koppelberg arrangiert. Huber griff diese Idee auf und lud für Sonntag, 24. August 1924, erstmals zum Waldfest bei der Nikolauskirche ein. Auftakt war ein Zapfenstreich der Kapelle Stauber mit Lampionzug durch die Straßen des Marktes. An der Spitze sämtlicher Vereine ritten vier Burschen in alter Bauern- und Landsknechtstracht. Ihnen folgten zwei Buben in Zwergenkostümen und acht Mädchen in der altbayerischen Kleidung.

Ringelspiel und Theater

Für die Kinder gab es Wurstschnappen, Gockelschlagen, Ringelspiel und Eurekaschießen. Die Erwachsenen drängten sich am Schießstand des Zimmerstutzenvereins. Den Tag beschlossen im Herdegensaal das Kindertheater "Waldeszauber" und "Hans-Sachs-Stücke", einstudiert von Gästen aus Pleystein.
1927 markierten Mitglieder des Vereins Wege nach Leuchtenberg mit einem blauen Dreieck, zur Diensthütte mit grünem Dreieck, nach Alletshof mit blauem Rechteck und nach Wernberg mit blauem Punkt. Auf dem Koppelberg und am Weg nach Grünau luden zehn Ruhebänke zum Verweilen ein. Nahe der Forstmühle errichtete der Verein an der Naab eine Badeanstalt mit mehreren Kabinen.

1930 folgten weitere Bänke an der Muttergotteskapelle und beim Roten Kreuz. Das Fällen einer großen Pappel am Ortseingang konnte der OWV nicht verhindern.

Im Dritten Reich mussten alle Vereine im Zuge der Gleichschaltung einer Reichskulturorganisation eingegliedert werden. Dem entging auch der OWV nicht. Seit 1936 waren er und seine 45 Zweigvereine mit insgesamt 1922 Mitgliedern, davon zwölf in Luhe, Teil des Reichsverbandes der deutschen Gebirgs- und Wandervereine und gehörte dem Fachamt Bergsteigen und Wandern im Reichsbund für Leibesübungen an.

Im Zweiten Weltkrieg kamen die Vereinsaktivitäten gänzlich zum Erliegen. Statt um Natur- und Kulturpflege ging es jetzt ums Überleben.
Huber war am 1. April 1943 nach 45 Dienstjahren pensioniert worden. Er starb am 1. August 1945 und wurde drei Tage später von Pfarrer Johann Baptist Stadler in Luhe beerdigt.

Wiederbelebung 1951

Über die Wiedergründung berichtete "Der neue Tag" am 22. Februar 1951. "Am Sonntag, 18. Februar 1951, wurde im Gasthaus Herdegen der Oberpfälzer Waldverein Luhe wiedergegründet. Dazu waren aus Weiden der 'Vater des Waldvereins' Oberinspektor Mühlhofer, Dr. Schärtel und Dr. Schuster gekommen. Deren Initiative ist es auch zu verdanken, dass der alte OWV Luhe wieder ins Leben gerufen werden konnte.

Bürgermeister Strasser berichtete über die Ziele des Vereins, der schon 1922 bestanden habe. Er hob dabei den Schutz der Naturdenkmäler, die Verschönerung der Heimat und die Pflege der Heimatgeschichte hervor."

39 Anwesende aus dem Einzugsbereich des heutigen Marktes Luhe-Wildenau traten dem neuen (alten) Zusammenschluss bei. Unter ihnen waren der Luher Bürgermeister Josef Strasser, Landarzt Dr. Johann Zötzl, Posthalter Johann Reichenberger, Bahnhofsvorstand Martin Müller und der künftige Oberwildenauer Bürgermeister Johann Kick. Sie wählten wiederum einen Lehrer, nämlich Gottfried Weiß, zum Vorsitzenden. Michael Sollfrank wurde Kassier und Georg Witt Schriftführer.

Nur zehn Monate im Amt

Auf Weiß, der aus beruflichen Gründen nur zehn Monate amtierte, folgten an der Vereinsspitze Hans Drexler (1951 bis 1956), Josef Hofmeister (1956 bis 1973), Gottfried Hirschmann (1973 bis 1990), Franz Schmidt (1990 bis 2007), das Trio Anton Lindner, Lutz Henngge, Renate Grünbauer (zwei Monate 2007) und seitdem Renate Grünbauer.

In jetzt 90 Jahren seit der Gründung blieb der OWV-Zweigverein Luhe - einer von 55 mit insgesamt 11 500 Mitgliedern - den vom Hauptverein 1916 gesetzten Prinzipien treu. Stets war es das Ziel vieler tatkräftiger Aktiver, die Natur zu bewahren und das kulturelle und gesellschaftliche Leben der Marktgemeinde zu bereichern.

Seit 1973 gibt es die jährlichen Waldfeste. Der Zusammenschluss organisiert Feiern, Sitzweilen, Konzerte, Vorträge, Ausflüge, Wanderungen und Radtouren. Die Mitglieder kümmern sich um Wanderwege, Lehrpfade, Natur- und Flurdenkmäler, Kapellen, Ruhebänke, Biotope und Nistkästen sowie die Ortsverschönerung, Kinderbetreuung und Heimatgeschichtsforschung. Letztere gipfelte 1989 in der Herausgabe der Luher Chronik von Karl Rothenberger.

2006 wurden die Vereinshütte bei der Nikolauskirche vollendet und ein Gedenkstein mit Marktwappen aus Granit aufgestellt. Er erinnert an die verstorbenen Mitglieder und den Gründer. Aktuell hat der OWV Luhe 238 Mitglieder.

Aktuell und Wissenswert

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