18.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Patrozinium in Böhmischbruck mit leidenschaftlichem Plädoyer gegen Gewalt und Rache "Waffen lösen keine Konflikte"

"Gott vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind, er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen." Dekan Alexander Hösl dienten diese Worte aus dem Evangelium als Leitfaden für den Patroziniumsgottesdienst in der Pfarrkirche.

Angeführt von der Gleiritscher Blaskapelle bewegte sich der Zug der Teilnehmer am Patrozinium in Böhmischbruck vom Feuerwehrgerätehaus zur Kirche. Bild: dob
von Elisabeth DobmayerProfil

Sie seien auch als Fürbitte für alle Menschen zu verstehen, die auf der Schattenseite des Lebens stehen, erklärte er weiter. Zusammen mit den Ministranten, die an diesem Tag im Haar Blumenkränze trugen, zog der Geistliche in das Gotteshaus ein, nachdem die Fahnenabordnungen mit den Vereinen und Kommunalvertretern, mit der stellvertretenden Landrätin Margit Kirzinger und Bürgermeister Andreas Wutzlhofer an der Spitze vom Feuerwehrgerätehaus über die Anhöhe hinauf marschiert waren. Musikalisches Geleit bekamen sie von der Gleiritscher Blaskapelle mit Dirigent Paul Braun.

Seit jeher feiern die Böhmischbrucker diesen großen Festtag zusammen mit der Feuerwehr, die Ausrichter des geselligen Festablaufs ist. In diesen Tagen erhalte das Magnifikat ganz besondere Aktualität, stellte der Geistliche Rat fest. Man brauche nur auf die Konfliktherde der Welt zu blicken: angefangen von der Ukraine über Syrien bis in den Gazastreifen. Umso mehr, wenn Regierungen überlegen, ob sie in diese Krisenherde Waffen liefern sollen. Genau betrachtet sei das Magnifikat ein Kampflied. Aber keines, mit dem man auf den Lippen gegen seine Gegner in den Krieg ziehe. Das Lied weise in eine ganz andere Welt: "Sie überlässt das Handeln Gott. Bei Gott ist alle Rache aufgehoben, denn Gott rächt sich nicht." Weiter führte der Stadtpfarrer aus: "Wie viel wäre in der Welt gewonnen, wenn wir die Rache aus der Hand, vor allem aus dem Herzen geben könnten und das Lied Mariens nicht nur mitsingen, sondern in die Tat umsetzten. Wenn dieser Geist des Magnifikats heute durch uns ein konkretes Gesicht bekommt." Angesichts der diskutierten Waffenlieferungen tauchten immer wieder Fragen auf, die Politiker wie Bürger gleichsam bewegen: Sollen wir immer nur zurückstehen und zurückstecken? Immer den Kürzeren ziehen und den Dummen in der Welt spielen?

Blut an den Händen?

Jeder müsse sich selbst ganz ehrlich fragen: "Möchten wir Blut an unseren Händen haben, wenn unser Land Waffen liefert?" Kein Konflikt dieser Erde habe bis jetzt mit Waffen gelöst werden können. Wenn Menschen ihr Leben lassen müssen, meinte der Pfarrer, entstünde nur wieder neuer Hass, der nur schwer zu überwinden sei. Schon im Kleinen, bei den täglichen "Kleinkriegen", müsse sich jeder fragen: "Wo ist mein Platz im Leben und in der Welt?"

Daniela Ogarek und Anna Biegerl brachten sich als Lektorinnen in den Gottesdienst mit Lesungen und Meditation ein. Der Kirchenchor mit Leiterin Daniela Bock und die Blaskapelle wechselten sich bei der musikalischen Gestaltung ab. Nachdem auch in Böhmischbruck die Blumen und Kräuter gesegnet waren, lud Stadtpfarrer Hösl alle Kirchenbesucher ins Festzelt vor dem Pfarrhof ein. Die Feuerwehrleute hatten in der Zwischenzeit Weißwürste gewärmt, die sie zum Frühschoppen auftischten. Unterhaltsam steuerten die Musikanten der Gleiritscher Blaskapelle zünftige Musik bei.

Zum Mittagessen servierten die Gastgeber ihren Besuchern Rollbraten mit Knödel, gemischte Salate und Grillspezialitäten. In der Kaffeestube lockte selbst gebackener Kuchen. Damit auch die kleinen Gäste nicht zu kurz kamen, organisierten die Feuerwehrleute auf dem benachbarten Reiterhof "equus integra" von Dagmar Hastreiter ein Ponyreiten. Abends sorgten die Geschwister Katrin, Martin und Christian Baier unter dem Namen "Wittschauer Musikanten" für Stimmung im Festzelt. Sie zeigten sich einmal mehr von ihrer besten Seite und spielten fleißig auf.

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