Platz für Angler

Schade, dass Friedrich dem Schönen dieses noch immer urwüchsige Tal entgangen ist, obwohl es nur einen Steinwurf von ihm weg war. Keiner weiß genau, wie das Pfreimdtal vor 700 Jahren ausgesehen hat, als der Habsburger aus dem Burgturm blickte, eines ist gewiss: Schön ist es heute noch. In Trausnitz, wo der Wittelsbacher Ludwig der Bayer, dem in Regensburg eine Landesausstellung gewidmet ist, seinen Rivalen aus dem Hause Habsburg nach der Niederlage in der Schlacht von Mühldorf 1322 zweieinhalb in der Burg gefangen gehalten hat, beginnt die Tour entlang der Pfreimd.

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Sie schnuppert am Goldsteig, der auf einem schmalen Pfad, der nur für Wanderer geeignet ist, das Flüsschen ein Stück begleitet. Bis zur Bekanntschaft mit dem Qualitätswanderweg ist es noch eine Wegstrecke. Bei Ödmühle, wo eine Brücke über die aufgestaute Pfreimd führt und der Stausee beginnt, sucht ein Angler einen günstigen Platz um seinem Hobby nachzugehen. Zwei Wanderer, einige Hundert Meter voraus, orientieren sich Richtung Reisach. Der Pfad an der Pfreimd biegt bei der Andachtsstelle links zum Steilufer ab. Der Gedenkstein erinnert an Bezirksamtmann R. Müller, den Erbauer der Brücke. Schmal ist der Pfad flussabwärts, stellenweise dienen nur die Markierungen als Orientierung.

Der Bewuchs lässt immer wieder schöne Blicke auf das Wasser offen, mal silbrig glänzend, wenn sich die Sonnenstrahlen Bann brechen, mal düster daherkommend, wenn die Wolken die Oberhand behalten. Ein treuer Begleiter ist das Plätschern des Wassers. Je nachdem wie nahe der Weg am Fluss liegt, ist es leiser oder lauter, stets beruhigend, nicht bedrohlich gurgelnd. Steinige Gefährten brechen das Wasser, kantig und felsig hart oder glitschig bemoost.

Steil abwärts geht es zum Zaun der Tanzmühle, dem Pump- und Laufwasserkraftwerk, das 1954 von der OBAG erbaut wurde, zur Kraftwerksgruppe Pfreimd und seit wenigen Jahren zu "GDF Suez" gehört. Hier ist der Wendepunkt der Tour. Zwischen dem Kraftwerk Tanzmühle und dem gleichnamigen Weiler wird erneut die Pfreimd überquert und der Goldsteig betreten. Die naturbelassenen Ufer mit wilden Stauden und der schmale Pfad hin und wieder von Felsen flankiert erinnern an das Waldnaabtal. Das Pfreimdtal könnte die kleine Schwester sein, klein deshalb, weil die aus dem Wasser ragenden Steine nicht so gewaltig sind wie in der Waldnaab. Allerdings wirkt das Pfreimdtal luftiger, leichter.

Auch auf dem Pfad machen die Wanderer Bekanntschaft mit den Steinen. Sie sind aber leicht zu übersteigen. Erstaunlich sind die "Brücken", die über Zuflüsse, bisweilen nur Rinnsale, führen. Hier haben die Wegmacher Kreativität bewiesen. Mitten in der steinigen Pfreimd ein Hinweis auf Ruinen und ein Verbot sie zu betreten. Wo bitte sind hier Ruinen? Nach längerem, konzentriertem Schauen, sind sie auszumachen: Fundamente und eine Art Wasserdurchlass - überwuchert.

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Hohe Farne

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Die Natur hat sich die Reste der Thonmühle zurückerobert. Wird der Wald lichter, das Flussbett breiter, zeigen sich riesengroße Farne. Einen Meter sind sie locker hoch. Nur das leider überall wachsende Springkraut überragt sie und lenkt von ihnen ab.

Vor Trausnitz führt der Goldsteig aus dem Wald und gibt die Aussicht frei auf den Sachsenturm. 795 von Karl dem Großen erbaut, ist es das zweitälteste, intakte Gebäude in Deutschland. Und die angebaute Versöhnungskapelle erinnert an die Beilegung des Zwists zwischen Ludwig dem Bayer und Friedrich. Ebenfalls von hier oben aus zu sehen, quasi um die Ecke, dessen Gefängnis. Nur die Kette fehlt, die seine Flucht verhindern sollte. Sie hängt in der Regensburger Minoritenkirche als Ausstellungsstück.
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