13.02.2006 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Politiker soll Teile von Aachener Karnevalsrede abgeschrieben haben Friedrich Merz des Abkupferns beschuldigt

Aachen (AFP) - Der CDU-Politiker Friedrich Merz soll Teile seiner Rede als neuer Träger des Aachener Karnevalsordens "Wider den tierischen Ernst" abgeschrieben haben. Dabei handele es sich um Auszüge aus einer im Internet veröffentlichten Satire, berichteten die "Aachener Zeitung" und die "Aachener Nachrichten" (Montagsausgaben).

Friedrich Merz im Karnevals-Outfit. (Bild: dpa)
von Redaktion OnetzProfil

Den Satire-Text habe eine Bielefelder Universitäts-Sekretärin bereits im Mai 2003 verfasst. Merz sagte dazu laut WDR, er habe die Rede selbst geschrieben. Dabei habe er Gedanken eines Textes aus dem Internet übernommen; außerdem gebe es keine Rede, die ganz neu sei.

Laut seinem vom "Aachener Karnevalsverein" (AKV) veröffentlichtem Redetext legte Merz bei der im Fernsehen übertragenen Verleihung am Samstagabend ein "Elf-Punkte Programm für Deutschland" vor. Dessen Text ist in Teilen angelehnt an ein fiktives Bilanz-Interview mit "Bundeskanzler Heinrich von Pierer", das seit 2003 im Internet verbreitet wird. In dem auf den 2. Dezember 2010 datierten vermeintlichen Interview wird Ex-Siemens-Chef von Pierer als angeblicher Kanzler zu seinen Erfolgen und künftigen Plänen bei der "Sanierung Deutschlands" befragt.

Dazu heißt es unter anderem in dem satirischen Text: "Thüringen und Sachsen haben sich ja als sanierungsfähig erwiesen, die haben wir behalten. Für Mecklenburg-Vorpommern konnten wir nicht mehr tun, Totalverlust. Da kam uns das Angebot der Bush-Administration ganz recht, gegen die Übernahme der Landesschulden und für den symbolischen Kaufpreis von einem Euro das Land als Atomtestgelände zu verkaufen." Merz sagte laut Redetext: "Für Mecklenburg-Vorpommern ist die Lage komplizierter. Wir werden das Land als Totalverlust abschreiben, und die Fläche werden wir dann in einem zweiten Schritt im Verfahren 'sail buy back' mit den verdienten Euros aus dem Gasgeschäft Mecklenburg-Vorpommern schuldenfrei zurückerobern und werden Gysi und die PDS den Russen überlassen."

In dem fiktiven Interview weist der Fragesteller zudem darauf hin, von Pierer habe als Kanzler den Bundesetat durch den Verkauf der deutschen Schulden an US-Pensionsfonds saniert. "Es gab durchaus Kritik daran, dass Sie als Sicherheit die Alpen, den Schwarzwald, den Kölner Dom, die Rüdesheimer Drosselgasse sowie Rothenburg ob der Tauber und das Münchner Oktoberfest verpfändet haben." In der Rede von Merz hieß es laut AKV: "Der Bundeshaushalt wird saniert durch einen Verkauf der deutschen Schulden an einen großen amerikanischen Pensionsfond, im Volksmund: an eine Heuschrecke. Als Sicherheiten werden wir übertragen: die Alpen, den Schwarzwald, den Kölner Dom, die Rüdesheimer Drosselgasse sowie Rothenburg ob der Tauber und das Münchner Oktoberfest."

AKV-Präsident Dieter Bischoff nahm Merz derweil gegen Kritik in Schutz. Merz habe eine "hervorragende Rede" gehalten, sagte Bischoff auf AFP-Nachfrage. Außerdem werde "jeder gute Witz zweimal erzählt". Der Vereinspräsident verwies zudem darauf, die AKV-Sitzung habe mit einer TV-Quote von 16,9 Prozent "mehr Fernsehzuschauer gehabt als die Olympischen Spiele".

Die komplette Rede:

Quelle: www.akv.de

Liebe Ordensbrüder, liebe Ordensschwester,
hoher Präsident und Elferrat,
Liebe Närrinen und Narren,

und da wir in Berlin jetzt alle Freundinnen und Freunde sind:
Lassen sie uns aus Aachen zunächst einen herzlichen Gruß nach Berlin schicken, Ich weiß von meinen letzten Besuch bei ihr, dass sie uns heute Abend am Fernseher zuschaut, niemand nennt sie mehr späte Rache der DDR an der CDU, heute ist sie unsere Bundeskanzlerin.

Wir haben sie nach Aachen eingeladen, lieber Joachim und liebe Angela, wir grüßen Dich aus Aachen. Ich weiß, als du die Einladung bekommen hast, wolltest Du schon zusagen. Aber gegen Ende des Programms hat sie dann gelesen: Gregor Gysi und Friedirch Merz. Da dachte sie : Von hier nach Aachen, das ist nicht zu weit, aber da kommen die schlimmsten und gleich zu zweit. Leider hat auch Edmund Stoiber abgesagt. Wir hätten ihn mit seinem großartigen Humor so gern wieder bei uns gehabt. Alle haben wir noch gut und dankbar in Erinnerung, wie er von dieser Stelle vor 6 Jahren aus Deutschaland den kranken Mann Europas, wieder gesund machen wollte.

Der AKV und die Bundesrepublik tobte vor Begeisterung und das hört sich dann so an:
"Wenn Sie vom Hauptbahnhof in München im Grunde genommen mit zehn Min., ohne dass sie am Flughaben noch einchecken müssen, dann starten sie im Grunde genommen am Flughaben .... Am .... Am .... Hauptbahnhof in München starten sie ihren Flug. Zehn Min. Schauen sie sich mal die großen Flughäfen an, wenn sie in Heathrow in London oder sonst wo, meine sehr ähh Charles de Gaulle in Frankreich in in Rom. Wenn sie sich mal die Entfernungen ansehen, wenn Sie sich Frankfurt ansehen, dann werden sie feststellen, dass zehn Min. Sie jderzeit locker in Frankfurt brauchen, um Ihr Gate zu finden. Wenn sie vom Flug vom vom Hauptbahnhof starten - Sie steigen in den Hauptbahnhof ein, Sie fahren mit dem Transrapid in zehn Minuten an den Flughaben in an den Flughafen Franz-Josef Strauß. Dann starten sie praktisch hier am Hauptbahnhof in München."

Ja. Meine Damen und Herren, das ist Politik in ganz großen Linien, das ist klares Denken das ist Satzaufbau. Wenn wir beide, lieber Ritter Theo immer so klar gedacht hätten und so überzeugend gesprochen hätten, dann wäre in der deutschen Politik niemand an uns vorbeigekommen.

Lieber Ritter Guido, ich sehe Dich lachen und spotten über die CSU. Du solltest dabei nicht vergessen, dass gerade die FDP der CSU sehr viel zu verdanken hat.

Als wir beide noch in Bonn Studenten waren, da hat nämlich Franz-Josef Strauß Deiner FDP damals ein großzügiges Angebot gemacht. Einer Deiner Vorgänger im Amt des Fraktionsvorsitzenden machte sich seinerzeit - wie Du heute - lustig über die CSU, und sagte dann zu Strauß:
"Und im übrigen, Herr Strauß, mit Ihrem Bayernkurier gehe ich höchstens auf ein gewisses Örtchen."
Darauf sprang Strauß hoch im Saal und rief des Deutschen Bundestages:
"Wenn´s dös machen, Herr Mischnick, dann hams bald mehr Verstand im Arsch als im Kopf !"

Seitdem bekommt die FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag sowie kostenlose Abo´s des Bayernkurier wie sie braucht !

Überhaupt die Bayern in Berlin. Wir haben jetzt endlich wieder einen würdigen Nachfolger für Ludwig Erhard im Amt des Bundeswirtschaftsministers. Er muss von uns allen noch ein wenig unterstützt werden in seinem schweren Amt. Aber er ist persönlich ein anständiger Kerl, der alle Voraussetzungen mitbringt, dass in Deutschland endlich wieder gute Wirtschaftspolitik gemacht wird. Ich sehe meine Aufgabe darin, dem Michel Glos noch das Zigarrerauchen beizubringen. Wir haben letztre Woche schon einmal drei hintereinander geraucht, er war dann etwas blass um die Nase, hat aber trotzdem noch eine Presseerklärung abgegeben und zu hochen Lohnabschlüssen aufgefordert, damit die Volkswirtschaft wieder in Gang kommt.

Meine Damen und Herren, nun lachen Sie nicht darüber, erstens hat er Recht damit, die Löhne müssen kräftig nach oben, damit wir uns endlich wieder etwas leisten können, und schließlich kann sich der Michel auch auf höchsten Beistand berufen und Ritter Karl, Du weißt es, es steht schon in der Bibel geschrieben:
"Man muss Gott für alles danken, selbst für einen Unterfranken !"

Die Bundesregierung könnte es übrigens noch ein bisschen leichter haben. Sie hätte nur meinen Koalitionsvertrag in meinen Bierdeckel einbauen müssen.
Ich habe heute abend noch einmal das Original dieses Bierdeckels mitgebracht. Sie sehen: er ist klein und übersichtlich. Eine leicht verständliche Dreisatz-Aufgabe.

So könnte es sein: Jeder kann seine Steuerklärung auf einem Bierdeckel abgeben.
Aber jetzt zeige ich Ihnen, was meine politischen Freunde in allen Parteien daraus gemacht haben: Sie haben gesagt, Ja der Merz hat Recht, einer Steuererklärung musst auf einen Bierdeckel passen, aber der Bierdeckel einer grossen Koalition - wie sich das für eine grosse Koalition gehört - muss etwas grösser sein. Und so sieht er jetzt aus, der Bierdeckel der grossen Koalition:

Sie sehen, meine Damen und Herren, so wird das nichts mit dieser grossen Koalition. Bis heute habe ich zu all dem eisern geschwiegen, was das seit Mitte des letzten Jahres in Berlin geschieht. Heute aber breche ich mein Schweigen. Ich stelle Ihnen mein 11-Punkte Programm für Deutschland vor. Und so kommen wir mit streng marktwirtschaftlichen Lösungen aus der Krise:

1.
Wir fangen mit dem größten Problem an, nämlich mit Ostdeutschland. Wir lösen zuerst die Konten auf. Die Gelder werden natürlich in Euro an die Bürgerinnern und Bürger, die vor 1989 in der DDR gelebt haben, zurückgezahlt. Für Mecklenburg-Vorpommern ist die Lage komplizierter. Wir werden das Land als Totalverlust abschreiben und die Fläche werden wir dann in einem 2. Schritt im Verfahren "sail buy back" mit den verdienten Euros aus dem Gasgeschäft Mecklenburg-Vorpommern schuldenfrei zurückerobern und werden Gysi und die PDS den Russen überlassen.

2.
Berlin erklären wir zum polnischen Hoheitsgebiet. Nur so werden wir die Kaufkraft der Rentner um 3 Euro signifikant erhöhen. Die polnische Regierung verpflichtet sich im Gegenzug, in diesem Gebiet bis zu einer Million bisher deutscher Rentner anzusiedeln. Von 300 Euro Rente kann in Deutschland schließlich keiner mehr leben, in Polen aber schon, allein wegen der wesentlich geringeren Lebensunterhaltungskosten.

3.
Der Bundeshaushalt wird saniert durch einen Verkauf der deutschen Schulden an einen großen amerikanischen Pensionsfond, im Volksmund: an eine Heuschrecke. Als Sicherheiten werden wir übertragen: die Alpen, den Schwarzwald, den Kölner Dom, die Rüdesheimer Drosselgasse sowie Rothenburg o.d. Tauber und das Münchender Oktoberfest. Der Erwerber kann die Objekte nach 2 Jahren freihändig verwerten, wir haben ihm bereits den Verkauf an italienische Hedgefonds empfohlen. Lachen Sie nicht ! Italien ist schließlich der Beweis dafür, dass es ein Leben nach dem Tod gibt.

4.
Bei den Arbeitslosen gehen wir ebenfalls einen ganz neuen Weg. Wir sind bereits dabei, einen großen Teil der uns bekannten Dauerarbeitslosen zu entlassen. Das hat anfangs natürlich wieder keiner verstanden, aber das macht schließlich jeder erfolgreiche Manager, er entlässt Leute, die zuviel an Bord sind.
Wir haben bereits drei Millionen Arbeitslose aus der deutschen Staatsbürgerschaft entlassen und aus Deutschland ausgewiesen.
Die restlichen zwei Millionen, überwiegend jugendliche Arbeitslose werden wir voraussichtlich an asiatische Länder abgeben. Jürgen Rüttgers verhandelt derzeit in meinem Auftrag über die Einführung einer sogenannten "Blond Card" mit Indien. Wir nennen das Programm: "Kinder für Inder."

5.
Auch bei der Landesverteidigung werden wir massiv sparen. Als Privatmann halten sie sich ja schließlich auch keinen persönlichen Polizisten. Warum sollten wir das als Staat also tun ? Die Bundeswehr wird abgeschafft und für feierliche wie für traurige Anlässe - Zapfenstreich, Beerdigungen, Entlassungen von Bundesministern und zu ähnlichen Benefiz-Veranstaltungen - durch eine Trachtengruppe unter der Führung von Karl Moik ersetzt. Zu Sondereinsätzen kann nach wie vor Johannes Heesters hinzugezogen werden.

6.
Die größte Einsparung und Effizienssteigerung ergibt sich durch die vollständige Abschaffung des Berufsbeamtentums. Wir gehen hier allerdings nicht ganz so weit wie die Schweiz, es wird ein kleiner persönlicher Service-Stab für die Mitglieder der Bundesregierung weiter vorgehalten, damit der Eindruck von Geschäftsmäßigkeit wenigstens auf den Fluren der Ministerien weiter aufrechterhalten werden kann.

8.
Auch die Politiker selbst leisten ihren Beitrag zugunsten der Staatskasse. Es ist überhaupt nicht einzusehen, dass solche hochkarätigen Entertainer kostenlos bei Vereinsfesten und Einweihungen auftreten. Wir werden deshalb ab sofort Gebühren für die Anwesenheit von Politikern erheben, so kommt Geld in die Staatskasse und die Terminflut der Betroffenen reißt ab.
Ich weiß, dass diese Maßnahme bei den Politikern selbst extrem unpopulär ist, zumal einige der Betroffenen sogar bereit waren, die Gebühren aus eigener Tasche zu zahlen, damit sie nur weiter reden dürfen. Aber die Deutschen müssen sich daran gewöhnen, dass es nichts kostenlos gibt, auch nicht Grußworte von Politikern. Roberto Blanco singt bei einer Einweihung eines Baumarktes ja auch nicht umsonst.

9.
Die territoriale Bereinigung unseres Portfolios im Osten werden wir durch spektakuläre Zukäufe im Westen ergänzen. Wir wollen durch Zukäufe in den emerging markets wachsen. Wir befinden uns seit einigen Wochen in Verhandlungen mit Frankreich, wir wollen das Elsass zurückkaufen. Die Franzosen sträuben sich noch, sind aber in einer extrem schlechten Verhandlungsposition seitdem Paris von marodierenden Afrikanern aus den ehemaligen Kolonien zur Hälfte besetzt wurde und in Marseile jetzt ein islamischer Kalif regiert. Frankreich braucht das Geld, es wird uns das Elsass günstig überlassen.

Berlusconi hat uns darüber hinaus Südtirol zum Kauf angeboten. Südtirol würde durchaus in unser Produkt-Portfolio passen. Dort gibt es noch eine ausgeprägte Landwirtschaft und Landwirtschaft gehört nach wie vor zu den deutschen Kernkompetenzen.

Ich kann schließlich bestätigen, dass wir Großbritannien eine Vollfusion angeboten haben. Das könnte die Phantasie der Anleger in die Aktien der Hersteller von Regenmänteln, Schirmen und musealen Kopfbedeckungen beflügeln. Wir rechnen hier mit einem lang haltenden Aufschwung.

10.
Die Bekämpfung der Vogelgrippe wird uns ganz unerwartet helfen, einige kulturelle Probleme unseres Landes im Zusammenleben mit Mitbürgern islamischen Glaubens zu lösen, insbesondere die Vielweiberei einzudämmen. Wir werden die nötigen Kontrollen bei den türkischen Geflügelzüchtern massiv verschärfen, nachdem uns dort bereits vor einiger Zeit das Angebot gemacht wurde: "Nehmt meine Frauen, lasst mir die Hühner !"
11.
Dieses Sanierungsprogramm für Deutschland dauert maximal 18 Monate. Spätestens Ende 2007 werden wir in den verbleibenden öffentlichen Haushalten Überschüsse produzieren, so dass wir zum 01.01.2008 auch eine echte Steuerreform verabschieden können.

Wir brauchen als Staat dann überhaupt kein Geld mehr, deswegen werden alle Steuergesetze Ende nächsten Jahres einfach abgeschafft.

Das ist mein Programm für Deutschland, liebe Närrinnen und Narren !

Es wird und muss nicht jedermann gefallen, doch gleich wofür Ihr hebet jetzt die Hand, zum Beifall oder zum Proteste: Ihr hattet mich erwählt zu diesem Feste. Und nur zu dieser Jahreszeit ist uns erlaubt so richtig breit zu reimen und zu lästern, auf rote Brüder, schwarze Schwestern, auf Gelbe, Grüne und die Dunkelroten.

Sehn wir trotzdem selbst als Boten der Zuversicht, der Freud´am Leben. Mit aller Kraft wolln wir das geben was Deutschland immer noch am besten kann, nach langen Streit ein Schwung nach oben.Wir packen jetzt den Aufschwung an und wolln fortan uns selbst nur loben. Lasst mit der Zeit, die uns gegeben um die Wette vorwärtsstreben !
Aachens Fußball: Bundesliga !

Der AKV von Rom bis Riga

Fußball, Reiter und Olympia, 2006 - ein tolles Jahr !

Dem Ritter Karl sei viel gedankt, für seine Worte, die er fand. Und euch grüßt durch der Stäbe Gitter Friedrich Merz der Weisse Ritter !

Aktuell und Wissenswert

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