Pontifikalamt zum Jubiläum der Waldkapelle: Erzbischof Dr. Ludwig Schick für "Entschleunigung"
"Glaube überdauert alle Trends"

In großer Zahl feierten die Gläubigen das Pontifikalamt unter freiem Himmel mit.

"Meine Seele preist die Größe des Herrn": Diese Aufschrift aus dem Magnificat hat das Lauf-Trikot, das Pater Samuel Patton als Hausherr und Pfarradministrator Erzbischof Dr. Ludwig Schick als Geschenk überreichte. Der Bamberger Oberhirte, der als leidenschaftlicher Läufer gilt und bereits zum 18. Mal das Goldene Sportabzeichen errungen hat, war anlässlich des 275-jährigen Bestehens der Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung in die Pfarrei St. Jakobus Thurndorf gekommen.

Bei strahlendem Sonnenschein feierten mehrere hundert Gläubige das von Schick zelebrierte Pontifikalamt unter freiem Himmel mit. Dem Festgottesdienst war ein Triduum mit Prof. Dr. Hans-Georg Gradl als Prediger vorausgegangen.

"Wir brauchen Entschleunigung", sagte Erzbischof Dr. Ludwig Schick in seiner Predigt. "Ständige Neuerungen und immer kürzer werdende Verfallsdaten rauben Lebenschancen und sind schädlich für die Natur und den Menschen." Die Kirche sollte in einer schnelllebigen Zeit der Umbrüche und ständigen Erneuerung einen Gegentrend verkörpern.

Die Schnelllebigkeit bestimme das soziale Leben und mache die Menschen krank, fördere Depressionen und die Abhängigkeit von Drogen, betonte der hohe Würdenträger. Dieser negativen Entwicklung setze die Kirche Tradition, Innehalten und bleibende Werte entgegen. Das "Bleiben und Dabeibleiben" sei für das menschliche Befinden und die Beziehungen wichtiger als das ständige Erneuern und Aufbrechen.

Zeit haben statt Hektik

Der Glaube, die Hoffnung und die Liebe seien bleibende Werte ebenso wie Treue, Solidarität, Gastfreundschaft und gute Nachbarschaft. Kirchen und Kapellen seien ein Zeichen dafür, dass der Glaube alle Trends und Verfallsdaten überdauere und in ihm Friede und Stabilität zu finden seien. "Die Kirche muss den Gegentrend verkünden: Entschleunigung statt Schnelllebigkeit, Tradition statt Innovation, Bleiben statt Aufbrechen, Zeit haben statt Hektik", erklärte der Oberhirte.

Auch Wissenschaftler spürten, wie gefährlich die ständigen Neuerungen und kurzen Gebrauchszyklen für die Umwelt seien: Es würden unverhältnismäßig viele Ressourcen verschwendet, für die nachfolgenden Generationen drohe nichts oder zu wenig übrig zu bleiben. Deshalb sei es wichtig, bei Jubiläen - wie dem der Wallfahrtskirche - an Bleiben, Bleibendes, Erhalten und Erhaltenswertes zu erinnern, merkte Schick an.

Bei der Gabenprozession mit Fürbitten - vorgetragen von Franz Eller, Irmgard Schaller, Hildegard Ziegler und Rudi Stopfer - wurden nach alter Tradition Gaben zum Altar gebracht und dem Erzbischof übergeben. Manfred Schaller, der Vorsitzende des Kapellenvereins, der zugleich sein zehnjähriges Bestehen beging, überreichte ein Bild von der Heimsuchung Mariens. Thomas Looshorn hielt eine Votivtafel in den Händen, Kommunionkind Leon Stopfer einen Feldblumenstrauß, Hannelore Stopfer einen Rosenkranz und Reinhold Schmidt die Osterkerze. Zum Abschluss der Prozession brachten die Ministranten die eucharistischen Gaben Brot und Wein zum Altar.

Segen für Linde

Musikalisch wirkten mit die Blaskapelle Thurndorf, eine Thurndorfer Männerschola sowie Sonja Schwemmer an der Orgel. Nach dem Schlusssegen erfolgte die Segnung der "Erzbischof-Dr.-Ludwig-Schick-Linde", die im Vorfeld des Patronatsfestes gepflanzt worden war. Gestiftet haben den Baum die Bayerischen Staatsforsten (Forstbeamter Michael Berngruber). Den Abschluss des verlängerten Festwochenendes bildete die Vesper mit Regionaldekan Dr. Josef Zerndl aus Bayreuth. (Hintergrund)
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