Pressegespräch mit Horst Ott und Alfred Melchner zur Kundgebung am 1. Mai - Arbeitnehmerrechte ...
Erst die Reden, dann das Familienfest

Horst Ott (links) und Alfred Melchner: Ein mitten in den Tarifverhandlungen steckender Gewerkschafter und ein erfahrener Vorsitzender des DGB-Ortskartells. Beide wollen mehr Gerechtigkeit für die Arbeitnehmer, sind dabei aber nicht immer einer Meinung über das "wie?". Bei der Kundgebung am 1. Mai werden sie ihre Positionen noch einmal deutlich machen. Bild: swt
Mit Horst Ott, dem 1. Bevollmächtigten der IG Metall Amberg, kommt am 1. Mai einer zur Kundgebung des DGB, der mit Auerbach "Gänsehaut-Gefühl" verbindet. "Vor einem Jahr stand erstmals um diese Zeit ein Warnstreik bei ZF an", erinnert sich der Gewerkschafter. "Gehen die Leute oder gehen sie nicht?", so lautete damals die Frage, die am Ende eines langen Weges lag.

Ein Sinneswandel

"Beim früheren Betrieb Cherry gab es kaum organisierte Mitarbeiter. Wer in der Gewerkschaft war, hatte keinen leichten Stand", erzählt Ott gegenüber unserer Zeitung. Dann kam der mögliche Verkauf durch Peter Cherry und die Mitarbeiter fragten sich, was nun? "Ein Sinneswandel hat stattgefunden." Jetzt sind bei ZF über 65 Prozent der Mitarbeiter gewerkschaftlich organisiert. "Das zahlt sich für diese natürlich aus, durch bares Geld, etwa durch die Einführung der ERA-Lohnberechnung oder der sofortigen und stufenweisen Anhebung der Löhne und Gehälter nach Tarifvertrag." Ott spricht von Kulturwandel in Auerbach, ZF sei im Arbeitgeberverband, dadurch habe sich die politische Gewichtung verändert.
Nach dem Warnstreik im letzten Jahr ist die Kundgebung zum 1. Mai in Auerbach auch in diesem Jahr wichtig für die Metaller, erklärt der Bevollmächtigte. Die Tarifverhandlungen haben bisher zu keinem Ergebnis geführt. Nun endet am 1. Mai um 0 Uhr die Friedenspflicht. In 22 Betrieben in der nördlichen Oberpfalz sollen innerhalb von 6 Tagen 97 Aktionen stattfinden - auch bei ZF in Auerbach. Und Ott geht noch einen Schritt weiter: "Wie ich die Arbeitnehmer einschätze, sollte von Arbeitgeberseite schnell ein Angebot kommen." Denn man bereitet auch bereits eine mögliche Urabstimmung mit anschließendem Streik vor. 10 000 Mitglieder stehen hierzulande bereits in den Startlöchern, sollten die Verhandlungen am 14. Mai scheitern. Auch darüber will Horst Ott am 1. Mai in Auerbach informieren.

Beginn um 10 Uhr

Um 10 Uhr beginnt am SV 08 Sportheim die traditionelle Kundgebung, die bereits zum zweiten Mal in ein Familienfest eingebettet ist, dass die Vertrauensleute von ZF organisieren. Sie haben zusammen mit dem DGB-Ortskartell und dessen Vorsitzendem Alfred Melchner das Fest organisiert.
"Früher", so erinnert sich Melchner, der seit 50 Jahren an der Spitze des DGB in Auerbach steht, "ging um 6 Uhr morgens die Knappschaftskapelle durch die Straßen und weckte die Menschen am 1. Mai. Danach gab es eine große Kundgebung auf dem Marktplatz." Eine Machtdemonstration gegenüber den Arbeitgebern, wie er sagt.

Horst Ott sieht den 1. Mai dagegen als Familientag und hat deshalb auch keine Erwartungen an die Teilnehmerzahlen. "Ich spreche vor 20 und auch vor 200." Sein Referat werde kurz ausfallen, er will sich auch nicht an vorgearbeitete Reden halten. Der Kontakt zu den Menschen vor Ort ist ihm wichtiger. Und Macht müsse man in den Betrieben demonstrieren, nicht unbedingt am 1. Mai. Der DGB und auch dessen Ortskartell in Auerbach spiele dabei eine wichtige Rolle. Auf dem Programm am 1. Mai stehen nach der Ansprache durch Bürgermeister Joachim Neuß und dem Referat von Ott auch Kinderbelustigungen und eine Tombola zugunsten des Archeladens. Die Veranstaltung steht unter dem Motto: "Gute Arbeit, sichere Rente, soziales Europa." Ein wichtiges Thema, wie Melchner findet, gerade im hinblick auf Altersarmut. "Wertschöpfung gibt es nur mit Arbeitnehmern, die anständig bezahlt werden und eine ordentliche Rente bekommen!"
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