24.03.2003 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Referent sieht in der geistigen Auseinandersetzung mit Islam das einzige Mittel - Warnungen - ... Gedankengänge am "Tag 3" des Krieges im Irak

von Redaktion OnetzProfil

Von Heinrich Mayer

Nittenau. "Die Schlacht kann nur geistig gewonnen werden. Kriegerisch nicht." Jörn Brauns von der "Carl-Cranz-Gesellschaft" meint damit die Auseinandersetzung der westlich orientierten Welt mit dem Islam. Er sieht in dem, was seit Tagen im Irak passiert, eher immense Gefahren. Über zwei Stunden lang sprach er am Samstag beim sicherheitspolitischen Seminar der Reservisten-Kreisgruppe Oberpfalz-Mitte.

Kreis- und Bezirksvorsitzender Werner Gebhard aus Poppenricht vermerkte eine "enorme Aktualität und nicht gekannte Brisanz für jeden von uns", als er zu Begrüßung im Landgasthof Schmidbauer ansetzte. Doch ehe man in die Tagesordnung einstieg, gab es noch Ehrungen.

"Zufall will es so"

Für besondere Verdienste wurden seine beiden Amtsvorgänger Gerd Heinz Schmitz und Erwin Hecht aus Nittenau ausgezeichnet, ebenso die Ortsgruppen Amberg, Hirschau und Bruck für die besten Werbeergebnisse.

Zweiter Bürgermeister Otto Storbeck verwies darauf, dass Friede kein selbstverständliches Gut sei. Insofern werde die Veranstaltung vom Krieg überschattet.

Oberstleutnant d. D. Klaus Wolkersdorfer, Beauftragter für Sicherheitspolitik, stellte am dritten Kriegstag ("Der Zufall will es so") die Frage nach der Richtigkeit des Waffengangs. Die Diplomatie, vor allem die deutsche, sei gescheitert, Diskussionen mithin zwecklos. Wolkersdorfer sieht sich auf der Seite der Amerikaner: "Die Welt ist ohne Saddam sicherer. Er bedeutet eine tödliche Gefahr für die Weltgemeinschaft."

Hätte es 1939 einen Präventivkrieg gegen Hitler gegeben, wären Millionen von Toten und der Holocaust vermieden worden, ist sich der ehemalige Oberstleutnant sicher.

Die Zusammenhänge

"Kein Mensch hat die Wahrheit gepachtet, wir können uns nur auf den Weg zu ihr machen", verdeutlichte Jörn Brauns. Er leitet die "Carl-Cranz-Gesellschaft", eine technisch-wissenschaftliche Weiterbildungstätte mit Sitz in Pfaffenhofen. Sie wurde unter der Schirmherrschaft von Franz-Josef Strauß gegründet.

Es komme darauf an, Dinge zu sagen, die weh täten, aber gesagt werden müssten, fuhr das bekennende CSU-Mitglied fort. Und dazu gehörten ein Blick in die Historie und eine genaue Betrachtung der Zusammenhänge im arabischen Raum.

Es gebe kein "irakisches Volk", nur Volksgruppen in einem künstlich errichteten Staatsgebilde, ließ der Referent wissen. Briten und Franzosen haben es seinen Worten nach geschaffen.

Der 11. September

Ebenso verhalte es sich mit der Staatsgründung von Israel. Auch hier sei 1948 durch die Briten eine Zuweisung in Palästina erfolgt. Dass die Juden den verständlichen Wunsch nach einem eigenen Staat realisiert hätten, hänge hauptsächlich auch mit dem Jahrhunderte praktizierten Antisemitismus in den europäischen Staaten zusammen.

Zu Saddam Hussein: Hatte er mit dem 11. September 2001 zu tun? "Nein", betonte Brauns. Der laizistische Diktator könne mit religiösen Eiferern nichts anfangen, insofern lebten beispielsweise die Christen bislang relativ sicher im Irak. "Das wird sich mit dem Krieg ändern, auch was die Kurden anbelangt", verwies er auf die schiitische Mehrheit im Lande.

Die Friedensdefinition

Das Land, das seit langer Zeit Terroristen weltweit unterstütze, heiße Saudi Arabien. 14 der 19 Attentäter von New York und Washington seien aus gutbürgerlichen, saudischen Familien gekommen. Sie hätten die Großzügigkeiten und Verlockungen der Demokratie mitbekommen und seien letztlich doch islamistisch fanatisiert vorgegangen.

Hierin sieht der Referent die ganz große Gefahr für den Westen. Er warnte davor, die islamische Lehre falsch zu interpretieren. Während Christen, Buddhisten oder Hinduisten den Frieden im Zusammenleben der Menschen, auch mit dem Nächsten, definierten, sehe der Koran die Friedensordnung dann gewährleistet, wenn die gesamte Welt islamisiert sei. Und dies könne nur durch den Dschihad, den heiligen Krieg, geschehen.

Die Koranschulen

Es müsse die verstärkte Wachsamkeit auch in den westlichen Ländern einsetzen. "Auch bei uns wird in den Koranschulen in diesem Sinne gelehrt", ließ Brauns wissen.

Der "fortschreitenden Balkanisierung in Deutschland" sei nur durch Integration zu begegnen. Und zwar dergestalt, "dass diese Menschen ihre Verhaltensmuster dem westlich-geistigen Koordinatensystem angleichen." Die deutsche Sprache gehöre natürlich dazu.

Beim amerikanische Präsidenten George W. Bush machte Jörn Brauns vor allem religiös bedingte Handlungsgründe aus. Dieser glaube daran, als "born again", also als "Wiedergeborener", eine neue Ordnung schaffen zu müssen, in der es eine klare Trennung zwischen "Guten" und "Bösen" gebe.

"Aus Nationen selbst"

"Die Demokratie unserer Prägung kann nicht auf die ganze Welt projeziert werden. Sie muss aus den Nationen selbst kommen", zog der Referent seinen Schluss.

Und wie die "kollektiv beleidigte arabische Welt" letztlich regieren werde, stehe in den Sternen. Denn eines sei klar: Die Muslime sähen im Krieg gegen den Irak einen "Kreuzzug des Westens, vor allem des Christentums".

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.