Retro und Zukunft

Ein wenig verkehrte Welt ist es schon: Während der Sommer seine schönsten Stunden erlebt, beginnt in den Geschäften bereits der Herbst. Die ersten Stücke der neuen Mode sind eingetroffen. Eine Tendenz zeichnet sich dabei bereits deutlich ab: Retro wird ein ganz großes Thema der kommenden Saison.



"Die Rückkehr von Werten - sowohl im Sinne der Wertschätzung eines Produktes, als auch im Sinne einer Rückbesinnung auf moralische Werte - prägt die Mode wesentlich", erklärt Gerd Müller-Thomkins. "Der Begriff der Nachhaltigkeit ist zum Gebot der Stunde geworden." Der Geschäftsführer des Deutschen Mode-Instituts (DMI) in Köln betont jedoch auch, dass es in der Mode nicht den Blick zurück gibt, ohne ihn gleichzeitig nach vorn zu richten. Eine Fusion zwischen gestern und heute, zwischen Retro und Zukunft, ist daher stilbildend für die neue Mode.

Diese Verbindung drückt sich beispielsweise in dem aktuellen Bohème-Stil aus, bei dem Elemente des Punks der 70er-Jahre gemixt werden mit Couture-Luxus, Biker-Einflüssen und exzentrischen Ideen. Dazu gehören auch prachtvoll bedruckte Stoffe, die zu lässigen Outfits verarbeitet werden.

Edel und feminin

Etwas schräger sei das Spiel mit Mustern. "Bei diesem Thema sieht man britisch und asiatisch inspirierte Teppich- oder Blumenmuster ebenso wie Op-Art-Dessins oder moderne Abstraktionen", sagt Müller-Thomkins. Edel und feminin wirkt schließlich ein Thema, das vor allem von der eleganten Atmosphäre des Film Noir inspiriert wird, einer Klassifizierung von Filmen mit starken Hell-Dunkel-Kontrasten, entfremdeten Protagonisten und urbanen Schauplätzen. Diesen Modetrend dominieren schimmernde Materialien und romantische, ein wenig surreal anmutende Motive.

Worauf sollte aber die Frau angesichts dieser Fülle neuer Ideen beim Shopping achten? Für die Modeberaterin Katharina Starlay aus Wiesbaden beispielsweise ist "Strick mit Glitzer eine Idee, die im kommenden Winter wichtig sein wird, ebenso wie barocke Elemente und Ornament-Muster". Auch Tiermuster, besonders vom Leoparden, seien ein Thema, auf das modebewusste Frauen ihr Augenmerk richten sollten.

Vor allem aber setzt Starlay auf das richtige Styling: "Wichtig ist meines Erachtens der gekonnte Einsatz von Stoffen und Materialien, die dem Körper Struktur geben und - an den richtigen Stellen eingesetzt - eine schöne Körperbewegung zur Geltung bringen, etwa als fließende Hose in satiniertem Glanz mit einer Lederweste und halb-transparenter Bluse dazu."

Auch die Personal Shopperin Stephanie Zarnic aus München hat sich bei den neuen Trends für den Herbst und Winter umgesehen. Neben den bereits erwähnten Tiermustern ist für sie die Farbe Rot stark im Kommen.

Schlichte Schnitte

"Bei den Silhouetten wird sich in meinen Augen der lässige Oversized-Look durchsetzen, der perfekt ist, wenn man kleine Pölsterchen kaschieren möchte", erklärt Zarnic. Damit gemeint sind weite und lange Kleidungsstücke, die immer ein wenig so wirken, als seien sie zu groß. Sie werden meistens kombiniert mit schmaler geschnittenen Stücken als Gegensatz. "Auch die schlichten Schnitte lassen sich von vielen Frauen gut tragen - vor allem dann, wenn man sie mit Accessoires wie auffallenden Schmuckstücken kombiniert", sagt die Modeexpertin.
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