12.09.2008 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Richard W. Dill portraitiert die niederbayerischen Abgeordneten von 1848: Neuerscheinung im ... Das Revolutionsjahr in der bayerischen Provinz

von Susanne WolkeProfil

Viechtach. 1848 war das Jahr der Revolution. Auch in Niederbayern. "Die Niederbayern waren so unaufgeklärt und rückwärtsgewandt nicht und verdienen im Rückblick als Vertreter eines deutschen, freiheitlichen und zukunftsorientierten Bayern unsere verspätete Sympathie", hält Richard W. Dill fest. Der Historiker hat den neun Vertretern Niederbayerns in der Frankfurter Paulskirchenversammlung ein Denkmal gesetzt. "Niederbayern 1848. Über die schwierigen Anfänge der Demokratie - die niederbayerischen Abgeordneten in der Paulskirche" lautet der Titel seines Buches, das im Viechtacher lichtung verlag erschienen ist.

Patriotisch geht es auf den knapp 250 Seiten nicht zu. Eine feine Ironie ist allgegenwärtig, wenn Dill in knapper aber einprägsamer Form die Entwicklungen von 1848 schildert. Der Autor, der sich gleich zu Beginn offen als Sympathisant der Reformer bekennt, legt streckenweise eine erfrischende Respektlosigkeit an den Tag. Und das nicht nur den niederbayerischen Abgeordneten gegenüber, deren Lebenswege er nachzeichnet: vom feisten Karl Ostermünchner, dem "Bräu" von Griesbach, über den Landrichter Seraph Hofer bis hin zum italienisch-stämmigen Johann Baptist von Zenetti - bis auf einen war die niederbayerische Delegation übrigens stramm konservativ und Monarchie und Kirche treu ergeben.
Auch Ludwig I. kommt nicht ungeschoren davon. Über den Bayernkönig erfährt der durch schmeichelnde Staatsporträts gefütterte Leser, dass er äußerst unattraktiv gewesen sein soll. "Die bayerische Geschichtsschreibung ging lange Zeit unverdient nachsichtig mit ihm um und lässt ihn gern als Freund der Künste, als Erbauer der Walhalla und Erfinder des Oktoberfestes hoch leben", bemerkt Dill über den Monarchen. "Inzwischen darf er etwas wirklichkeitsnaher porträtiert werden."

Die Kritik an der Herrscherklasse, die Dill anbringt, lässt sich auch auf heutige Verhältnisse übertragen. Teilweise tut dies der Autor selbst. Über die von Bayern damals vorübergehend genehmigte Pressefreiheit - neben Religionsfreiheit, freien Wahlen und deutscher Einheit eine der Hauptforderungen der frühen Demokraten - schreibt er: "Allerdings mit dem bis heute bei der Aushebelung und Auslegung von Bürgerfreiheiten beliebten Zusatz: Das Nähere regelt ein Ausführungsgesetz."

Richard W. Dills Neuerscheinung ist nicht nur für Leser aus Niederbayern interessant. Unterhaltsam und informativ erzählt das Buch ein wichtiges Kapitel deutscher Geschichte als Geschichte. Der von außen eher unauffällige Band im Taschenformat birgt einen wahren Schatz an Wissen und intelligentem Witz.

"Niederbayern 1848. Über die schwierigen Anfänge der Demokratie - die niederbayerischen Abgeordneten in der Paulskirche" (256 Seiten) von Richard W. Dill ist im lichtung verlag erschienen und kostet 16,80 Euro.

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