Runde Sache im Dienst der Toleranz
Ballonaut 2013

Hubertus Wiendl lebt in Regensburg und stammt aus Neunburg vorm Wald. Der 53-Jährige ist Autor einer modernen Ballonauten-Saga. Der freie Journalist und Filmemacher will die Geschichte von Schmid, Perzl und Grau in ganz Europa zu einem Projekt für Toleranz und gegen Rechtsradikalismus weiterschreiben.

Wie sind Sie auf diesen sensationellen Stoff gestoßen?

Wiendl: Die Kinder von Jakob Schmid hatten das Reisetagebuch in einem Rucksack ihres Vaters auf einem Speicher in der Regensburger Altstadt. Sie sind jetzt um die 70, also in einem Alter, wo man Familiengeschichte nicht einfach untergehen lassen möchte. Sie konnten aber die altdeutsche Schrift nicht lesen. Das Buch ist dann fast ein Jahr in Regensburg durch verschiedene Hände gegangen, bis es bei mir gelandet ist.

Und Sie konnten es lesen?

Wiendl:Zuerst habe ich gedacht, dass ich es sichern und digitalisieren muss. Der Stoff hat mich sofort fasziniert, weil ich mir davon eine Antwort auf die Frage erhofft habe, wie eine so moderne Gesellschaft wie die deutsche in jenen Jahren so in ein Terrorregime kippen konnte. Transkribiert hat es meine 82-jährige Mutter, die die Sütterlinschrift entziffern kann.
Hat das Buch die Antworten gegeben?

Wiendl: Es hat wertvolle Hinweise gegeben. So zeigt es, dass 1932/33 der Bürgermeister auch der Polizeichef war, also in der Republik noch autoritäre Strukturen aus der Kaiserzeit geherrscht haben.

Sie bauen zurzeit den Ballonauten-Ball nach Originalplänen nach. Wann ist er fertig und was haben Sie damit vor?

Wiendl: Der Ball soll Ende Mai fertig sein. Wir sind zurzeit 15 Leute, die mal ein Verein werden wollen. Dazu beantragen wir gerade die Gemeinnützigkeit und wollen diverse Förderanträge stellen. Dabei unterstützt uns unter anderem Dr. Gerhard Schmid, der ehemalige Vizepräsident des Europaparlaments.

Wie macht er das?

Wiendl:Er hat uns die Türen in Europa weit aufgestoßen und Fördermöglichkeiten aufgezeigt. Wir suchen Partner in anderen Ländern, um die Idee der Solidarität in Europa auf der Straße zu recherchieren. Meine Gedanke ist: Die Ballonauten wären heute nicht nur in Deutschland, sondern auf dem ganzen Kontinent unterwegs. Auf der Suche nach regionalen Eigenheiten in Europa wollen wir auch unser bayerisches Bier mitbringen. Jeden Abend soll es dazu außerdem einen Livestream im Internet geben.
Wie wollen Sie die Fördermittel akquirieren?

Wiendl:Es soll ja ein Erziehungsprojekt gegen Rechts werden. Dazu soll der Ball noch dieses Jahr durchs Brandenburger Tor rollen. Bei dieser Gelegenheit wollen wir einen Antrag beim Bundesfamilienministerium stellen. Jede Anfrage nach einem Förderantrag soll mit Hilfe des Balles ein kleines Medienereignis werden.

Wie soll denn das Erziehungsprojekt aussehen?

Wiendl: Wir wollen von Schulhof zu Schulhof ziehen, um die Ballonauten-Geschichte vor Ort mit Schülern zu vertiefen. Die könnten das im Unterricht vor- und nachbearbeiten. Wer war damals in unserem Ort Bürgermeister?. Wie viele Arbeitslose gab es in unserer Stadt? Mit wem haben die Ballonauten bei uns Kontakt gehabt?

Ihnen schwebt auch ein Film vor.

Wiendl:Dazu laufen Verhandlungen im Hintergrund. Ich habe mir mal die Rechte gesichert. Auch ein Musical ist denkbar. Aber bis das so weit ist, müssen wir erst noch mehr Geschichten auf einer Recherchereise durch Deutschland ausgraben. Es haben sich auch schon bekannte Regisseure bei mir gemeldet.

Dazu brauchen Sie Unterstützer.

Wiendl: Wenn der Ball rollt und die Förderung stimmt, wollen wir auch um Prominente werben. Bis dahin soll es ein Ballonauten-Wiki im Netz und eine Facebook-Plattform geben, denn die Geschichte fasziniert und funktioniert weltweit. (phs)
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