Seit 100 Tagen steht Thomas Ebeling an der Spitze des Landkreises Schwandorf - Landrat im ...
Mit Mut und Zuversicht im neuen Amt

Vor 100 Tagen begann eine neue Ära am Landratsamt in Schwandorf: Der zum Nachfolger von Volker Liedtke gewählte Landrat Thomas Ebeling (38) trat seinen Dienst an. In einem Interview gab er nun zu verstehen, dass er seither großen Gefallen an der Ausübung des Amtes gefunden und den Wechsel von der Justiz in die Politik - zumindest bisher - nicht bereut hat. Bilder: Götz (2)

Schwandorf. (am) Thomas Ebeling, der erst dritte Landrat in der 42-jährigen Geschichte des Landkreises Schwandorf, befindet sich jetzt seit 100 Tagen im Amt. Mit dem 1. Mai hatte er seinen Dienst am Landratsamt angetreten, nachdem er als CSU-Kandidat am 30. März die Stichwahl gewonnen hatte. Welche Erfahrungen hat er seither gesammelt? Die NT-Redaktion nahm den Ablauf der als Einarbeitungszeit geltenden 100 Tage zum Anlass, um mit Ebeling ein Interview in seinem Dienstzimmer zu führen. Die Fragen stellte der Leiter der Lokalredaktionen im Landkreis, Wilhelm Amann.

Sie sind jetzt 100 Tage Landrat: Wie weit sind Sie in der Einarbeitung vorangekommen?

"Ich habe mich voll eingearbeitet, das lief bestens, und ich bin mir auch der Größe der Aufgabe bewusst. Ich hab natürlich noch nicht alles auf den Weg gebracht, aber das wäre ja auch noch zu früh".

Blieb da Zeit für eigene sommerliche Urlaubspläne?

"Ich war eine Woche lang weg und hab es genossen, mal was Anderes zu machen. Es war zwar keine Urlaubsreise, denn ich war als Mannschaftsbetreuer bei der Agility-EM in Ungarn. Aber da bekommt man wieder den Kopf frei".

Was beansprucht Sie eigentlich mehr: das Auftreten als Dienststellenleiter oder als Kommunalpolitiker?

"Auf alle Fälle die Dienststellenleitung. Beides sollte sich in einem angemessenen Verhältnis zueinander bewegen".

Worauf legen Sie selber mehr Gewicht?

"Ich bin schon gerne draußen vor Ort, bei den Menschen. Dabei will ich es aber auf keinen Fall vernachlässigen, im Amt gewisse Dinge zu erledigen, für die Mitarbeiter als Ansprechpartner da zu sein und ihnen entscheidungsfreudig zu begegnen".

Haben Sie sich Ihr Amt schwerer oder leichter vorgestellt?

"Nein, das ist genau das, wofür ich kandidiert habe und was ich jetzt mit Freude ausübe".

Welche persönlichen Erwartungen haben sich erfüllt?

"Ich bin durch nichts überrascht worden. Es läuft so wie ich mir das vorgestellt habe".

Wie kommen Sie mit dem Apparat Landratsamt zurecht, wie sind Ihnen denn die Mitarbeiter begegnet?

"Sehr aufgeschlossen. Ich habe es fast geschafft, alle einmal zu besuchen und in jedem Büro gewesen zu sein. Ich treffe hier auf ein hochmotiviertes Team, das mit mir zusammenarbeiten und das Beste für den Landkreis erreichen möchte".

Haben Sie damit so gerechnet?

"Ehrlich gesagt, ja. Ich habe ja schon im Wahlkampf gesagt, dass der Landkreis gut aufgestellt ist. Ich habe aber auch Themen benannt, bei denen ich noch Verbesserungsbedarf sehe. Ich habe den Eindruck, dieser Bedarf war auch im Hause schon erkannt worden".

Wo sehen Sie die größten Baustellen im Hause?

"Beim E-Government und überhaupt bei der EDV haben wir sicher noch Luft nach oben. Ich möchte das gerne vorleben. Beim Einsatz neuer Medien und Techniken müssen wir noch ein paar Dinge auf die Reihe bringen. Das trägt ja auch dazu bei, so manche Verfahrensabläufe zu beschleunigen. Es ist eine Daueraufgabe, an der Entwicklung dran zu bleiben und mit der Zeit zu gehen".

Welche Handlungsfelder wollen sie im politischen Raum vordringlich beackern?

"Zum Breitband-Ausbau gibt es ja das Programm der Staatsregierung, und wir hatten auch schon einen großen Breitband-Tag. Ein großes Thema ist zur Zeit auch die Asylbewerber-Unterbringung. Das hat mit Gestaltung des Landkreises zwar nichts zu tun, muss aber auch erledigt werden. Die Gründung des Vereins zur Regionalentwicklung war auch sehr wichtig, um die Leader-Förderung zu zentralisieren. Ja und von außen aufgedrängt wird einem natürlich die Energiewende. Sie können wir einfach nur mit den Menschen zusammen gestalten, dazu brauchen wir die Bereitschaft der Bevölkerung".

Zu welchen Themen sind in naher Zukunft eigene Vorschläge von Ihnen zu erwarten?

"Ein Schwerpunkt ist es für mich, das Landratsamt noch stärker als Dienstleistungszentrum auszurichten. Bei der Anwendung der Vorschriften und der Ermessensspielräume wird als allererstes die Handschrift des Ebeling zu sehen sein. Ich gehe da schon einen ganz eigenen Weg mit eigenen Vorstellungen".

Welche Veränderungen konnten Sie bereits in die Wege leiten?

"Ich habe bei einigen Maßnahmen und Vorhaben schon selbst die Unterschrift geleistet und die Verantwortung übernommen. Wenn es mal knifflig wird, bin ich gerne bereit, die Linie vorzugeben. Das ist auch schon mehrfach passiert. Schwierige Entscheidungen darf man nicht auf die Beamten übertragen, da ist schon der Chef selber gefragt, und es ist so gewollt, dass er selber den Kopf hinhält".

Wie funktioniert die Zusammenarbeit in der "Koalition" und mit den Stellvertretern?

"Ausgezeichnet! Wir haben ein sehr vertrauensvolles Verhältnis zueinander, so wie man sich das wünscht. Aber wir werden in Zukunft doch auch viele einstimmige Entscheidungen haben, denn die Beschlüsse orientieren sich eher selten trennscharf an einer 'Koalitionslinie'. Wir werden immer um eine breite Basis bemüht sein".

Schlägt sich der parteipolitische Machtwechsel auch in der Verwaltung nieder?

"Jeder Mitarbeiter darf in jeder Position jedes Parteibuch haben".

Auch in Schlüsselpositionen?

"Auch da. Es ist bisher auch nichts an Veränderungen passiert. Es gibt sicher mal die eine oder andere Veränderung, weil ein Bereich - zum Beispiel die Kreisentwicklung - neu aufgestellt werden muss. Das liegt dann aber in der Sache begründet, nicht in der Parteizugehörigkeit des Personals. Da unterscheide ich mich aber auch nicht groß davon wie es bisher gemacht wurde".

Was war das bisher schönste Erlebnis als Landrat?

"Es ist immer schön draußen bei den Menschen, die mich überall freundlich aufgenommen haben. Das trifft nicht nur auf Feste oder freudige Anlässe zu, sondern auch auf Ortstermine, bei denen man den Leuten nicht weiterhelfen kann. Das stieß bisher immer auf großes Verständnis".

Gab es auch schon eine dienstliche Enttäuschung?

"Ja, manche Dinge würde man gerne machen. Aber wenn es der rechtliche Rahmen nicht her gibt, geht es halt nicht".

Welche Entscheidung ist Ihnen bisher am leichtesten gefallen?

"Das war das eine oder andere Bauvorhaben, bei dem die Verwaltung unentschlossen war. Das nahm ich dann auf meine Kappe".

Fiel da eine Entscheidung auch mal zähneknirschend?

"Nein, bisher nicht".

Wer sind Ihre wichtigsten Ratgeber?

"Ich schätze es besonders, wenn jemand nicht meiner Meinung ist und es trotzdem sagt. Das zeugt von Ehrlichkeit. Wenn ich mal ganz unvoreingenommen und objektiv von außen einen Rat brauche, so frage ich meine Frau".

Hatten Sie nach dem Amtswechsel noch dienstlichen Kontakt zu Ihrem Vorgänger?

"Ja, wir treffen uns bei verschiedenen Veranstaltungen, so erst kürzlich bei der BMW-Einweihung. Wir sprechen miteinander und tauschen uns aus. Aufgrund der unterschiedlichen Parteizugehörigkeit werden wir wohl nie so ein inniges Verhältnis haben als ob wir uns schon seit JU-Zeiten kennen würden. Das sagt aber nicht, dass das Verhältnis schlecht ist. Ich schätze den Herrn Altlandrat sehr. Ich habe immer ein offenes Ohr, wenn mir jemand einen Rat geben möchte. Es wäre ja auch dumm, jemanden mit 18-jähriger Amtserfahrung nicht zumindest anzuhören".

Wie lange braucht ein neuer Landrat, um seinen ganzen Landkreis gut zu kennen?

"Das kann ich nicht sagen, denn ich habe ihn vorher schon gekannt. Ich bin im Wahlkampf überall gewesen...Das ist ungefähr so wie mit den gebürtigen Regensburgern, wenn man sie fragt, ob sie schon an einer Domführung teilgenommen haben. Da kennen bestimmt viele Externe den Dom besser als die Regensburger".

Welche Termine nehmen Sie besonders gerne an?

"Ich gehe prinzipiell überall gerne hin. Jede Gegend des Landkreises hat ihren besonderen Charme".

Was würden Sie am liebsten von heute auf morgen einführen oder abschaffen?

"Wir haben in der Region tendenziell alles, was man braucht. Da gibt es nur in Teilbereichen den Bedarf zu Verbesserungen. Solange beim Breitband-Ausbau noch weiße Flecken im Landkreis herrschen, bin ich natürlich nicht begeistert. Oder auch beim Tourismus lässt sich noch mehr machen. Deswegen brauchen wir aber den Tourismus nicht neu erfinden oder Bestehendes schlecht reden. Der Landkreis steht insgesamt gut da. Wir haben viel bis alles".

Haben Sie den Wechsel in die Politik in einer stillen Stunde schon mal bereut?

"Nein, auf keinen Fall. Ich habe mich schon immer für die Kommunalpolitik interessiert und sie gerne gemacht - ob ehrenamtlich oder beruflich als Mitarbeiter der CSU-Landtagsfraktion. Umso mehr begeistert bin ich jetzt von meinem Beruf, der schon fast meine Berufung geworden ist".
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