Stadt-Delegation zu Besuch im Markt Floß als Partnerort des Jüdischen Netzwerks Oberpfalz
Neuer Glanz am "Judenberg"

Die Herzogstadt knüpft munter weiter am "Jüdischen Netzwerk Oberpfalz". Beflügelt von der Einweihung der Synagoge, machte sich eine Delegation nach Floß auf, um mehr über die dortige jüdische Vergangenheit zu erfahren. Höhepunkte waren dabei der Besuch des israelitischen Friedhofs und eine Führung in der glanzvoll restaurierten Synagoge am "Judenberg".

Nach dem Besuch des Netzwerk-Partnerorts Sulzbürg Mitte März machte sich nun eine Abordnung der Stadt auf in den Markt Floß. Bürgermeister Michael Göth, Stadtheimatpfleger Dr. Markus Lommer sowie Archivar Johannes Hartmann trafen dort mit Bürgermeister Günter Stich zusammen, der sich als versierter Kenner der jüdischen Vergangenheit in Floß erwies.

Der Gastgeber erinnerte daran, dass in Floß bereits im Jahr 1721 eine kleine hölzerne Synagoge bestand. Diese sei aber ähnlich der in Sulzbach 1813 vollständig niedergebrannt, was den Bau einer neuen Synagoge für die jüdische Gemeinde des Ortes nötig machte. 1817 wurde der Neubau vollendet. Zum damaligen Rabbinatsbezirk gehörten die Nachbarorte Neustadt an der Waldnaab, Weiden und zeitweilig auch die Orte Waldsassen und Tirschenreuth.

Schrein herausgerissen

Schwer zu leiden hatte die Synagoge während der Novemberpogrome 1938 . Dabei zerstörten die Nazi-Schergen die komplette Innenausstattung. Die Fenster wurden eingeschlagen, der Thoraschrein herausgerissen und die Bestuhlung zerschlagen. Außerdem kamen wertvolle Kunstgegenstände abhanden.
In der Nachkriegszeit befand sich in den 1950er Jahren für einige Jahre ein Schuhmacherbetrieb in dem heruntergekommenen Gebäude. Am 28. April 1954 stellte das Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege den Status der ehemaligen Synagoge als Kunstdenkmal fest. Im Jahr 1963, so Bürgermeister Günter Stich weiter, wurde die Synagoge nach dem Bemühen des Marktes Floß von der israelitischen Kultusgemeinde gekauft.

In den 1970er Jahren folgte der Entschluss zur Restaurierung des Gebäudes, so dass die Synagoge am 8. November 1980 wieder in ihrem ursprünglichen Zustand hergestellt war. Am 16. Oktober 2005 sei die bisher letzte Renovierung abgeschlossen worden.

In der Synagoge finden aktuell immer wieder religiöse Feiern statt, wie vor wenigen Tagen zur "Woche der Brüderlichkeit". Diese wird alljährlich zum tiefen Bekenntnis des Miteinanders zwischen Juden und Christen begangen.

Bürgermeister Günter Stich freute sich auf eine Zusammenarbeit auf der Ebene des Netzwerks und versicherte auch die Bereitschaft der Bevölkerung und des Marktrates dazu. Stadtoberhaupt Michael Göth sprach eine Einladung zur Präsentation der musealen Ausstattung in Sulzbach-Rosenberg im September aus. Dadurch solle die Kooperation weiter vertieft werden. (Zum Thema)
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