13.03.2004 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Tauziehen um die Fördermittel: Regierung der Oberpfalz favorisiert anderen Fahrzeugtyp Zündstoff bei der Feuerwehr

Nach dem jahrelang schwelenden Rechtsstreit in Sachen "Feuerwehrhaus" liegt erneut Zündstoff im Verhältnis zwischen Marktgemeinde und Regierung der Oberpfalz: Sie lehnt eine Förderung des "Wunschautos" der Wernberger Wehr ab. Statt des TLF 16/ 25 soll es nur für das kostengünstigere LF 10/6 einen Zuschuss geben.

von Claudia Völkl Kontakt Profil

Die Feuerwehrfahrzeuge beider Wehren haben -zig Jahre auf dem Buckel, um eine Neuanschaffung kommt die Gemeinde nicht herum. Gemeinsam mit den Wehren wurde ein realistisches Ausstattungspaket geschnürt. Das LF16/12 der Oberköblitzer Wehr wird mit rund 265 000 Euro zu Buche schlagen, das TLF 16/25 der Wernberger Wehr mit 220 000 Euro. Das OK der Regierung der Oberpfalz liegt vor, allerdings nur zur vorzeitigen Beschaffung und auch das nur mit einer Einschränkung: "Grundsätzlich kann sich eine Gemeinde kaufen, was sie will. Doch die Regierung fördert nur, was sie feuerwehrfachlich für erforderlich hält", betont Pressesprecher Joseph Karl. Und das wäre im Fall Wernberg statt des TLF 16/25 eben ein LF 10/6.

Eine Retourkutsche?

Nicht nur bei Bürgermeister Georg Butz drängt sich der Verdacht auf, dass es sich um eine Retourkutsche für die Schlappe vor dem Verwaltungsgericht handeln könnte. Für das TLF 16/25 gebe es bereits seit 2002 eine Beschaffungszusage. Allerdings sei die Regierung da noch von einem Gerätehausstandort in Wernberg ausgegangen. Doch nun gebe es laut Behörde feuerwehrtechnisch "neue Erkenntnisse".

Kopfschütteln auch bei Kreisbrandrat Siegfried Hammerer: Feuerwehrspitze und Gemeinde hätten sich ja wohl bei der Auswahl des mit einem größeren Wasservolumen bestückten TLF etwas gedacht. "Es ist schlecht, wenn dem Wort des Kreisbrandrates so wenig Gewicht beigemessen wird". Gerade mit Blick auf die Einsätze auf der A 93, der B 14 und späteren A 6 hält er ein TLF für erforderlich: "Ein LF 10/ 6 ist für Wernberg nicht ausreichend". Und wieso wären wohl alle anderen Wehren an der A 93-Achse wie Pfreimd, Nabburg und Schwarzenfeld mit TLFs ausgestattet?

Das Umschwenken auf das LF 10/6 hat für Bürgermeister Butz einen finanziellen Hintergrund: Das Volumen der zuwendungsfähigen Kosten würde sich um rund 40 000 Euro reduzieren, folglich auch das Fördersümmchen für die Gemeinde. Die Wernberger sind nicht die einzigen in Bayern, die ein neues Feuerwehrauto brauchen. Da mit Blick auf Stoibers Sparbeschlüsse ohnehin mit einem Zurückschrauben der Fördermittel zu rechnen ist, könnte hier der erste Hebel angesetzt werden.

"Keine Rachegelüste"

Joseph Karl macht kein Geheimnis daraus, dass die Kosten künftig eine noch größere Rolle spielen werden. Aber davon abgesehen gehe der Trend zu Fahrzeugen mit weniger Wasserladung, weniger Gewicht, aber Platz für mehr Gerät und eine volle Löschgruppe. Damit "kann man mehr anfangen". Die TLFs seien ausgesprochene Spezialfahrzeuge und vom Typ her "Auslaufmodelle". Im Herbst 2002 sei die Regierung noch von einem separaten Standort in Wernberg ausgegangen und folglich von einem erhöhten Wasserbedarf der Wernberger Wehr. Künftig befänden sich jedoch beiden Gerätehäuser in unmittelbarer Nachbarschaft. Deshalb wäre die gemeinsame Wassermenge der beiden Fahrzeugausstattungen inklusive Schaumzumischung ausreichend. Eine Ergänzung der beiden Wehren in unmittelbarer Nähe sei jetzt leichter abzustimmen. Karl unterstreicht: "Wir sind in keinster Weise verärgert oder haben Rachegelüste. Die Situation hat sich verändert".

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