23.02.2005 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Teichwirtschaft Wöllershof startet im Frühjahr neues Stör-Projekt - Chancen für Diplomanden Es muss nicht immer Karpfen sein

Man stelle sich einen Stand mit Oberpfälzer Produkten im Jahr 2015, sagen wir, auf der Grünen Woche in Berlin vor. Die Besucher verkosten Schwarzbrot, Zoigl - und Kaviar. Fischeier? Ganz recht. Denn die Teichwirtschaft Wöllershof will ausloten, ob Fleisch vom Stör, einschließlich des gesalzenen Rogens, ein Zukunftsmarkt für heimische Züchter werden könnte.

von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Dazu möchten die Wöllershofer im April einen neuen Versuch mit Teichwirten in den Landkreisen Neustadt/WN, Tirschenreuth und Schwandorf beginnen. "Die Franzosen haben es vorgemacht. Die vermarkten Sibirischen Stör schon mit Erfolg", sagt der Fachberater für Fischerei beim Bezirk, Dr. Thomas Ring.

Vorbild Frankreich

Französischem Kaviar bescheinigte jüngst der "Spiegel" annähernd die gleiche Qualität wie den dominanten Produkten aus Russland und Iran. Bei besserer Hygiene. Denn das klassische Herkunftsgebiet am Schwarzen und am Kaspischen Meer hat Probleme mit Umweltverschmutzung und Artenschutz.

Darin liegt eine Chance für die Weiherbesitzer und -pächter der Region. Wenn sie dazu bereit sind. "Unsere ersten Ergebnisse waren mau", bedauert Ring die dürftigen Resultate eines früheren Fütterungsversuchs in Zusammenarbeit mit Teichwirten. Die hatten die Störart Sterlet aus Wöllershof kostenlos bekommen, die Auswertung in Sachen Wasserqualität, Wachstum und Futterzusammensetzung ließ aufgrund schlampiger Daten und zögerlicher Rückmeldungen aber zu wünschen übrig.

Im neuen Anlauf soll's besser werden. Die Teichwirte bekommen Hunderte einjährige Tiere umsonst aus Wöllershof. In Weihern werden die Fische bis zur Schlachtreife drei Jahre hochgepeppelt. Exemplare, die sie nicht verwerten, vor allem Weibchen, dürfen die Gewässerbesitzer behalten. Nur das Futter müssen die Züchter selber kaufen, bei der detaillierten Betreuung könnten die Experten helfen.

Eine Gelegenheit für junge Wissenschaftler. "Das wäre ein Thema für Diplomanden", erklärt der Wöllershofer Fischzuchtmeister Hans Bergler. Und auch für eine Doktorarbeit hätte er Material. Die richtige Nahrung für die edlen Exoten zu finden ist nämlich nicht so einfach. Sie sollte vor allem proteinreich sein.

Zurzeit bekommen die Störe Forellenfutter. Problem: Die Fische verfetten dadurch leicht. Das kann optisch gut aussehen, da das Fleisch keine Gräten hat, ist aber geschmacklich nicht so fein. In Zusammenarbeit mit Futtermittelherstellern könnte ein Biologe die ideale Störnahrung entwickeln.

Neben dem kleinen Sterlet, der bei einem Kilogramm Gewicht etwa 150 Gramm Rogen gibt, konzentriert sich der Beispielsbetrieb auf den Sibirischen Stör (Acipenser baerii), jene Art, mit der auch die Franzosen Furore machen. Von 150 Kilo Körpergewicht kann sie bis zu 15 Prozent Kaviar liefern.

Oft fehlt der Mut

Womit Wöllershof beim Thema der nächsten Diplomarbeit wäre. Eine Marktanalyse für die vornehmen Körner steht noch aus. Eine reizvolle Aufgabe für angehende Akademiker, die sich über die Akzeptanz von Störspezialitäten auf Speisekarten mit Spitzenköchen und Sterne-Restaurants auseinander setzen müssten. Interessenten für eine Arbeit können sich bei der Teichwirtschaft Wöllershof, Hans Bergler, 92721 Störnstein, Telefon 09602/3672, Fax -8869, melden.

"Wir wollen den Karpfen nicht madig machen", beugt Ring der Angst vor Experimenten bei den Züchtern vor, "aber die Forelle war ja früher hier auch nicht heimisch." Immerhin arbeitet der Teichwirtschaftliche Beispielsbetrieb seit 16 Jahren mit Stören, von denen fünf Arten im Donauraum lebten oder leben. Den Mut, auf diesen Erkenntnissen aufzubauen, vermisst Bergler bei vielen Familienbetrieben: "Die verkaufen seit 50 oder 100 Jahren ihre Karpfen. Solange sie davon halbwegs leben können, werden die sich nicht ändern."

Dabei sind Störe nicht nur bei Feinschmeckern begehrt, weiß Ring: "Wir verraten nicht, wem wir die Fische zum Einsetzen geben. Beim letzten Mal hat man einem Teichwirt sofort alle gestohlen."

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