Theatergruppe zeigt "Der entführte Selbstmordeinbruch" - Verwirrendes rund um eine Baufirma
Harte Nüsse für "Columbo"

Polizei, verdeckte Ermittler und die Feuerwehr hatten gleich drei Großeinsätze in Grafenwöhr. Entführungen waren an der Tagesordnung; dazu kamen noch Einbruchsdelikte und ein fragwürdiger Selbstmord. Doch "Columbo mit dem Glasauge" überführte die Verdächtigen reihenweise und die Handschellen klickten.

Finanzielle Schwierigkeiten in der Bauwirtschaft sind heutzutage leider harte Realität und keine Seltenheit. Ist es da verwunderlich, dass mancher zu nicht ganz legalen Mitteln greift? Bestimmt nicht, wenn das Ganze der regen Phantasiewelt von Wolfgang Bräutigam, dem Autor des Stücks "Der entführte Selbstmordeinbruch" entspringt.

Die katholische Theatergruppe Grafenwöhr spielte das neunte Stück des Autors, der auch Regie führte und eine Hauptrolle besetzte. Die schlechte Konjunktur hat auch beim Baugeschäft Ebner ihre Spuren hinterlassen. Maurermeister Hubert Ebner (Stefan Schultes) musste fast seine ganze Belegschaft entlassen. Seine Ehefrau Brigitte (Christine Wiesend), die sich um die Verwaltung kümmert, macht sich große Sorgen um die Zukunft der Firma. Sie jagt vergeblich hinter einem Großauftrag der Stadt her.

Dabei greift sie in ihrer Not erstmals zu ungesetzlichen Mitteln und steigt nachts ins Rathaus ein, um ihr bisheriges Angebot für den Großauftrag durch ein günstigeres zu ersetzen. Sie kann auf den spitzfindigen Lehrbuben Thomas Klein zählen, der sie dabei nicht alleine lässt.

Aber nicht nur die beiden, sondern auch der Geselle Otto Schön (Johann Adam), der Bruder von Brigitte, haben einen Geheimplan ausgeheckt, um die Firma zu retten. Das Lösegeld einer vorgetäuschten Entführung soll als Finanzspritze dazu dienen. Ein wahres Kuddlmuddl entsteht, als Johanna (Angela Biersack), die Tochter von Otto Schöns Freund Joe, mit Susanne und Martha Ebner (Karin Wiesend) gleich zwei Mal die falsche Frau Ebner entführt.

Polizist Josef Dimpfl (Wolfgang Bräutigam), die "konspirierte Persönlichkeit" und voll von sich überzeugt, hat eine harte Nuss zu knacken. Zunächst gibt es zwei Verdächtige, die Stadträte Morgenstern und Kamm, die als Einbrecher im Rathaus in Frage kommen. Diese haben aber - wie sich später herausstellt - ein hieb- und stichfestes Alibi.

Bis der Bürgermeister feststellt: "Meine guaden Havannas san weg". Tommi, die Stütze der Firma Ebner, hat ebenso wenig Durchblick, wie der "Schlaftablettenkommissar" Dimpfl, und bringt schließlich das Diebesgut unter die Leute. Der Geselle Otto nimmt die guten Zigarren genauso gerne an, wie der "Sechser Schorsch" aus dem Publikum - ein schwer wiegender Fehler, wie sich gleich heraus stellen sollte. . .

Chef will ins Wasser gehen

Zu wahren Lachsalven führte das Auftreten des Chefs Hubert in leichter Bekleidung mit nur einem Karton. Angeblich wollte er ins Wasser gehen, obwohl das Schwimmen im Stadtweiher doch verboten ist! Später mimte er, zwecks Kleidermangel, getarnt in Frauenkleidern, seine eigene Ehefrau. Natürlich muss Frau Siegler (Anja Böhm) von der Bamberg Müllheimer Versicherung die Gesundheitsangaben von Hubert Ebner checken.

Wolfgang Bräutigam musste als Hauptermittler gleich mehrmals die Maske aufsuchen, da der Trenchcoat für Columbo doch passender wäre. Aber nicht nur sein Aussehen war meisterhaft, auch die immer passende Mimik und Gestik zeichneten Bräutigam aus. Ein dickes Lob geht auch an den Newcomer Christian Merkl alias Tommi, der zum ersten Mal auf der Bühne stand.

Am Ende gab es nach einem fast dreistündigen urkomischen Wirrwarr doch noch die Auflösung des Knotens und ein Happy End. Dafür sorgte der junge Betriebswirt Christian Schmidt (Stephan Wolf), der sich in Susanne, die Tochter des Bauunternehmers (Gabi Merkl) verliebte. Der Vater von Chrisi wird für den Aufschwung des Baugeschäftes sorgen, da er einen guten Handwerker für die Errichtung eines Seniorenheimes braucht. Kennen gelernt haben sich Susanne und Crisi übrigens bei einem Autounfall. Und die Moral von der Geschicht': "Es gibt meist keinen Schaden ohne einen Nutzen; oder aber: Es kann immer wieder aufwärts gehen. . ."