14.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Theaterspiel in Rieden seit 1866 - "Goaslandler" sind in große Fußstapfen getreten Wurzeln fast 150 Jahre zurück

Theaterspielen hat in Rieden eine lange Tradition. Zum zehnjährigen Bestehen der "Goaslandler" blickte Albert Kräuter auf die örtlichen Bühnen von 1866 bis zur Gründung der "D'Goaslandler" zurück. Als einmalig für die Region, so Kräuter, dürfe wohl der Fund eines Theaterplakats des damaligen Gesellenvereines im Archiv des katholischen Pfarramtes durch die Riedener Heimatforschern Hubert Haas und Andreas Reindl anzusehen sein.

von Hubert SöllnerProfil

Auch für die Genehmigung besagten Gesellenvereines gibt es ein Schriftstück, datiert von 1865. Beide Dokumente geben Aufschluss über einheimisches Brauchtum in einer Zeit, in der man noch in Gulden und Kreuzern bezahlte - und König Ludwig II. das Bayernland regierte.

Oberhirtliches "ja"

Gesellenvereine dienten nicht nur der beruflichen, sondern auch der religiösen Betreuung von Handwerkern. Man kann aber davon ausgehen, dass schon bei der Gründung des Vereins Theateraufführungen beabsichtigt waren, nicht zuletzt aufgrund der zu erwartenden Einnahmen. Zur Gründung des Vereines aber benötigte man die oberhirtliche Genehmigung des Bischofs zu Regensburg. Der Antrag wurde vom Ortspfarrer gestellt und postwendend genehmigt - auf einem reichhaltig verzierten Dokument.

Allüberall die Haberlands

Bei näherer Betrachtung des Theaterplakates fällt auf, dass man innerhalb des Vereins auf eine deutliche Abgrenzung zwischen Ehrenmitglied, ordentlichem und außerordentlichem Mitglied Wert legte. Nicht zu übersehen ist auch die Dominanz der "Haberlands", einer damals weitverzweigten Familie in Rieden. Zu den beiden auf dem Plakat angekündigten Aufführungen kamen folgende Informationen zutage: Beim ersten Stück namens "Die Soldaten im Winterqartier" handelt es sich um einen Zweiakter, der 1783 von Joseph Lederer niedergeschrieben wurde. Er war Komponist, Dichter und Geistlicher aus dem Schwabenland. Das zweite Stück "Ei, so beiß!" stammt von einem Autor namens Ludwig Aurbacher (1784 bis 1847).

Mit Alpenland-Kulisse

Nach 1866 sind erst ab 1925 wieder Theaterbühnen in Rieden belegt. Ein damals abgelichtetes Porträt der Mitspieler Katharina Renner und Wolfgang Mehringer gibt Aufschluss über eine Aufführung - in offensichtlich alpenländischer Kulisse. Man kann davon ausgehen, dass das Stück 1925 vom Katholischen Burschenverein inszeniert wurde, der auch in den 1930er Jahren aktiv Theater spielte - mit Stücken wie "Der Fremdenlegionär" oder "Arabeska". Motor dieser Gruppe war Franz Fleischmann (geb. 1906), besser bekannt als der Mulzer Franz. Aktiv waren auch die Mulzer Fanny sowie die "Pfarrer Bawett", eine Verwandte des damaligen Pfarrers Josef Ott. Die "Lederer Gretl" (Margarethe Stettner - später Löwenwirt) stand schon als Neunjährige auf der Bühne. Gespielt wurden tragische, aber auch heitere Stücke wie "Die Himmelstorte".

Außer dem Burschenverein trat auch der "Bund deutscher Mädel" auf. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs jedoch wurde dies alles eingestellt. Bereits 1947 schlossen sich Theaterbegeisterte zu einer neuen Riedener Theatergruppe zusammen. Unter der Leitung von Ludwig Willecke inszenierte man "Der verwechselte Brautwerber", "Der Gesundheitstee", "Die Bekehrung von Peter Salvermoser", "Vetter Quintius Himmelfahrt", "Drei Tag Bauer", "Herzensrumpler" sowie "Da kannst nix machen als lachen".

Einer Genehmigung der damaligen Militärregierung zufolge gab es neben heimischen Auftritten im Gasthaus Mehringer auch Aufführungen im Gasthof Sterk in Raigering. Der Gewinn musste für Flüchtlinge und Kriegsopfer abgeführt werden.

Schon als Zehnjährige

Etwa im Jahre 1948 inszenierte diese Gruppe das Stück "Vater unser," diesmal im Stelzer-Saal (der späteren Kongo-Bar), es folgten zwei Gastauftritte im Opl-Saal in Haselmühl. "Für den Transport des Ensembles hatte man Sitzbänke auf einen Lkw montiert, so dass allein die Anreise schon zu einem Abenteuer wurde", erinnert sich Gertl Süß viele Jahre später - sie gehörte als Zehnjährige bereits zum damaligen Ensemble.

1951 folgte die Aufführung von "S-O-S Eisberg", einem ebenfalls sehr erfolgreichen Stück. "Barbara und die schwarzen Raben" wurde inszeniert, um die Kasse der damaligen Riedener Feuerwehr aufzubessern. Jahr und Theatergruppe sind hier nicht bekannt, auch nicht bei dem Stück "Bis zum Tode getreu".

Zu Fuß von der Bühne

Bei Letzterem, eine dramatische Geschichte aus dem Wilderer-Milieu, blieb die Tragik auf der Strecke: Eigentlich sollte eine junge Frau auf der Bühne erschossen werden und tot zusammenbrechen. Schuss und Knall aus dem Gewehr des heimtückischen Mörders jedoch blieben aus. Eine Stimme aus dem Hintergrund forderte die junge Dame auf, endlich zu fallen. Sie aber wartete hartnäckig - zum Amüsement der Zuschauer - auf das Krachen des Gewehres. Letztendlich wurde es der Akteurin zu dumm: Sie ging von der Bühne und trat ab. (Hintergrund)

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp