21.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Totholz ist für sie ein Nährboden - Der Auerbacher Bürgerwald ein "Vorzeigebetrieb" Der Borkenkäfer hat 1500 Feinde

Mächtig liegt der Stamm am Wegesrand. Flirrendes Sonnenlicht streicht über ihn, Insekten summen, auf der Oberfläche wächst Moos. Gut 300 Jahre alt war die Buche, bevor sie im vergangenen Jahr im Auerbacher Bürgerwald zwischen "Eichernem Kreuz" und Rabenfels gefällt wurde. Morsch war sie geworden; sie drohte umzustürzen. Jetzt präsentiert eine Baumscheibe ihre zahlreichen Ringe, erzählt der Stamm den Wanderern, was er so alles erlebt hat.

Unterwegs im Auerbacher Bürgerwald waren (von links) Forstwirt Werner Meisel, WBV-Geschäftsführer Uwe Gmach, die bei der Stadt für den Forstbetrieb zuständige Mitarbeiterin Tina Schwendner, Kämmerer Michael Bierl, Horst Gleißner und 2. Bürgermeister Herbert Lehner. Bild: swt
von Autor SWTProfil

Forstwirt Werner Meisel und Uwe Gmach, Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung (WBV) Sulzbach-Rosenberg, bereiten den Platz so auf, dass er Spaziergänger oder Radfahrer zum Innehalten einlädt. Einer von vielen Mosaiksteinchen, die dem Bürgerwald die Note Eins bei der Zertifizierung für die PEFC-Standards Deutschland einbrachten.

Drei Säulen im Blick

Diplom-Forstwirt Horst Gleißner aus Attenkirchen war am Mittwoch zusammen mit den Verantwortlichen im 500 Hektar großen Stadtwald unterwegs, um die Standards zu überprüfen. 2002 erfolgte die erste Zertifizierung. Jedes Jahr werden im Losverfahren Forstbetriebe in Bayern ausgewählt, die anschließend untersucht werden, ob sie die Leitlinien erfüllen. Im Mittelpunkt steht die nachhaltige Bewirtschaftung auf den drei Säulen Ökologie, Ökonomie und Soziales. Im "Vorzeigebetrieb Auerbach" sind, wie Gleißner bestätigte, alle Voraussetzungen gegeben. Hier wird der Leitspruch gelebt, den Gleißner gerne zitiert: "Wir haben den Wald nicht von unseren Vorfahren geerbt, sondern von unseren Kindern geliehen!"

Fragen der Prüfer sind unter anderem, ob Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, Kahlschlag betrieben wird oder auch, ob die Unfallverhütungsmaßnahmen ausreichend sind. Hat der Selbstwerber, der im Wald Holz machen will, einen Motorsägenkurs absolviert? Werden die städtischen Waldarbeiter korrekt bezahlt, gibt es einen Personalrat? Halten sich Nutzungsmöglichkeiten für die Freizeit und wirtschaftliche Ausholzung die Waage?

So erfahren wir beim Audit auch, dass die Totholzstellen, die früher undenkbar waren, einen besonderen Nutzen haben: "Dort sind die natürlichen Feinde des Borkenkäfers am Werk", erklärt Gleißner. "1500 Insektenarten gibt es, die auf natürlichem Wege dem Schädling Nummer eins in den heimischen Wäldern entgegenwirken. Warum soll ich also etwas ausmerzen, was mir kostenlos hilft?" Nur ein Beispiel von vielen, wie das Zusammenspiel von Natur und Mensch funktionieren kann.

Es fliegen auch welche raus

Ein weiteres Kriterium der Zertifizierung ist die Pflanzung. Wo kommen die Setzlinge her, wird der Region entsprechend gepflanzt? Auch hier bekommt der Auerbacher Stadtwald gute Bewertungen. "Das ist durchaus nicht immer so", weiß Horst Gleißner. "Jährlich fliegen auch fünf bis zehn Betriebe aus der Zertifizierung, weil sie die Voraussetzungen nicht erfüllt haben."

Die PEFC-Standards sind aber unabdingbar; zum Beispiel, weil Sägewerke heute genau wissen wollen, woher ihr Holz kommt. Auch sie sind zertifiziert und brauchen den lückenlosen Nachweis vom Baum bis zum Endprodukt. Dass der Auerbacher Stadtwald mit besten Noten ausgezeichnet und vorbildlich betrieben wird, freute auch 2. Bürgermeister Herbert Lehner und Stadtkämmerer Michael Bierl.

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