10.12.2011 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Trotz Chirurgie-Verlagerung: Mit Kompromiss für Eschenbach ist selbst Kemnaths Bürgermeister ...: "Schwächung für die gesamte Region"

von Autor CDProfil

Der "schwerste Gang meines Lebens" führte Simon Wittmann am Donnerstagabend in die Aufsichtsratssitzung der Kliniken AG. "Ich habe gekämpft", sagt der Neustädter Landrat und erklärt, das Ergebnis stelle ihn keineswegs zufrieden. Aber zumindest habe man die Chance, das Krankenhaus Eschenbach im Zuge von Strukturveränderungen zu erhalten. Das nächste halbe Jahr werde für die Innere Abteilung die entscheidende Zeit sein: "Es kommt jetzt sehr darauf an, ob der Zulauf entsprechend sein wird."

Kemnaths Bürgermeister Werner Nickl , ebenfalls Aufsichtsratsmitglied, könnte sich als lachender Dritter fühlen. Doch er kann der Verlegung der Chirurgie von Eschenbach nach Kemnath nur vordergründig Gutes abgewinnen: "Es ist eine Stärkung für unser Haus, aber eine Schwächung für die gesamte Region und sehr schade für Eschenbach." Das gelte immer, wenn wieder eine Einrichtung im ländlichen Raum zurückgefahren werde. Die Schuld an der Misere gibt Nickl der Gesundheitspolitik: "Es scheint erklärtes Ziel zu sein, kleinere Häuser auszuhungern." Letztlich bestimme aber der Bürger, welche Klinik weiterbestehen kann: "Er stimmt mit den Füßen ab."
Sein Eschenbacher Amtskollege Peter Lehr ist ebenfalls geteilter Meinung über den vom Aufsichtsrat abgesegneten Kompromiss. Einerseits kritisiert er den Abzug der Chirurgie, andererseits habe man durch die Protestaktionen wenigstens in Teilbereichen den Erhalt des Hauses erreicht: "Jetzt kommt es auf die Bevölkerung an", unterstreicht auch Lehr.

Für kommende Woche kündigt er einen gemeinsamen Appell der Bürgermeister aus dem Landkreis-Westen an, um die für den Erhalt der internistischen Akutversorgung nötigen Fallzahlen zu erreichen. Ausdrücklich dankt Lehr allen Aufsichtsräten, die sich für das Krankenhaus Eschenbach eingesetzt haben, und beklagt gleichzeitig den "Zentrumsgedanken" der Weidener Vertreter.

Kritische Worte richtet an die gleiche Adresse Albert Nickl . Dem Bürgermeister der Klostergemeinde Speinshart stößt sauer auf, dass die Landkreise Neustadt und Tirschenreuth bereit seien, Teile des Defizits zu übernehmen, die Stadt Weiden aber außen vor bleibe: "Eigentlich sollten alle drei im Boot sein." Kurz und knapp fällt der Kommentar von Verdi-Sekretär Robert Hinze aus, der als Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat sitzt: "Das ist ein Kompromiss. Wir hätten uns einen anderen gewünscht." Jede Chance gelte es zu nutzen.
Bürgermeister Helmuth Wächter aus Grafenwöhr sieht "die Sachlage hinausgezögert bis Frühjahr." Jetzt müsse man eine einvernehmliche Lösung finden, wie das Krankenhaus Eschenbach zu erhalten sei. Von der Kliniken AG fordert er konkrete Zahlen und Fakten ein: "Damit man sieht, wie es weitergehen könnte."

Wächter legt Wert auf die Feststellung, bei der Übergabe der Unterschriften in Weiden am Donnerstag sei es nicht er, sondern sein Eschenbacher Kollege Lehr gewesen, der prophezeit habe, im Falle einer Schließung gingen die Leute niemals nach Weiden. Er selbst, so Wächter, sei als Patient in Eschenbach und in Weiden bestens betreut worden.

 

 

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