Unter dem Titel "Wortraum" veröffentlicht Christine Gradl Haiku-Gedichte
Verschnaufpause für die Seele

Hirschau. (apz) Eine neue, eine rein poetische Seite, gibt es an der Hirschauer Autorin Christine Gradl zu erkennen: Nach ihren Reiseberichten "Buntes Land Türkei", der Schilderung ihres medizinisch-sozialen Engagements in Nepal in "Wenn Blicke Seelen streicheln", kommt in diesen Tag ihr quadratisches brombeerviolettes Buch "Wortraum" auf den Markt. Es enthält nach japanischem Muster angelegte Haiku-Gedichte und ist erschienen im Wiesenburg Verlag Schweinfurt. (98 Seiten, 13,30 Euro).

Nach Themen geordnet, wie "Träume", "Trauer", "Jahreszeiten", "Schicksal" hat Christine Gradl nach dem strengen Gesetz, dass das dreizeilige Gedichte das Versmaß von fünf, sieben und wieder fünf Silben erfüllen muss, ganze vierundsechzig Poeme verfasst. Die Autorin folgt hierbei der uralten Tradition japanischer Lyrik, die ein rhythmisches Klangerlebnis der Sprache beschert, und einen komprimierten Inhalt mit zarten oder starken Bildern anbietet.

Jeweils optisch in der Mitte der Seite platziert , kann sich auch der Leser von heute "der nie Zeit hat" auf die kürzeste Lyrikform der Welt einlassen: je nach Stimmung auf ein romantisches "Sanft wecken Strahlen/ wenn Vogelstimmen jubeln/ der Frühling ist da" oder ein illusionsloses "Wintermärchen pur/ doch morgen ist er nur mehr/ der Schnee von gestern". Die Kritik am Zeitgeist lautet kurz und knapp "Angebot Träume/ Mogelpackung Albträume/ copyright Leben", und alle Surfer finden sich beim "Click im Internet/ Suche Raum für einen Traum/Login: Kein Eintrag" und erwachen bei der "Fatamorgana/ Wolkenkuckucksheim der Nacht/ ewig währt kein Traum." Christine Gradls "Wortraum" bietet die kurze Verschnaufpause für die Seele - zwischendurch - oder bei mehr Zeit: eine kleine Lesereise von Bild zu Bild.