07.10.2004 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

US-Armee übt auf dem Übungsplatz Hohenfels den Höhlenkampf - "So realistisch wie möglich" Tora Bora in der Oberpfalz

Der Hindukusch liegt gleich hinter Lutzmannstein. Mit den Maschinengewehren im Anschlag fahren die US-Soldaten an der zerschossenen Pfarrkirche des aufgelassenen Dorfes vorbei, wo sich die islamische Terroristen versteckt haben sollen. Mitten in der katholischen Oberpfalz, nur ein paar Kilometer von Hohenburg entfernt.

Schwer bewacht ist der Eingang in das Camp der US-Soldaten - in Afghanistan soll es genaus so aufgebaut werden, wie es jetzt in Hohenfels steht. (Alle Bilder: Piehler)
von Uli Piehler Kontakt Profil

Der Oberpfälzer Magerrasen - im Truppenübungsplatz Hohenfels ist er afghanische Wüste. Seit drei Wochen bereitet sich hier das 173. Airborne Infantry Regiment der US-Army auf den Einsatz in Afghanistan vor. 1500 Fallschirmjäger wurden aus dem italienischen Vicenca eingeflogen. Jeden Tag aufs Neue üben sie hier die Jagd auf Terroristen.

Im nördlichen Teil des Übungsplatzes ist eine riesige Zeltstadt entstanden - abgesichert und bewacht, als ob sie in den Bergen von Tora-Bora stünde. "Wir wollen, dass die ganze Übung so realistisch wie möglich über die Bühne geht", sagt First Class Seargent Willy Roberts. Beim Wachposten muss auch er seinen Ausweis zeigen.

Der Wartungsdienst für die Dixie-Klos darf passieren. Er kommt mit drei Putzfrauen an Bord aus Neumarkt und kümmert sich um ein Heer Toilettenhäuschen rund um das Camp. Sie stehen neben dem fahrbaren Supermarkt, neben dem Internet-Caf© und den Dusch-Kontainern. Freie Fahrt auch für den Landwirt aus Velburg, der Tag für Tag frisches Trinkwasser bringt.

Von der alten Kirche in Lutzmannstein sind nur noch Mauerreste übrig geblieben. Dafür ist ein Minarett schon von Weitem sichtbar. Der Turm überragt "Klein-Kabul", ein Dorf mit zehn Häusern, das in Burka verkleidete Studentinnen aus Berlin und Leipzig bewohnen. Drei Wochen lang simulieren sie die afghanische Zivilbevölkerung. Roberts: "In einem der Wohnhäuser haben US-Soldaten bei einer nächtlichen Razzia Hinweise auf den Verbleib der Taliban gefunden."

Hektischer Betrieb im Morgengrauen. Das Manöver beginnt. Die Terroristen haben sich vermutlich in einer Höhle versteckt, heißt es.

Die Soldaten nehmen Nachtsichtgeräte mit, Nahkampf ist angesagt. Irgendwo zwischen Lutzmannstein und der ehemaligen Ortschaft Griffenwang sitzen zwei Seargents in afghanischer Stammestracht in einem Betonrohr und warten auf ihre Youngsters - angehende Höhlenkämpfer, zwischen 18 und 25 Jahre alt.

"Die Soldaten lernen hier, wie es ist, in ein schwarzes Loch zu steigen, in dem der Feind auf sie wartet", sagt Roberts. Im Sommer haben die Amerikaner im Truppenübungsplatz Höhlensysteme anlegen lassen. Deutsche Bauunternehmen haben vier Labyrinthe aus mannshohen Röhren verlegt und mit Bruchsteinen überdeckt. Alles soll so echt wie möglich wirken. Von außen ist nur noch der Eingang zu sehen. Die Innenseiten der Röhren tragen Rauhputz und sind braun angestrichen.

"Für die US-Soldaten gibt es kein vergleichbares Übungsgelände auf der Welt", erklärt Norbert Wittl von der Pressestelle in Hohenfels. Die künstlichen Höhlen sind für ihn auch so etwas wie ein Standortfaktor für den Übungsplatz. Die Zukunft des Truppenübungsplatzes ist gesichert: "Soldaten aus aller Welt kommen extra hier her, um sich auf den Höhlenkampf vorzubreiten." Die Fallschirmjäger aus Vicenza waren die ersten. In ein paar Wochen werden sie vom Oberpfälzer Jura in das afghanische Gebirge gebracht.

INFO

: Übungsplatz Hohenfels

Der Truppenübungsplatz Hohenfels ist mit 16.000 Hektar nach Grafenwöhr (rund 30.000 Hektar) der zweitgrößte Übungsstandort der US-Armee in Europa. Während in Grafenwöhr vor allem der Umgang mit Waffensystemen geübt wird, feilt die US-Armee in Hohenfels am taktischen Vorgehen und Einsatzstrategien. Die Amerikaner bezeichnen den Truppenübungsplatz Hohenfels als "Combat Maneuver Traninig Center" - er ist der kleine Bruder des "National Training Center" in Fort Irwin, Kalifornien.

Eingerichtet wurde der Truppenübungsplatz mit einem Umfang von etwa 10.000 Quadratmetern von der deutschen Wehrmacht im Jahre 1938. Während des 2. Weltkrieges sperrten die Deutschen auf dem Übungsplatz Kriegsgefangene ein. Am 22. April 1945 betraten erstmals US-Soldaten das Gelände. Sechs Jahre später, 1951, trat Deutschland den Übungsplatz als Stützpunkt für die US-Armee ab.

m selben Jahr wurde das Areal wurde nach Westen hin um rund 6000 Quadratmeter erweitert. Die gesamte Gemeinde Frabertshofen musste damals geräumt werden. Eigentümer des Geländes ist nach wie vor der deutsche Staat.

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