VHS-Rundgang: Auf den Spuren des Bieres durch die Stadt
Hopfenanbau in großem Stil

Vor dem sanierten Dammbauern-Anwesen - die Familie war eine von vier Braurechtlern, die das frühere Malz- und Brauhaus in der heutigen Pressather Straße betrieben - wartete Willi Trummer (Zweiter von rechts) mit Bilddokumenten zum Eschenbacher Brauwesen auf. Bild: rn
Auf dem Bierweg bewegte sich auf Einladung der Volkshochschule eine Gruppe Interessierter. Von der Wassergasse bis zum Wolfsbühl hörten und sahen die Teilnehmer viel Interessantes und Wissenswertes aus der Kulturgeschichte der Rußweiherstadt. Als versierter Plauderer erwies sich dabei Kulturbeauftragter Willi Trummer.

Start war am Malzhaus, das in seiner mehr als 400-jährigen Geschichte vier Stadtbrände überlebt hat. Im November 2007 war es nach rund 60-jährigem Dahinsiechen und 20-monatigen Sanierungsarbeiten bei der Einweihung als städtebauliches Schmuckstück gefeiert worden.

Trummer beschrieb dort kurz den Ablauf des Mälzens und bedauerte, dass das Mauerwerk wegen Vorgaben des Denkmalschutzamtes keinen Schutz vor Bodenfeuchtigkeit erhalten habe. Er informierte auch über zwei weitere Malzhäuser, die einst in der Rußweiherstadt in Betrieb waren: das städtische Malzhaus an der Stelle des heutigen Altstadtcafés, das nach dem Stadtbrand 1901 nicht mehr aufgebaut worden war, sowie das Malz- und Brauhaus in der Pressather Straße, wo sich heute die Autowerkstätte Neidl befindet. Es wurde von vier Braurechtlern - Dammbauer (Schmidt), Schmidt (Vogl), Burger, Fledermühler - betrieben.
Den Rückgang des Brauwesens belegte Trummer mit einigen Zahlen. Seien 1938 noch 54 Sude angesetzt worden, so sei die Anzahl 1960 auf sieben und 1966 gar auf nur zwei zurückgegangen. Vor dem Feuerwehrhaus stellte er mit Zeitdokumenten das bis 1970 dort stehende Kommunbrauhaus vor, in dem sich einst bis zu 140 Braurechtler mit wohlschmeckendem Haustrunk versorgten.

Für Überraschung sorgte seine Information, dass lange Zeit aus Kostengründen der für das Brauen erforderliche Hopfen in Eschenbach selbst angebaut worden war: zum Beispiel in der Esperngasse, der Sommerleite, am Galgen und in Netzaberg. Das noch nicht vergorene Bier sei mit "Koufn" zu den Felsenkellern weitertransportiert worden.

Am Kirchplatz erinnerte Trummer an die einstige St.-Wolfgang-Kapelle, deren Reste 1882 mit dem Abbruch des Unteren Stadttores endgültig vernichtet wurden. An das kleine Gotteshaus erinnert jetzt nur noch sein mit Platten markierter Grundriss. Am Zimmermannsplatz erfuhren die geschichtlich Interessierten von einem Nebeneffekt des Kommunbrauwesens. Es sei auffällig gewesen, dass sich hier am späten Nachmittag "Zaungäste" gerade dann einfanden, wenn die Bierholer mit ihren Krügen von den Felsenkellern kamen. Letztere seien "großzügig" gewesen, so Trummer. Endstation war einer der noch erhaltenen Felsenkeller, dessen typische Luft als sehr angenehm empfunden wurde.
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