11.06.2011 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Vor 125 Jahren starb der "Märchenkönig" - Menschenmenge erweist letzte Ehre Das Ableben seiner Majestät Ludwig II.

Am Spalier unzähliger Trauernder zieht der tote König im Prunkwagen vorbei. Begleitet wird er von Repräsentanten des Königshauses, Adels, der Geistlichkeit, Armee und Beamtenschaft. Bilder: Stadtarchiv Weiden (2)
von Autor SEFProfil

Vor 125 Jahren - am Pfingstsonntag, 13. Juni 1886 - starb König Ludwig II., der weltweit bekannteste Herrscher aus dem Haus Wittelsbach. Alle Gazetten Bayerns und darüber hinaus berichteten in großer Aufmachung über das tragische Ende des "Märchenkönigs" und veröffentlichten ganzseitig die amtlichen Proklamationen ab.

Als Vorläufer unserer Tageszeitungen erschienen in der Provinz Amtsblätter beziehungsweise Amts- und Anzeigeblätter für die einzelnen Bezirksämter zweimal wöchentlich mit vier Seiten Umfang. Sie enthielten offizielle Erlasse, aber auch Welt- und Lokalmeldungen sowie Annoncen.

Die Stadt Weiden gehörte zum Bezirksamt Neustadt an der Waldnaab, das 1861 nach einer umfassenden Justiz- und Verwaltungsreform aus den Landgerichten Neustadt und Weiden gebildet worden war. Erst 1919 wurde Weiden zur kreisfreien Stadt erhoben. Aus den Bezirksämtern entstanden 1939 Landratsämter.

Am 9. Juni 1886 hatte der Ministerrat unter Vorsitz von Johann Lutz in Beisein von Prinz Luitpold den 40-jährigen König für regierungsunfähig erklärt, entmündigt und unter Vormundschaft gestellt. Als Grundlage für den "Staatsstreich" diente ein Gutachten vier prominenter Ärzte, unter ihnen Dr. Bernhard von Gudden, Professor an der Universität München.
Befremdlich war allerdings, dass keine dieser "Kapazitäten" Ludwig jemals als Patienten betreut oder gar untersucht hatte. Am 12. Juni wurde der tief in der Ehre gekränkte König in Neuschwanstein arretiert und zum Schloss Berg am Starnberger See gebracht, nachdem eine erste "Fangkommission" am 10. Juni abgeblitzt war, ja auf Befehl der Königs selbst einige Stunden in Haft geriet.

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Die Ereignisse des 13. Juni 1886 schilderte ein Bericht im Amts- und Anzeigeblatt für das Bezirksamt Nabburg. Was allerdings auf dem letzten Spaziergang am Starnberger See wirklich geschah, wird wohl nie geklärt werden: "Seine Majestät der König hatte mit Dr. von Gudden bei dem vormittägigem Spaziergange im Park einige Zeit im ruhigen Gespräche auf der Bank verweilt. Abends speiste der König mit Dr. von Gudden ziemlich rasch, so daß das Diner in einer halben Stunde beendet war.

Um ¾ 7 Uhr abends verließ Se. Majestät in Begleitung Dr. von Guddens das Schloß, indem er seinen ärztlichen Begleiter veranlaßte, die Wärter zurückzulassen. Um halb acht Uhr, als das Ausbleiben des Königs und seines Begleiters auffiel, begann man Nachforschungen anzustellen. Gegen 11 Uhr endlich wurden die Leichen des Königs und seines Arztes im See, 50 Schritte vom Ufer entfernt, in einer Wassertiefe von ungefähr fünf Fuß gefunden. Im Lettenboden sind Spuren sichtbar, daß die Leichen eine kurze Strecke verschwemmt sind.
Im Gesichte des Obermedizinalraths Dr. von Gudden zeigten sich an Stirn und Wange die Spuren der fünf Fingernägel des Königs. Rock und Überzieher des Monarchen befanden sich in unmittelbarer Nähe der Leichen, und es ist zu erkennen, daß die Kleidungsstücke im Zerren dem König vom Leibe gekommen sind. Es scheint überhaupt ein lebhaftes Ringen stattgefunden zu haben. Mehrere Ärzte sowie einige Hofgeistliche sind nach Schloß Berg abgegangen. Erstere werden die Sektion der Leiche vornehmen, letztere die Totenwache halten."

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Leichenzug und Beisetzung

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In der Nacht vom 14. auf 15. Juni 1886 wurde der tote König nach München überführt und - bekleidet mit der schwarzen Tracht des Großmeisters des St.-Georgs-Ordens - in der Residenzkapelle aufgebahrt. Das Haupt ruhte auf Hermelin und die rechte Hand hielt einen Jasminstrauß, den Kaiserin Elisabeth als letzten Gruß gesandt hatte. Drei Tage lang zogen unzählige Trauernde und Neugierige am Katafalk vorbei, an dem Hartschiere die Ehrenwache hielten. Die Beisetzung war für den 19. Juni anberaumt.
Vom Leichenzug existieren im Stadtarchiv Weiden vier Aufnahmen aus der Vogelperspektive, eindrucksvolle und authentische Dokumente aus der Frühzeit der Fotografie! Sie zeigen, dass eine schier unübersehbare Menschenmenge trotz schlechten Wetters die Strecke von der Residenz zur St.-Michaels-Hofkirche säumte. Den von Trommelwirbel und Geläut der Kirchenglocken umrahmten Kondukt führten Vertreter der bayerischen Armee an.

Nach ihnen reihten sich Schüler, Lehrer, Geistliche und 25 Guglmänner mit Kapuzen ein. Sie gehörten zu einer geheimen Bruderschaft, die bis heute inkognito für die Aufklärung des vermeintlichen Königsmords kämpft. Nun folgte der prunkvolle Paradewagen, von acht Rappen gezogen. Hinter dem von Blumen bedeckten Sarg schritten Angehörige des Hauses Wittelsbach mit Prinzregent Luitpold an der Spitze, der deutsche und österreichische Kronprinz, weitere Fürsten, Minister und Abgeordnete.

Just in dem Augenblick, als der Tote in die unterirdische Gruft getragen und in einem pompösen barocken Prunksarg bestattet wurde, entlud sich ein fürchterliches Gewitter. Ludwigs Herz kam übrigens wie das vieler Wittelsbacher vor ihm in die Gnadenkapelle Altötting!
Bayern war Staatstrauer angeordnet: Sechs Wochen lang erscholl aus den Kirchtürmen von zwölf bis ein Uhr Trauergeläut. In den Kanzleien verwendeten die Beamten schwarze Siegel und schrieben auf schwarz gerändertem Papier. Landesweit zelebrierten Geistliche "für weiland Seine Majestät König Ludwig II." Trauermessen.

In Weiden hatte Pfarrprovisor Schraml, der für Pfarrer Franz Oettl die Stellung hielt und 1887 nach Erbendorf versetzt wurde, drei Trauergottesdienste für den 20., 21. und 22. Juni 1886 anberaumt. Sie fanden in der St. Michaelskirche statt.

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Quellen: Stadtarchiv Weiden, Akten II Nr. 21, 1886 Amtsblatt für die Bezirksämter Neustadt/WN & Tirschenreuth, 19.6.1886 Amts- und Anzeigeblatt für das Bezirksamt Nabburg, 16.6.1886 Max Spindler, Bayerische Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert. Bd. 1, München 1978 Franz Herre, Ludwig II., Stuttgart 1986 Martha Schad, Bayerns Königshaus, Regensburg 1994

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