10.10.2008 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Vortrag von Pfarrer Leo Heinrich über seine persönlichen Erfahrungen als Pilger am Jakobsweg Pilgern, um bei sich anzukommen

Ab dem 12. Jahrhundert entwickelte sich die Wallfahrt zum Grab des heiligen Jakobus in einem Umfang, dass sie fast zur Massenbewegung wurde. Aus ganz Europa pilgerten die Menschen zu seinem Grab nach Santiago de Compostella in Spanien, mehr als nach Rom oder Jerusalem. Derzeit scheint "Pilgern auf dem Jakobsweg" eine Renaissance zu erleben.

von Georg Köppl Kontakt Profil

In den Gemeinden Altendorf und Guteneck liegt der von Prag über Tillyschanz herkommende und über Nürnberg zum Bodensee durch die Schweiz und Frankreich bis an die Westküste Spaniens führende, rund 2 800 Kilometer lange Jakobsweg, quasi vor der Haustür.

So machte der neugegründete Sachausschuss "Erwachsenenbildung" des Gesamtpfarrgemeinderats der Seelsorgeeinheit Altendorf-Gleiritsch-Weidenthal den Jakobsweg ebenfalls zum Thema.

Zur Einstimmung

Zur Information und zur Einstimmung auf die geplante Wanderung (siehe Info-Kasten) fand eine Zusammenkunft im "Haus der Pfarrgemeinde" in Altendorf statt. Der Besuch übertraf mit über 70 Interessierten alle Erwartungen, als Irmgard Berr, Sprecherin des Gesamtpfarrgemeinderats, den überaus kompetenten Referenten des Abends begrüßte: Pfarrer Leo Heinrich aus Teunz, der seit acht Jahren jedes Jahr in den Ferien für zwei Wochen mit einem Kollegen und einem Bekannten den Jakobsweg in Etappen geht.

Vom Steckbrief über den heiligen Jakobus angefangen über Entwicklung und Motive der Wallfahrt bis hin zur richtigen Pilgerausstattung und natürlich zu vielen persönlichen Pilgererfahrungen, hatte Pfarrer Heinrich einen Rucksack voller Informationen geschnürt. Hingerichtet durch das Schwert um das Jahr 44, tauchten die Gebeine des Apostels Jakobus um das Jahr 820 in Spanien auf. Und zwar dort, wo darauf hin die Stadt Santiago (=Heiliger Jakob) de Compostella (= Sternenfeld, Friedhof) errichtet wurde.

Viele Motive

Warum wallfahrte man damals, genau so wie auch heute noch? Als Dank für etwas, weil man ein Gelübde gemacht hatte oder um Bitte für ein besonderes Anliegen. Eines gibt es heute allerdings nicht mehr: Für ganz schwere Sünden wurde manchmal als Buße eine Wallfahrt nach Santiago aufgegeben. "Ich gehe auch diesen Weg", schmunzelte Pfarrer Heinrich, "aber ich habs nicht als Buße aufbekommen."

Weil die Pilger seinerzeit rund ein dreiviertel Jahr (hin und zurück) unterwegs waren und die Wallfahrt mit vielen Gefahren verbunden war (Räuberbanden, Krankheiten), machten die Jakobipilger in der Regel zuvor ihr Testament. Sie waren über Jahrhunderte an ihrer Kleidung zu erkennen mit Tasche, Stab, Muschel und Stein. "Ein erholsamer, manchmal meditativer Urlaub, draußen in der freien Natur, ohne Termindruck einfach dahin marschieren", schwärmte Pfarrer Heinrich. Er schwärmte von romantischen Strecken entlang von Flüssen, durch Wiesen und Wälder, durch kleine Bergbauerndörfer mit schmucken Dorfkirchen, großen Städten mit herrlichen Kathedralen und einer unbeschreiblichen Gastfreundschaft. Und zum Schluss regte er zum Nachdenken an: "Ziel ist es weniger, einen bestimmten Ort, Santiago, zu erreichen, sondern Ziel ist es, sein Herz zu öffnen für die eigenen Tiefen, für das göttliche Geheimnis".

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