Walther Hermann referiert über Schicksal von 59 Eschenbachern im Ersten Weltkrieg
Erinnerung an Gefallene

Am Kriegerehrenmal ist es in Stein gemeißelt: Vor 100 Jahren, bereits in den ersten Wochen des Ersten Weltkriegs, fielen fünf junge Eschenbacher den Kämpfen auf zwei Kontinenten zum Opfer. Walther Hermann erinnert beim Ferienstammtisch der Reservisten an die Gefallenen.

Es waren Josef Höller (gefallen am 16. August), Lorenz Völkl (18. August), Franz Wolfinger (20. August) und Josef Luber (30. August). Den Reiter Josef Rupprecht ereilte am 27. August in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika (DSW), dem heutigen Namibia, das gleiche Schicksal.

Beim Ferienstammtisch der Reservistenkameradschaft rief Walther Hermann das Weltkriegsschicksal von 59 jungen Eschenbachern in Erinnerung und zeichnete den Weg der deutschen Schutztruppe in DSW bis zum 9. Juli 1915 nach. An diesem Tag hatte Gouverneur Dr. Seitz, im Frieden von Khorab, die Kolonie an die Südafrikanische Union, der Vorläuferin der heutigen Republik Südafrika, übergeben.

Begehrte Häfen

Der Referent berichtete von Bestrebungen Großbritanniens bereits zu Beginn der Kriegshandlungen in Europa, wenigstens einen Teil des Schutzgebietes DSW zu besetzen. Besonders interessiert seien die Briten an den beiden einzigen Häfen gewesen: Lüderitzbucht mit seinen reichen Diamantenminen und Swakopmund, sowie an der Funkstation Windhoek.

"Als am 9. September 1914 die Südafrikanische Union den Krieg erklärte, hatte der Krieg auch DSW erreicht", erklärte Hermann. Er zitierte aus dem vom Kaiserlichen Gouverneur definierten Einsatz der Schutztruppe und schilderte die von Süden her erfolgten Angriffe der Unionstruppen.

Dazu gehörten Informationen über die lediglich 1003 Mann starke aktive Schutztruppe, der zwei Kampfflugzeuge und drei Automobile zur Verfügung standen. Keinen Erfolg habe der Versuch gehabt, bereits anfangs des Krieges eine Kompanie aufzustellen, die sich aus farbigen Soldaten der Schutztruppe in Kamerun zusammensetzte. "Deren Angehörige, die wegen Unzuverlässigkeit zu Zwangsarbeit verurteilt wurden, waren bereits 1910 nach DSW deportiert worden", berichtete Hermann. Die Kompanie habe jedoch am 24. Februar 1915 wegen Unbrauchbarkeit aufgelöst werden müssen.

Von Deutschen verlassen

Zu den Stationen der DSW-Kriegsgeschichte gehörte die Landung von General Mackenzie mit elf Schiffen, darunter ein Kreuzer und 8000 Soldaten, am 19. September 1914 in Lüderitzbucht, die Landung der Unionstruppen am Weihnachtstag 1914 nahe Swakopmund, der Besetzung von Otjimbingue am 30. April 1915 und der Einzug von General Botha in Windhoek, das von deutschen Soldaten und Beamten verlassen worden war. Als Ende der Kämpfe nannte Hermann den 2. Juli 1915. Damals standen der auf knapp 3000 Mann zusammengeschmolzenen Schutztruppe mehr als 35 000 Mann der Unionstruppen gegenüber. Gouverneur Dr. Seitz entließ Teile der Reservemannschaft und versuchte sich vergebens zu den Truppen unter General von Lettow-Vorbeck nach Deutsch-Ostafrika durchzuschlagen.

Munition versenkt

Zur Vernichtung der Waffen der Schutztruppe erfuhren die Reservisten: "Große Teile der Feldartillerie und der Munition wurden in eine der beiden einzigen in DSW das ganze Jahr über mit Wasser gefüllten Karstlöcher in Otjekoto versenkt, wo sie sich in 70 Meter Tiefe auch heute noch befinden - bis auf einige wenige Kanonen, die man vor nicht allzu langer Zeit herausholte."

Mit kurzen Anmerkungen beleuchtete Hermann auch das Ende der anderen deutschen Kolonien Neuguinea, Ostafrika, Kamerun, Karolinen, Marianen, Marshal-Inseln, Samoa und Togo.
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