27.06.2006 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Zahlreiche Gläubige feiern das Freudenberger Johannisbergfest mit - Führung durch das Gotteshaus So handeln, wie Gott handeln würde

Wenn Posaunenklänge vom Johannisberg her schallen, dann ist Pater Robert Schmidbauer wieder da. Einmal im Jahr, zum Johanisbergfest, kommt der treue Sohn Wutschdorfs zurück in seine Heimat, begrüßt seine alten Schulkameraden und Weggefährten und packt sein Instrument aus. Am Sonntag war er wieder im Wald unterwegs und blies eine Abendserenade auf Freudenberg herab.

von Autor (gri)Profil

Für viele Freudenberger und Wutschdorfer gehört Pater Robert Schmidbauer (63) zum Johannisbergfest wie die Wallfahrer und das Bier. Der Prior des Karmelitenklosters Reisach (Kreis Rosenheim) ist auch in diesem Jahr angereist, um das Patrozinium der Johannisbergkirche zu feiern. Mehr als 500 Gläubige, die sich aus den umliegenden Orten zu Fuß auf den Weg zu dem 600 Meter hoch gelegenen Gotteshaus gemacht hatten, taten es ihm am Sonntag gleich.

Die Pilger waren bereits am frühen Morgen in den vier Oberland-Dörfern, in den Nachbarpfarreien Rottendorf, Etsdorf, Kemnath am Buchberg, Lintach und Pursruck aufgebrochen und bekamen von Dr. Bertram Stubenrauch aus Wien einen Rat des Heiligen Augustinus mit auf den Heimweg. Die Christen, so sagte der Prediger am Sonntag, sollten bei all ihrem Tun versuchen, so zu handeln, wie Gott handeln würde.

"Großzügig sein"

Großzügig zu sein, sei dabei die erste Faustregel. "Wer großzügig ist, der gibt mehr, als er nimmt", sagte er. Die zweite Regel sei, immer für die Wahrheit einzutreten. Dr. Stubenrauch: "Das kann unangenehm sein. Das wissen wir alle." Aber das wichtigste sei, das Leben und den Menschen zu lieben, "egal welchen Dialekt er spricht oder welche Hautfarbe er hat". Dr. Bertram Stubenrauch (45) ist geboren in Teugn bei Regensburg und lehrt als Professor der Dogmatischen Theologie an der Universität Wien. Der Männergesangverein Johannisberg umrahmte den Gottesdienst.

Gestärkt im Glauben, wandten sich die Wallfahrer anschließend der Stärkung des Körpers zu. Bei schönstem Hochsommerwetter genossen sie unter den schattigen Bäumen des Johannisberggipfels - teilweise bis zum Abend - Bier, Bratwürsteln und erstmals auch Kaffee und Kuchen. Der Heimat- und Kulturverein Freudenberg hatte in diesem Jahr mit seinem Verpflegungsstand Premiere und zog danach eine äußerst positive Bilanz.

Der Erlös aus dem Kaffee- und Kuchenverkauf ist für verschiedene kulturelle Aktivitäten in der Gemeinde gedacht. Unter anderem will der Verein in Absprache mit der zuständigen Forstbehörde den alten Taufbrunnen unterhalb der Johannisbergkirche wieder herrichten. In der vergangenen Woche haben die Mitglieder des Vereins bereits den Unrat aus dem Quellbereich entfernt.

Mit einer illustren Schar von Gästen erkundete Kulturführer Uli Märkl von der Arbeitsgemeinschaft Obere Vils/ Ehenbach (AOVE) am Sonntagnachmittag die Kirche. Der Bau des Gotteshauses ist auf das Jahr 1652 datiert. Später wurde die Kirche erweitert und umgebaut. Fest steht jedoch, dass genau an der selben Stelle bereits früher eine Kirche gestanden hat. Und der Ringwall, der den Johannisberggipfel umschließt, deutet darauf hin, dass der Ort bereits den Kelten heilig war. Wünschelrutengänger erklären immer wieder, dass sich an der Kirche mehrere Energielinien treffen.

Gebürtiger Wutschdorfer

Am Heiligenberg, der Nordflanke des Johannisberges, hatte die Katholische Landjugend das Bergfest bereits am Freitag mit dem Abbrennen des Johannisfeuers eingeläutet (wir berichteten). Am Samstag, dem Tag des Heiligen Johannes des Täufers und eigentlichen Patroziniumstag, hielt Alfred Daubenmerkl die Festpredigt. Daubenmerkl ist ebenfalls gebürtiger Wutschdorfer und derzeit Diakon in Mitterskirchen (Kreis Rottal-Inn). Diesen Gottesdienst gestaltete der Wutschdorfer Kirchenchor.

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