28.09.2010 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Zweckverband zur Wasserversorgung der Vils-Naab-Gruppe im September 1910 ins Leben gerufen Seit 100 Jahren an einem Strang

Trinkwasser lieferten in früheren Jahren die wenigen Brunnen in den Dörfern. Doch oftmals, besonders nach niederschlagsarmen Wintermonaten, brachten die Brunnen in der Sommerzeit nur wenig oder oft gar kein Trinkwasser mehr. Für Tiere holte man das kostbare Nass häufig aus Vils und Naab in die Juradörfer. So war es nicht verwunderlich, dass vor nunmehr hundert Jahren der Wunsch nach einer Wasserleitung laut wurde: der Zweckverband zur Wasserversorgung der Vils-Naab-Gruppe entstand.

von Paul BöhmProfil

Das Wasser zum Tränken des Viehs kam meist aus Zisternen, Dorfhüllen und Weihern, die in allen Dörfern, Weilern und Einöden zu finden waren. Diese Weiher dienten damals noch als einzige Wasserreservoire für den Brandschutz. Aus dieser Tatsache heraus war es nicht verwunderlich, dass es bereits im Jahr 1904 in den Orten zwischen Vils und Naab erste Ansinnen nach einer funktionierenden Wasserleitung gab. Es war die große Herausforderung der Menschen in diesen Juragemeinden.

Man wusste, dass die Region zwischen Vils und Naab - mangels jeglicher Hochquellen - nur durch künstliche Förderung von Quell- und Grundwasser aus der Vils- oder Naabregion mit hygienisch einwandfreiem Trinkwasser für Mensch und Tier versorgt werden könne.

Zu einem "Wasserverein"

Mit einer ersten Bestandsaufnahme wurde das Königlich Bayerische Bezirksamt Burglengenfeld am 23. November 1904 beauftragt. Bezirksamtmann Hans Geigel sprach von der Notwendigkeit und den Vorteilen einer gemeinsamen Wasserversorgung durch einen Zusammenschluss der Gemeinden zum "Wasserverein". Einem Gutachten des Königlich Bayerischen Wasserbüros München aus dem Jahr 1908 ist zu entnehmen, dass es 54 Ortschaften, Weiler und Einöden mit 1451 Einwohnern betroffen hat, die ohne geregelte Trinkwasserversorgung waren.

Einig mit Schwandorf

Im September 1910 wurde schließlich, nach vielen Verhandlungen und Gemeinderatsbeschlüssen, der Verein "Vils-Naab-Wasserversorgungsgruppe" gegründet. Mit dem Magistrat der Stadt Schwandorf einigte man sich über das Bezugsverhältnis von Anteilen aus dem Quellbrunnen Vilssiegenhofen (heute Markt Rieden): Sieben Neuntel beanspruchten die Schwandorfer, zwei Neuntel traten sie dem neuen Zweckverband ab.

Am 22. September 1910 fand die Gründung des Zweckverbandes unter Leitung des damaligen Bezirksamtmanns Hans Geigel in Pottenstetten statt. Mit dabei waren Vertreter folgender Gemeinden und Orte: Büchheim mit Bürgermeister Johann Graf, Höchensee mit Bürgermeister Josef Bäuml (Sinzenhof), Neukirchen mit dem gewählten Vertreter Peter Rester, Pilsheim mit dem gewählten Vertreter Engelbert Lautenschlager, Pottenstetten mit Bürgermeister Johann Maier (Saaß), Premberg mit dem Beigeordneten Hermann Kruschwitz (Richthof), Stocka, Frauenhof und Oberhof mit Bürgermeister Josef Viehauser sowie für Vilshofen der gewählte Michael Edenharter (Gattershof). Zum Vorsitzenden wurde Hermann Kruschwitz gewählt.

Allergnädigst geruht

"Mit Entschließung vom 3. Dezember 1910 haben seine Königliche Hoheit Prinz Luitpold, Verweser des Königreiches Bayern allergnädigst geruht, den Verein Vils-Naab-Wasserversorgungsgruppe mit Sitz in Pottenstetten nach Maßgabe der von den beteiligten Gemeinden angenommenen Satzung als Verein des öffentlichen Rechts zu führen", so steht es im Bescheid. Angeschlossen haben sich damals auch die Gemeinden Lanzenried, Dietldorf und Eich. Für Lanzenried wurde Bürgermeister Georg Lautenschlager (Eglsee) stimmberechtigt, aus den Weilern Machtlwies, Greßtal, Plattenhof, Birkhof und Loisnitz Dietldorfs Bürgermeister Michael Reindl.

40 Pfennig Stundenlohn

Auf der Grundlage eines vom Königlich Bayerischen Wasserbüro in München ausgearbeiteten Entwurfes vom 27. April 1911 waren es 258 Anschlussnehmer für die neue Wasserleitung. Die Kosten beliefen sich ohne Hausanschlüsse auf 310 000 Mark. Erst in einer Stichwahl fiel die Entscheidung pro Bau, denn in der Abstimmung der Verbandsmitglieder war es 4:4 ausgegangen. Dank der Stimme des Vorsitzenden Kruschwitz gab es ein "Ja" für den Bau. Für die Mitarbeit im Wasserverein der Vils-Naab-Gruppe wurde ein Stundengeld von 40 Pfennigen festgelegt.
Das Ende der Arbeiten wurde der Königlichen Bezirksregierung in Regensburg am 29. August 1913 gemeldet. In nur einem Satz hieß es: "Die Wasserversorgungsanlage der Vils-Naab-Gruppe ist nunmehr vollständig fertig und funktionsfähig." Der Wasserpreis betrug in den Gemeinden zwischen zehn und 15 Pfennige.

Am 3. Dezember 1964 beschloss die Verbandsversammlung einstimmig für das gesamte Versorgungsgebiet einen Tiefbrunnen bei Emhof (siehe Kasten zur Entwicklung) niederzubringen. 1970 wurde das Maschinenhaus bei Emhof gebaut.

Auf 141 Meter Tiefe

Anfang der 80er Jahre wurden in einem Wald nahe Mühlberg zwei neue Brunnen niedergebracht, die aber nach knapp drei Jahren unter Versandung litten und aufzugeben waren. Von 1994 bis 1998 wurde ein neuer Brunnen bei Vilshof auf 141 Meter Tiefe gebohrt, um Trinkwasser für die knapp 2500 Menschen im Versorgungsgebiet zu sichern. 1999 wurde der Verbandssitz von Pottenstetten nach Emhof verlegt.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.