06.09.2017 - 16:38 Uhr
Deutschland & Welt

AfD-Politikerin Weidel drückt sich um Antwort zum Thema Rechtsradikalismus Inszenierter Abgang

Nürnberg/Berlin. Medienwissenschaftler kritisieren den Abgang von AfD-Politikerin Alice Weidel am Dienstagabend in einer ZDF-Talkshow als Inszenierung. Die AfD instrumentalisiere Medien, sagte die Nürnberger Kommunikationswissenschaftlerin Christina Holtz-Bacha dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Mittwoch. "Skandale werden inszeniert, die Aufregung ist da und damit auch die Medienaufmerksamkeit", so die Wissenschaftlerin. Diese Strategie beobachte sie nicht nur bei der AfD, sondern auch international bei Populisten. AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel hatte am Dienstagabend die Sendung "Wie geht's, Deutschland?" verlassen und im Anschluss Vorwürfe gegen Moderatorin Marietta Slomka erhoben. Nachdem CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer Weidel aufgefordert hatte, sich von ihren Parteikollegen Alexander Gauland und Björn Höcke zu distanzieren, verließ sie die Runde ohne weitere Erklärung. Im Anschluss nannte sie die ZDF-Moderatorin "parteiisch und vollkommen unprofessionell". Die Abschaffung des Rundfunkbeitrages ist Teil des AfD-Wahlprogramms.

von Agentur EPDProfil

Über bestimmte Vorfälle müsse berichtet werden, sagte Holtz-Bacha. "Deswegen ist es wichtig, im Anschluss die Inszenierung zu thematisieren", sagte sie. Auch ZDF-Chefredakteur Peter Frey kritisierte den Abgang Weidels als Inszenierung. "Eine Livesendung zu verlassen, bringt zwar Aufmerksamkeit, verhindert aber eine politische Auseinandersetzung in der Sache", zitiert das ZDF Frey bei Twitter. "Wer austeilt, muss auch einstecken können." Slomka habe die Diskussionsrunde "fair und gelassen" moderiert. Der Medienwissenschaftler Bernd Gäbler sagte dem epd, Weidel inszeniere sich als "Medien-Opfer". Die AfD-Politikerin sei gegangen, als Scheuer ihr vorwarf, sich nicht vom Rechtsradikalismus abzugrenzen. "Für den normalen Zuschauer wirkte dies wie ein Ausweichen vor einer völlig berechtigten Frage", sagte Gäbler.

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