07.05.2018 - 22:36 Uhr
Deutschland & Welt

Amtseinführung von Putin Zar Putin und sein Hofstaat

Mit großem Pomp geht Wladimir Putin in eine neue Zeit im Kreml. Der 65-Jährige ist auf der Höhe seiner Macht. Ganz vorne unter den Ehrengästen: ein langjähriger deutscher Freund.

Wladimir Putin (links) spricht bei seiner Amtseinführung im Kreml. Unter den Gästen: Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder (vorne zwischen Ministerpräsident Dimitri Medwedew, rechts, und dem orthodoxen Patriarchen Kirill). Bild: Alexei Druzhinin/POOL SPUTNIK KREMLIN/AP/dpa
von Agentur DPAProfil

Moskau. Es sind nicht viele Hände, die Russlands Präsident nach seiner feierlichen Vereidigung schüttelt. Der russisch-orthodoxe Patriarch Kirill gratuliert, Ministerpräsident Dmitri Medwedew - und dazwischen Altbundeskanzler Gerhard Schröder. Unter 5000 Gästen im prächtigen Großen Kreml-Palast hat das Protokoll den SPD-Politiker prominent in der ersten Reihe platziert - noch vor wichtigen russischen Ministern wie Sergej Schoigu (Verteidigung) und Sergej Lawrow (Äußeres).

Putins Amtseinführung am Montag hat etwas von einer Zarenkrönung. Eigentlich fehle nur noch die Salbung, schrieb das Boulevardblatt "Moskowski Komsomolez" despektierlich. Die Versammelten gleichen einem Hofstaat. Im 19. Jahr seiner Herrschaft über das größte Land der Erde hat Wladimir Putin (65), geboren in Leningrad (heute St. Petersburg), ehemaliger sowjetischer Geheimagent, eine Machtfülle erreicht, die jener der alten Zaren ähnelt.

Im Saal stehen die Männer und wenigen Frauen, die Russland für ihn kontrollieren: sein Sprecher Dmitri Peskow die Medien, Medwedew die Regierung, Schoigu die Armee. Gazprom-Chef Alexej Miller sichert den lebenswichtigen Rohstoff Gas, Rosneft-Chef Igor Setschin das Öl. Doch alle verdanken sie Macht und Geld nur der Nähe zu ihm. Russland wird von einem "Ein-Mann-Netzwerk" geführt, so die US-Wissenschaftler Fiona Hill und Clifford Gaddy.

Und in diesen Hofstaat reiht sich ein Ex-Bundeskanzler ein. Schröder war schon zu Amtszeiten mit Putin befreundet. Seit seinem Ausscheiden 2005 arbeitet er für eine Gazprom-Tochter, seit 2017 führt er auch den Rosneft-Aufsichtsrat. Hinter ihm im Andreas-Saal steht ein zweiter Deutscher, Matthias Warnig, früher Offizier der DDR-Staatssicherheit.

Sie sind die Männer, die die Ostseepipeline Nord Stream 1 von Russland nach Deutschland gebaut haben. Nun geht es um Nord Stream 2 - gegen Widerstände in Brüssel und in Osteuropa. Dort wird eine zu große Abhängigkeit Europas von russischem Gas befürchtet. Schröders auffällige Anwesenheit bei der Vereidigung dürfte ein Signal sein, wie wichtig dieses Projekt dem Kreml ist.

Und die Zeremonie ist kaum vorbei, da kommt die nächste Avance Richtung Deutschland. Der Kreml kündigt einen Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel für 18. Mai in Sotschi an. Außenpolitisch droht Putins neue Amtszeit unruhig zu werden. Aus westlicher Sicht haben sich seine Übergriffe gehäuft: die Ukraine, der brutale Krieg in Syrien, die Einmischung in Wahlen in den USA und Frankreich, der Giftangriff auf den Ex-Agenten Sergej Skripal in Großbritannien.

Putin sieht es anders: Der US-geführte Westen achtet Russlands Interessen nicht, versucht sein System zu stürzen. Deshalb nimmt er das Recht auf Vorwärtsverteidigung in Anspruch. Den Gesprächsfaden Richtung Westen will er über Deutschland knüpfen. Das einzige Ausland, das er kennt seit seiner Dresdener Zeit, das Ausland, dessen Sprache er spricht.

Schröder ist da für ihn ein wichtiger Ansprechpartner, auch wenn der für sein Engagement in Deutschland oft kritisiert wird. Putins Verhältnis zu Merkel ist schwieriger. Die Kanzlerin aber hat mehr Zeit und Geduld in den Kontakt zu Putin investiert als jeder andere westliche Politiker.

Die beherrschende Frage zu Putins nominell vierter Amtszeit ist aber: Was kommt danach? Laut Verfassung muss er 2024 abtreten, er wird dann 71 sein. Doch ein Nachfolger ist nicht in Sicht. Putin bräuchte nur einen starken Regierungschef zu ernennen. Doch wird Putin den bei der Bevölkerung unbeliebten Medwedew halten. Zar bleibt er vorerst alleine.

Das Ziel meines Lebens und meiner Arbeit ist, den Menschen und unserem Vaterland zu dienen. Für mich ist das Wichtigste.Wladimir Putin, russischer Präsident
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