20.01.2017 - 16:48 Uhr
Deutschland & Welt

Amtsübergabe in Washington - Abschied von Barack Obama Donald Trump als 45. Präsident vereidigt

Was im Sommer 2015 kaum jemand für möglich hielt, ist nun Fakt. Donald Trump ist Präsident der USA. Die Welt wartet gespannt auf seine ersten Amtshandlungen.

von Agentur DPAProfil

Washington. Donald Trump ist der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Der Oberste Verfassungsrichter der USA, John Roberts, nahm dem 70-jährigen Republikaner am Freitag auf den Stufen des Kapitols den Amtseid ab. Trump schwor auf zwei Bibeln: auf seine eigene und auf die des früheren US-Präsidenten Abraham Lincoln. Trump löst den Demokraten Barack Obama ab, den ersten schwarzen Präsidenten der USA.

Vor Trump wurde bereits sein Vize Mike Pence vereidigt. Eine Parade sollte Trump am Nachmittag vom Kapitol zum Weißen Haus führen. Der offizielle Teil des Tages endet für den neuen Präsidenten mit dem Besuch dreier Bälle. Am Morgen hatte Trump gemeinsam mit seiner Frau Melania an einem Gottesdienst in der Kirche St. John teilgenommen. Anschließend wurden beide von dem scheidenden Präsidenten Obama und seiner Frau Michelle im Weißen Haus empfangen.

Die Hauptstadt glich einer Hochsicherheitszone. Polizisten und Soldaten der Nationalgarde sicherten die Straßen ab; Kreuzungen wurden zum Teil mit Bussen blockiert. Im Zentrum Washingtons versammelten sich Demonstranten. Sie trugen Schilder mit Aufschriften wie "Feminismus gegen Faschismus" oder "Rassismus existiert noch immer in Amerika". Es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei. Fensterscheiben wurden eingeschmissen. Den Höhepunkt der Proteste sollte es am Samstag geben. Dann werden zu einer Demonstration mehr als 200.000 Menschen erwartet.

Als Außenseiter gestartet

Der Immobilienunternehmer Trump war im Sommer 2015 in den Wahlkampf eingestiegen. Als Außenseiter gestartet, dominierte er trotz Dauerkritik Debatten und Vorwahlen und wurde schließlich im Sommer 2016 Kandidat der Republikaner. Gegen alle Erwartungen setzte Trump sich bei der Wahl am 8. November gegen die Demokratin Hillary Clinton durch. Die 69-Jährige saß bei der Amtseinführung ihres einstigen Konkurrenten im Publikum. Trump hat noch nie ein politisches Amt bekleidet. Seine Anhänger versprechen sich von ihm neue Jobs, eine Rückbesinnung auf Amerika und eine radikale Abkehr von der Agenda Barack Obamas. Gegner und Kritiker fürchten Trumps Naturell, Haltung und Einstellungen.

Mauer zu Mexiko

Trump hatte angekündigt, mit Volldampf ins Amt starten zu wollen. Das erste Wochenende hat er sich erstmal frei gehalten. Möglich ist, dass er am Montag mit der Unterschrift unter einige inhaltliche präsidentielle Dekrete startet. Sie werden aller Voraussicht nach in einem Zusammenhang stehen mit dem angekündigtem und umstrittenen Bau einer Mauer zu Mexiko und dem Thema Grenzsicherheit generell. Auch zum Thema Handel könnte es rasch Neuigkeiten geben, Trump hat eine Neuverhandlung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (Nafta) mit Kanada und Mexiko sowie eine Abkehr vom transpazifischen Abkommen TPP angekündigt.

Der neue US-Präsident Donald Trump hat in seiner Antrittsrede angekündigt, jede seiner Entscheidungen ganz und gar an amerikanischen Interessen auszurichten. "Von jetzt an wird eine neue Vision dieses Land regieren. Von diesem Tag an heißt es: Amerika zuerst, Amerika zuerst", sagte der 70-Jährige am Freitag nach seiner Vereidigung als 45. Präsident der Vereinigten Staaten vor Hundertausenden vor dem Kapitol in Washington. Er wolle die größte Volkswirtschaft der Welt über eine Politik des Schutzes eigener Wirtschaftsinteressen zu neuem Wohlstand führen.

Abgrenzung vom Kurs Barack Obamas

Trump dankte seinem Vorgänger Barack Obama zwar, grenzte sich aber radikal von dessen politischen Kurs ab. Die Zeit leeren Geredes sei vorbei. "Nun ist die Stunde des Handelns gekommen." Dem islamistischen Terror sagte Trump den Kampf an. "Wir werden die zivilisierte Welt gegen den radikal-islamistischen Terrorismus vereinen, der völlig vom Antlitz der Erde verschwinden wird", sagte der Republikaner. Die Vereinigten Staaten würden sich ansonsten nun weniger um die Lösung von Problemen weltweit kümmern, sondern sich auf ihre eigenen Belange konzentrieren, kündigte er an. "Wir haben andere Länder reich gemacht", während eine Fabrik nach der anderen in den USA geschlossen habe. Die USA hätten die Grenzen anderer Länder geschützt und dabei vergessen, die eigenen zu schützen. "Aber das ist Vergangenheit. Und jetzt schauen wir nur nach vorne."

Rede von Pathos geprägt

In der von starkem Pathos geprägten Rede appellierte Trump mehrfach an den Patriotismus der Amerikaner. Ein neuer Nationalstolz werde die Wunden Amerikas heilen, sagte er. "Wir bluten alle das selbe rote Blut der Patrioten." Trump beschwor die Menge mit ähnlichen Worten, wie er sie schon im Wahlkampf benutzt hatte. "Amerika wird wieder gewinnen", erklärte er. "Wir werden unsere Jobs zurückbringen. Wir werden uns unsere Grenzen zurückholen. Wir werden unseren Wohlstand zurückbringen. Wir werden unsere Träume zurückbringen." Er rief dazu auf, zusammenzustehen. "Wenn Du Dein Herz für den Patriotismus öffnest, dann ist darin kein Platz für Vorurteile."

Wenn Amerika vereint sei, sei es nicht aufzuhalten. "Wir werden ungleich größer träumen", sagte Trump. Niemand solle sich einreden lassen, dass das nicht zu schaffen sei. Amerika müsse seine Teilung überwinden. "Ob wir weiß oder schwarz sind, uns alle eint das rote Blut der Patrioten." Der neue US-Präsident kündigte einschneidende Veränderungen in Washington an. Zu lange hätten Politiker profitiert und das Establishment, aber nicht die einfachen Leute, die ihre Arbeit verloren hätten. "Wir übergeben die Macht von Washington DC zurück an Euch, das Volk." Trumps Rede endete mit der Wiederholung seines Wahlkampfversprechens. "Zusammen werden wir Amerika wieder großartig machen."

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp