22.08.2017 - 21:50 Uhr
Deutschland & Welt

Angola vor Neuwahlen Langzeit-Präsident tritt ab

Luanda/Frankfurt. (epd) In Angola bestimmen die Wähler an diesem Mittwoch einen Nachfolger für den seit 38 Jahren regierenden Präsidenten José Eduardo dos Santos. Der 74-Jährige tritt nicht mehr an und hat Verteidigungsminister João Lourenço als Kandidaten für die Regierungspartei MPLA bestimmt. Es wird erwartet, dass die Regierungspartei die meisten Sitze im Parlament erhält und damit den Präsidenten stellt.

Seit 1979 ist Jose Eduardo dos Santos Präsident von Angola. Nun wird sein Nachfolger gewählt. Archivbild: Paulo Novais/dpa
von Agentur DPAProfil

Dos Santos steht wegen seines autoritären Regierungsstils und der weit verbreiteten Korruption in der Kritik. Amnesty International forderte von der neuen Regierung, der Repression ein Ende zu setzen. Dos Santos' Nachfolger müsse damit aufhören, die Justiz und andere Institutionen systematisch zu missbrauchen, um Kritik zum Schweigen zu bringen, erklärte die Menschenrechtsorganisation in Johannesburg (Südafrika). "Jahrzehntelang haben die Angolaner in einem Klima der Angst gelebt, in dem diejenigen, die die Stimme erhoben eingeschüchtert, inhaftiert oder verschleppt wurden", sagte der Amnesty-Direktor für das südliche Afrika, Deprose Muchena. Durch den niedrigen Ölpreis steckt Angola in einer Wirtschaftskrise. Lourenço kündigte an, gegen Korruption und Vetternwirtschaft vorgehen zu wollen. Der Kandidat der größten Oppositionspartei Unita, Isaias Samakuva, kritisierte jedoch, Lourenço sei nur eine Marionette der derzeitigen Regierung. Präsident dos Santos will weiterhin Vorsitzender der MPLA bleiben. Die Wahl wird ohne eine Beobachtermission der EU stattfinden. Die EU verzichtete darauf, Beobachter zu entsenden, weil die angolanische Regierung ihnen keine Bewegungsfreiheit garantieren wollte. Dos Santos wurde 1979 Präsident und ist einer der dienstältesten Staatschefs der Welt. Er geht hart gegen Kritiker vor, seine Familie kontrolliert wichtige Teile der Wirtschaft. Trotz hoher Einnahmen aus der Öl-Förderung lebt über ein Drittel der Bevölkerung in Armut.

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