Anschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt
IS bekennt sich offenbar zu tödlicher Attacke

Bundeskanzlerin Angela Merke (Mitte) am Tatort. Begleitet wurde sie unter anderem von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (links) und Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (Zweiter von links).

Zu dem Lastwagen-Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt hat sich offenbar die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannt. Der am Montag zunächst festgenommene Verdächtige ist hingegen bereits wieder frei.

Karlsruhe/Berlin. (dpa/KNA) Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat den Angriff auf den Weihnachtsmarkt in Berlin für sich in Anspruch genommen. Der Täter sei ein "Soldat des Islamischen Staates" gewesen, meldete das IS-Sprachrohr Amak am Dienstag im Internet. Die Echtheit der Nachricht ließ sich zunächst nicht verifizieren. Sie wurde aber über die üblichen IS-Kanäle im Internet verbreitet. Auch die Form der Erklärung entspricht früheren Bekenntnissen der Extremisten.

Verdächtiger nicht im Lkw

Gegen den bereits am Montagabend festgenommenen Beschuldigten hätten die bisherigen Ermittlungsergebnisse keinen dringenden Tatverdacht ergeben. Das teilte die Bundesanwaltschaft am Dienstagabend in Karlsruhe mit. Der Mann habe in seiner Vernehmung umfangreiche Angaben gemacht, eine Tatbeteiligung jedoch bestritten. Augenzeugen hätten den Lastwagenfahrer nach dem Anschlag nicht lückenlos verfolgt. Die kriminaltechnischen Untersuchungen hätten außerdem keinen Beleg erbracht, dass der Mann im Führerhaus des Lastwagens gewesen sei. Er kam auf freien Fuß.

Der oder die Täter könnten also noch auf freiem Fuß sein, sagte der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Holger Münch. Ermittler und Politik gingen schon am Dienstagvormittag von einem terroristischen Hintergrund aus, rätselten aber über Motiv und Täter. Für möglich gehalten wird auch, dass mehrere Täter am Werk waren. Man sei "hochalarmiert". Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt sagte, es sei möglich, dass der Täter noch im Raum Berlin unterwegs sei. Die Terrorgefahr sei aber bundesweit nun nicht größer.

Mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche haben Spitzenvertreter aus Politik, Gesellschaft und Kirche der Opfer des Anschlags von Berlin gedacht. Unter den Teilnehmern waren am frühen Dienstagabend Bundespräsident Joachim Gauck, Bundestagspräsident Norbert Lammert und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Merkel: "Terroranschlag"

Merkel ging am Dienstagvormittag "nach jetzigen Stand" von einem Terroranschlag aus und äußerte sich zutiefst erschüttert. Ein ganzes Land sei in Trauer vereint. Merkel fügte hinzu: "Auch wenn es in diesen Stunden schwerfällt: Wir werden die Kraft finden für das Leben, wie wir es in Deutschland leben wollen - frei, miteinander und offen."

Am Montagabend war ein Mann mit einem vermutlich entführten Lastwagen in den Weihnachtsmarkt nahe der Gedächtniskirche gerast. Zwölf Menschen starben, rund 50 wurden - oft lebensgefährlich - verletzt. Bei dem Anschlag starb auch ein polnischer Lkw-Fahrer. Er lag erschossen im Führerhaus des Lasters, den er für eine Spedition aus der Nähe von Stettin gefahren hatte.
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