Anschlag auf Weihnachtsmarkt
Kein Ort zumn Gedenken

Kurz nach dem Anschlag von Berlin kamen führende Politiker zu einem Gedenkgottesdienst. Seitdem seien die Opfer aus dem Blick geraten, beklagen deren Vertreter.

Berlin. Angehörige der Berliner Anschlagsopfer fühlen sich von der Politik allein gelassen. "Ich finde die mangelnde Beachtung vonseiten des Staates traurig und unwürdig", sagte dem "Tagesspiegel" eine Frau, deren Lebensgefährte seit dem Weihnachtsmarkt-Attentat vom 19. Dezember um sein Leben kämpft. Ein Staatsakt wäre angemessen und sei in anderen Ländern selbstverständlich. Bei dem Lkw-Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche mitten in der Hauptstadt waren zwölf Menschen getötet und mehr als 50 verletzt worden. Seelsorger beklagten, es fehle eine politische Gedenkkultur.

Der evangelische Berliner Bischof Markus Dröge hat sich für einen Ort zum Gedenken an die Opfer des Terroranschlags auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche ausgesprochen. "Wenn die Blumen verwelkt und die Kerzen abgebrannt sind, muss es einen würdevollen Ort geben, um in unmittelbarer Nähe des Anschlagortes der Opfer zu gedenken", sagte Dröge. Die Gemeinde der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in direkter Nachbarschaft sei auch weiterhin sehr offen für konkrete Überlegungen und werde gerne konstruktiv mitarbeiten, "um die Erinnerung an den grausamen Mord aus religiösem Wahn wach zu halten".

Am Tag nach dem Anschlag hatten zahlreiche Spitzenpolitiker einen Gedenkgottesdienst besucht, darunter Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel. Die Berliner Senatskanzlei sagte, es gebe keine Pläne für eine Gedenkveranstaltung. Wegen der Dimension des Anschlages sei eher der Bund am Zug.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.