15.03.2018 - 22:34 Uhr
Deutschland & Welt

Anschlag mit Nowitschok Großbritannien impft Soldaten gegen Anthrax

"Ein Übergriff gegen die Souveränität des Vereinigten Königreichs" - nach dem Giftanschlag in Großbritannien stellen sich Deutschland, Frankreich und die USA an die Seite Londons. Russland zeigt sich unbeeindruckt und kündigt eine Antwort an.

Die britische Premierministerin Theresa May spricht mit Kier Pritchard von der Polizei Wiltshire. May besuchte den Ort des Attentats auf den Ex-Doppelagenten Skripal und seine Tochter. Bild: Andrew Matthews/PA Wire/dpa
von Agentur DPAProfil

London/Salisbury. Die britische Premierministerin Theresa May hat Russland mit weiteren Sanktionen gedroht. "Falls Russland uns weiter provoziert, dann könnten wir andere Maßnahmen einsetzen", sagte sie am Donnerstag in der südenglischen Kleinstadt Salisbury. Details nannte sie aber nicht. Zu den britischen Sanktionen gehört unter anderem die Ausweisung von 23 russischen Diplomaten. Der Ex-Doppelagent Sergej Skripal (66) und seine Tochter Yulia (33) waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in Salisbury entdeckt worden.

Auf sie war ein Attentat mit dem Nervenkampfstoff Nowitschok verübt worden, der in der Sowjetunion produziert worden war. London glaubt, dass Moskau hinter dem Anschlag steckt. Russland weist die Vorwürfe entschieden zurück, ließ zuletzt aber ein britisches Ultimatum zur Aufklärung der Herkunft des bei dem Anschlag nach Angaben Londons eingesetzten Nervengifts Nowitschok verstreichen.

London rüstet auf

May dankte in Salisbury der Polizei und den Rettungskräften, die zunächst von einem Routineeinsatz ausgegangen waren. "Ihr habt einen großartigen Job gemacht", sagte die Premierministerin. Außerdem ließ sie sich über den Gesundheitszustand der beiden Opfer informieren. Sie sollen sich in einem kritischen Zustand befinden.

Wegen der zunehmenden Spannungen zwischen London und Moskau werden Tausende Soldaten gegen Anthrax geimpft. Das sagte ein Sprecher des britischen Verteidigungsministeriums am Donnerstag. Erreger von Anthrax (Milzbrand) gelten als potenzielle Biowaffen. Bei Anthrax-Erregern handelt es sich um Bakterien. Milzbrand kann bei rechtzeitiger Diagnose mit Antibiotika bekämpft werden. Ansonsten kann die Erkrankung zum Tode führen. London wird zudem ein hochmodernes Zentrum zur Verteidigung gegen Chemiewaffen errichten. Hierfür werden 48 Millionen Pfund (etwa 54 Millionen Euro) bereitgestellt. Das neue Zentrum soll auf dem Forschungsgelände Porton Down in der südenglischen Grafschaft Wiltshire entstehen. Dort wird auch zu Chemie- und Biowaffen geforscht. Unweit des Geländes liegt Salisbury.

Unterdessen erhält Großbritannien Rückendeckung. "Wir teilen die Einschätzung des Vereinigten Königreichs, dass es keine plausible alternative Erklärung gibt", schreiben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der französische Präsident Emmanuel Macron, US-Präsident Donald Trump und May. Zudem stelle man fest, dass Russlands Weigerung, auf die berechtigten Fragen Londons einzugehen, "einen zusätzlichen Anhaltspunkt für seine Verantwortlichkeit ergibt". In der Erklärung heißt es: "Unsere Besorgnisse werden angesichts früherer Fälle verantwortungslosen russischen Verhaltens auf weiteren Feldern verstärkt."

Die Attacke entspreche dem rücksichtslosen Verhalten Russlands in den vergangenen Jahren, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Donnerstag in Brüssel. "Wir haben keinen Grund, die Ermittlungsergebnisse und Einschätzungen Großbritanniens infrage zu stellen." Für Montag kündigte Stoltenberg ein Treffen mit dem britischen Außenminister Boris Johnson an.

Russland unbeeindruckt

Russland zeigt sich auch von der Solidarisierung von Frankreich, Deutschland und den USA unbeeindruckt und will schnell auf die britischen Sanktionen reagieren. Das Außenministerium und andere Behörden schlügen Schritte vor, die Entscheidung werde Präsident Wladimir Putin treffen, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow in Moskau.

Außenminister Sergej Lawrow erklärte der russischen Agentur Interfax zufolge, Russlands Antwort auf die Ausweisung russischer Diplomaten werde "sehr bald" folgen. Bevor diese öffentlich erklärt werde, wolle Moskau sie aber den Briten mitteilen. Eine Ausweisung britischer Diplomaten gilt als eine wahrscheinliche Option. Russische Politiker hatten zuletzt immer wieder von einer "symmetrischen Antwort" gesprochen.

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