04.03.2018 - 18:38 Uhr
Deutschland & Welt

Auch nach dem Mitgliederentscheid wird der Juso-Vorsitzende in der SPD eine wichtige Rolle ... Kühnert: Ein Verlierer, der keiner ist

Berlin. Kevin Kühnert hat gekämpft und verloren - aber irgendwie auch nicht. Ihm ist es zwar nicht gelungen, eine weitere Große Koalition zu verhindern. Aber er hat geschafft, was kein Ober-Juso vor ihm erreicht hat: Er hat dem SPD-Nachwuchs ein nie da gewesenes Gewicht gegeben, er hat die Parteispitze das Fürchten gelehrt und die Genossen in der Republik nachhaltig aufgerüttelt. Und was macht er nun? Er bleibt sich treu. Kurz nachdem das Ergebnis der SPD-Basis-Befragung am Sonntag verkündet ist tritt Kühnert draußen vor der SPD-Zentrale vor die Journalisten. Ja, der Ausgang sei eine Enttäuschung, sagt er da in der klirrenden Kälte. "Wer geglaubt hat, dass wir hier angetreten sind, um stillschweigend eigentlich doch auf ein Ja zu hoffen und nur mal ein bisschen ins Fernsehen zu kommen, hat sich geirrt." Aber das Ergebnis sei natürlich zu akzeptieren. "Wir sind keine schlechten Verlierer und werden jetzt versuchen, das Beste daraus zu machen." Die Jusos werden nicht nachlassen, eine grundlegende Erneuerung der Partei einzufordern. "Wir werden uns da nicht mit Kleinigkeiten zufrieden geben", kündigt er an. "Und wir werden dieser Partei auch so lange aufs Dach steigen, bis wir das Gefühl haben, das passiert jetzt in einem ausreichenden Rahmen."

Juso-Chef Kevin Kühnert. Bild: Michael Kappeler/dpa
von Agentur DPAProfil

Für die Parteispitze dürfte Kühnert unbequem bleiben. Er ist zu einer Art Ikone für all jene geworden, die sich die SPD anders wünschen: moderner, kantiger, mit klarem Profil und eigenständigem Kurs. Die SPD-Führung hat schon erkennen lassen, dass sie ihn gerne eng einbinden würde in den Erneuerungsprozess - auch um alle seine Anhänger und die NoGroko-Bewegung bei der Stange zu halten. "Wer glaubt, der Konflikt, der da in den letzten Wochen und Monaten zu Tage getreten ist, sei dadurch aufzulösen, dass irgendjemandem ein Posten angeboten wird, hat im Kern nicht verstanden, worum es in unserer Kampagne eigentlich gegangen ist: nämlich um eine grundlegend andere politische Kultur", betont hingegen Kühnert. "Mein Appell an alle, die jetzt auch mit sich und mit dieser Partei hadern, ist, dabei zu bleiben und hier mitzukämpfen", sagt er weiter. Es gehe jetzt darum, die Partei zu erneuern. Kühnert wird dabei eine wesentliche Rolle spielen. Er hat sich für die Partei unverzichtbar gemacht. Ob er will oder nicht.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.