14.09.2005 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Auftakt zum Prozess gegen Rocker-König in Amberg - Seit fünf Jahren wegen Tötung in Haft: Kiloweise Drogen im Erdbunker

Die Dimension ist schier unglaublich: 812 Kilo Haschisch, 505 Kilo Marihuana, 284 Kilo Amphetamin und 600 Gramm Kokain soll der aus Bruck (Kreis Schwandorf) stammende Alfred E. (47) erworben und dann weiterverkauft haben. Das Rauschgift besaß einen Marktwert von 5,7 Millionen Euro.

Alfred E. (rechts) und sein Verteidiger Manuel Meier aus Frankfurt. (Bild: Unger)
von Autor HOUProfil

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Amberg gegen den ehemaligen Präsidenten der Rockervereinigung MC Falkenstein dauerten Jahre. Die Fahnder waren dabei in der Lage, sehr präzise und umfangreich zu recherchieren. Denn Alfred E. aus Bruck konnte nicht weglaufen. Er sitzt seit dem Jahr 2000 wegen eines versuchten Tötungsdeliktes in Haft. Damals hatte er in Premberg bei Schwandorf auf einen Rocker aus Niederbayern geschossen und ihn schwer verletzt.

Sicherheitsmaßnahmen

Das am Dienstag vor der Ersten Strafkammer des Amberger Landgerichts begonnene Mammutverfahren gegen den Mann aus Bruck geht unter strengsten Sicherungsvorkehrungen vonstatten. Rein vorsorglich. Denn die Vermutung, Mitglieder von Rockerclubs würden auftauchen, bewahrheitete sich bisher nicht.

Nahezu eine halbe Stunde lang brauchte Oberstaatsanwalt Joachim Diesch, bis er die Anklageschrift verlesen hatte. Dabei wurde deutlich: Die insgesamt 61 illegalen Drogendeals spielten sich im Verlauf mehrerer Jahre rings um das unweit des Brucker Vorortes Mappach stehende Clubheim des MC Falkenstein ab. Dort befanden sich nach Überzeugung des Staatsanwalts diverse Erdbunker, in denen die heiße Ware nach ihrem Eintreffen durch Kuriere gelagert und dann zumeist kiloweise an Zwischenhändler weiter verhökert wurde.

Wenn die Überbringer kamen, wechselten nach polizeilichen Ermittlungsergebnissen nicht selten Beträge bis zu 80 000 Mark den Besitzer. Im Jahr 1999 etwa, als bei einer Lieferung 30 Kilogramm Haschisch und 54 Kilo Marihuana in die Oberpfalz geschafft wurden. Nahe des Clubheims gab es aber auch noch ganz andere Depots. Für drei jugoslawische Splitterhandgranaten etwa, fünf halbautomatische Faustfeuerwaffen, eine Schrotflinte und umfangreiche Munitionsvorräte.

Verkauf nach Inhaftierung

Alfred E. schweigt zu den Vorwürfen. Die Strafkammer hatte dies offenbar erwartet und bereits im Vorfeld zehn Prozesstage angesetzt. Zum Auftakt der Vernehmungen kam am Dienstag ein 38-Jähriger aus Roding (Kreis Cham) in den Zeugenstand. Der Mann, gegenwärtig wegen Mordversuchs und Drogenhandels nahezu zehn Jahre in Strafhaft, begann vor Richter Klaus Demmel damit, sehr detaillierte Angaben über die Vorgänge in Mappach zu machen.

Der 38-Jährige, 1994 dem MC Falkenstein beigetreten, erhielt monatlich 2500 Mark für seine Dienste beim Weiterverkauf des Rauschgifts. Der Kammer sagte er: "Alfred E. war der Chef, er hatte das Sagen." Diese Führungsrolle, so ließ sich der Anklageschrift entnehmen, ging offenbar so weit, dass der An- und Verkauf von Betäubungsmitteln auch nach der Inhaftierung des MC-Präsidenten im Jahr 2000 munter weiterlief.

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