19.02.2018 - 22:02 Uhr
Deutschland & Welt

Ausrüstungmängel bei der Bundeswehr Soldat Schmalhans

Berichte aus der Truppe über defekte Panzer, U-Boote und Hubschrauber sind altbekannt. Doch Lücken gibt es auch bei der ganz grundlegenden Ausstattung der Soldaten. Wie einsatzbereit ist die Bundeswehr?

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) spricht in Hannover mit zwei Soldaten, die in einem Zelt liegen. Selbst an Zelten mangelt es der Truppe derzeit. Archivbild: Jochen Lübke/dpa
von Agentur DPAProfil

Brüssel/Berlin. (dpa/paa) Zuerst Panzer, nun Westen und Winterkleidung: Neue Berichte über Ausrüstungsmängel bei der Bundeswehr werfen ein schlechtes Licht auf die Truppe. Für die Führung der schnellen Eingreiftruppe der Nato 2019 fehlen der Bundeswehr nicht nur Panzer, sondern auch Schutzwesten, Winterbekleidung und Zelte. Das steht in einem Papier des Heereskommandos, über das die "Rheinische Post" berichtete. Parlamentarier aller Parteien im Bundestag reagierten empört. Das Verteidigungsministerium relativierte die Mängelberichte. Die Einsatzbereitschaft der Truppe sei nicht gefährdet.

Um der russischen Aggression auf der Krim zu begegnen, hat die Nato 2014 die "Speerspitze" für rasche Einsätze gegründet. Die "Very High Readiness Joint Task Force" besteht aus bis zu 14 000 Soldaten in höchster Alarmbereitschaft. Auf Rotationsbasis stellen die Bündnismitglieder Truppen für die Speerspitze zur Verfügung. Die Soldaten bleiben in ihren Verbänden, müssen aber innerhalb 48 bis 72 Stunden einsatzbereit an jedem Ort verlegbar sein, wo die Truppe benötigt wird. Deutschland will die Führung der Speerspitze Anfang 2019 übernehmen, zum zweiten Mal nach 2015. 10 000 deutsche Soldaten sollen sich diesmal daran beteiligen.

Vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass es für Nato-Speerspitze auch an einsatzbereiten Kampfpanzern mangelt. Gründe seien die mangelnde Versorgung mit Ersatzteilen und ein hoher Wartungsaufwand, berichtete die "Welt". Demnach fehlten auch Nachtsichtgeräte, Granatmaschinenwaffen, Unterstützungsfahrzeuge - sowie Winterbekleidung und Schutzwesten.

Das Panzerbataillon 104 aus Pfreimd (Kreis Schwandorf), das im kommenden Jahr den Leitverband für den sechsmonatigen Einsatz der Bundeswehr in Litauen stellen wird, ist vom Mangel an Kampfpanzern nicht betroffen. Sowohl für die multinationalen Battle Group "Enhanced Forward Presence" als auch für den dazu notwendigen Übungsbetrieb ist die notwendige Zahl an Kampfpanzern von Typ Leopard am Standort Pfreimd vorhanden.

Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hans-Peter Bartels, hält die Mängellisten für symptomatisch für den Zustand der Truppe. "Diese Art von Mangelverwaltung ist mittlerweile normal", sagte der SPD-Politiker zu dpa. Fehle die Ausrüstung in einem Verband, werde sie woanders weggenommen. Man werde so den Nato-Auftrag zwar erfüllen können. "Aber immer zu hohem Preis für die Ausbildung und Übung in der ganzen übrigen Truppe." Die Ausrüstungsprobleme dürfte auch im Jahresbericht des Wehrbeauftragten eine große Rolle spielen, den Bartels an diesem Dienstag vorlegen will.

Aus Sicht des Verteidigungsministeriums ist die Einsatzbereitschaft der Truppe in der Nato nicht gefährdet. Die Bundeswehr befinde sich bis Mitte des Jahres in einem "beschleunigten Beschaffungs- und Umverteilungsverfahren" für die Nato-Verpflichtung, sagte ein Sprecher.

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