09.03.2018 - 21:06 Uhr
Deutschland & Welt

Befragung der Schulleiter Schlechte Noten für die Schulpolitik

Wenn Lehrer ihren Schulpolitikern Noten verpassen dürften, würde so mancher "Versetzung gefährdet" schreiben. Schulleiter leiden unter wachsenden Aufgaben, Bürokratie und Seiteneinsteigern mit Lehrer-Crash-Kurs. Eine Studie gibt neue Einblicke.

Inklusion, Integration, viel Papierkram, kein Stellvertreter, zu wenig qualifizierter Lehrernachwuchs: Der Bildungsverband VBE hat die Nöte deutscher Schulleiter abgefragt. Archivbild: David-Wolfgang Ebener/dpa
von Agentur DPAProfil

Düsseldorf. Zu wenig Fachpersonal und zu wenig Zeit für zu viele Aufgaben und zu viel Bürokratie: Das sind die Hauptprobleme der Schulleiter in Deutschland. Bei einer Befragung für den Verband Bildung und Erziehung (VBE) nannten 57 Prozent der 1200 befragten Schulleiter Lehrermangel als ihr größtes Problem.

Bei der Vorstellung der Studie beim Deutschen Schulleiterkongress in Düsseldorf verlangte VBE-Chef Udo Beckmann am Freitag Konsequenzen der Kultusministerkonferenz: Jedes Land müsse genügend Lehrer für den eigenen Bedarf ausbilden statt sich gegenseitig die Fachkräfte abzuwerben. Er forderte außerdem mehr Studienplätze, eine bessere Ausbildung und multiprofessionelle Teams an den Schulen - etwa mit Sozialarbeitern, Jugendhelfern und Psychologen. Wie aus der Forsa-Befragung hervorgeht, fühlen sich bundesweit 23 Prozent vor allem mit der Inklusion Behinderter und der Integration von Flüchtlingskindern überfordert. Gewalt benennt dagegen nur ein Prozent aller Befragten als größtes Problem an ihrer Schule.

Im Mittel bewerteten die Schulleiter die Schulpolitik ihres eigenen Bundeslandes mit der Note 3,8. Jeder fünfte Schulleiter in Deutschland sieht die Schulpolitik als mangelhaft oder sogar "versetzungsgefährdet" (Note 6). Rund 36 Prozent der Schulleiter gaben an, an der eigenen Schule mit Lehrermangel und unbesetzten Stellen zu kämpfen, an Gymnasien allerdings nur 25 Prozent. Im Durchschnitt sind laut Forsa-Befragung bundesweit sechs Prozent der Lehrerstellen an weiterführenden Schulen und sogar zwölf Prozent an Grundschulen nicht besetzt.

Rund 90 Prozent der Schulleiter klagen über wachsende Aufgaben und Verwaltungsarbeiten. Sie wünschen sich mehr Anrechnungsstunden auf ihre Leitungstätigkeit, um Aufgaben delegieren zu können. An mehr als jeder dritten Schule sind Seiteneinsteiger beschäftigt, von denen nach Angaben der Schulleiter aber 65 Prozent keine systematische pädagogische Vorbereitung erhalten haben. "Das ist pädagogischer Wahnsinn", kritisierte Beckmann. Trotz aller Probleme gehen 95 Prozent aller Schulleiter nach eigenen Angaben gerne zur Schule. Jeder vierte würde seinen Job "auf jeden Fall" weiterempfehlen - ebenso viele allerdings "auf keinen Fall".

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