12.07.2017 - 16:32 Uhr
Deutschland & Welt

Bertelsmann-Studie Bis 2030 viel mehr Schüler als erwartet

Mehr Geburten und Zuwanderung sorgen künftig laut einer Studie für übervolle Klassenzimmer. Das bayerische Kultusministerium sieht sich gerüstet - Oppositionspolitiker und Lehrer sehen schlagen Alarm.

In Deutschland wird es in den nächsten Jahren mehr Schüler geben als gedacht. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

München/Gütersloh. Nach einer neuen Studie werden in den nächsten Jahren viel mehr Kinder zur Schule gehen als bislang angenommen. Der bayerische Lehrerverband BLLV und die SPD warnen daher vor einem erheblichem Lehrermangel. "Wir brauchen dringend mehr Personal", sagte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann am Mittwoch in München. Gerade an Grund-, Mittel- und Förderschulen gebe es bereits enorme Lücken: "Es brennt lichterloh - der Handlungsdruck ist hoch."

1,1 Millionen Schüler mehr

Nach Angaben der Bertelsmann-Stiftung steigt die Zahl der Schüler in Deutschland in den kommenden 13 Jahren um acht Prozent auf fast 8,6 Millionen - rund 1,1 Millionen mehr als bisher angenommen. Gründe dafür seien eine höhere Geburtenrate sowie die Zuwanderung. Großstädte und Metropolen sind demnach am stärksten betroffen. Zahlen für die einzelnen Länder wurden nicht genannt.

Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Martin Güll, bezeichnete die Prognose als "Weckruf". Alle Lehrkräfte versuchten schon jetzt in einer dauerhaften Kraftanstrengung, Unterrichtsausfall zu verhindern. Bayern stelle sich aufgrund eigener Prognosen "bereits seit 2014 aktiv den Herausforderungen", teilte das bayerische Kultusministerium mit. Die Staatsregierung unterstütze Kommunen beim Bau neuer Räume an Schulen und habe als Reaktion auf die Flüchtlingswelle bereits 1700 zusätzliche Stellen für Lehrer geschaffen. BLLV-Präsidentin Fleischmann hielt dagegen: "Ich kann nur motivieren, jetzt nicht wieder zu sagen: Alles ist gut. Damit kommen wir nicht weiter." Im Kampf gegen Lehrermangel müsse man auch die Arbeitsbedingungen attraktiver machen und die Ausbildung umkrempeln. "Sonst schlittern wir in eine Katastrophe hinein, bei der uns in allen Schularten Lehrer fehlen."

Sanierungsstau in Schulen

Laut der Bertelsmann-Studie müssten Länder und Kommunen mit jährlich 4,7 Milliarden Euro höheren Bildungskosten rechnen. Gewerkschaften und Bildungsexperten warnen vor einer Überforderung des Schulsystems und rufen zum Gegensteuern auf. Bislang basieren die Berechnungen der Kultusministerkonferenz der Bundesländer (KMK) auf Schülerzahlen aus dem Jahr 2012. Seitdem aber ist die Geburtenrate fünfmal in Folge gestiegen, und der Flüchtlingszustrom 2015/16 hat bis zu 300 000 zusätzliche Schüler nach Deutschland gebracht.

Die Schülerprognosen sind wichtig für die Bedarfsberechnung bei Erziehungs- und Lehrpersonal sowie Infrastruktur. So gibt es schon jetzt einen erheblichen Sanierungsstau für Schulgebäude: Das Deutsche Institut für Urbanistik schätzte den Nachholbedarf im Vorjahr auf Investitionen von rund 34 Milliarden Euro.

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