14.12.2016 - 02:10 Uhr
Deutschland & Welt

Berufung angekündigt Schlepper zu Haftstrafen verurteilt

Das Unglück steht für die Flüchtlingskrise im Mittelmeer. Hunderte Menschen starben, als ihr Boot im April 2015 sank. Nun gibt es ein Urteil. Das Sterben im Mittelmeer wird dadurch nicht beendet.

von Agentur DPAProfil

Catania. Im Prozess um eine der schwersten Flüchtlingskatastrophen im Mittelmeer mit Hunderten Toten sind zwei Schlepper zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Der tunesische "Kapitän" des Schiffes bekam 18 Jahre Haft, sein Helfer aus Syrien 5 Jahre, wie das Gericht am Dienstag in Catania auf Sizilien urteilte. Beide sollen zudem je neun Millionen Euro Strafe zahlen. Bei dem Bootsunglück im April 2015 waren nach Angaben des Gerichts mehr als 700 Menschen umgekommen, nur 28 überlebten.

Der 28 Jahre alte Hauptangeklagte aus Tunesien wurde wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung, Herbeiführens eines Schiffbruchs und Menschenschmuggels verurteilt - sein 26 Jahre alter Helfer aus Syrien nur wegen Menschenschmuggels. Die Staatsanwaltschaft hatte für den Tunesier 18 Jahre und für den Syrer 6 Jahre Haft gefordert. Beide beteuerten ihre Unschuld. Die Verteidigung kündigte Berufung gegen das Urteil an. Der Syrer sei ebenfalls ein Flüchtling gewesen, der nach Italien wollte, sagte dessen Verteidiger. Der Anwalt des Tunesiers betonte: "Ich glaube von ganzem Herzen, dass er unschuldig ist."

Das Schiff war am 18. April 2015 vor der libyschen Küste gesunken, weil die Menschen an Bord in Panik geraten waren, als ein Handelsschiff zur Rettung nahte. Die italienische Regierung ließ das Wrack im Mai vom Meeresgrund heben. Es wurde nach Sizilien gebracht, wo Experten die Leichen identifizierten. Hunderte Tote wurden dabei im Bauch des Schiffes gefunden.

In diesem Jahr kamen bereits mehr als 4740 Menschen im Mittelmeer ums Leben. Oft werden skrupellose Schlepper für den Tod der Menschen verantwortlich gemacht, da sie die Flüchtlinge auf schrottreife Boote zwingen und ihnen weder zu essen noch zu trinken geben.

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