04.04.2018 - 22:30 Uhr
Deutschland & Welt

Bilanz der Ärzte: Weniger Behandlungsfehler im Jahr 2017

Wenn Patienten nach einer Operation Probleme haben, stellt sich die Frage: Lief beim Eingriff eigentlich alles so, wie es hätte sein müssen? Die Beschwerdestellen der Ärzte zogen nun Bilanz.

Wenn Ärzte sich etwa bei Eingriffen irren oder falsche Entscheidungen treffen, kann das für den Patienten gravierende Folgen haben. Patientenschützer fordern ein einheitliches Register für solche Fälle. Archivbild: Angelika Warmuth/dp
von Agentur DPAProfil

Berlin. (dpa/KNA) Die Zahl der festgestellten Behandlungsfehler in Krankenhäusern und Praxen in Deutschland ist im vergangenen Jahr nach Daten der Ärzte leicht gesunken. Bestätigt wurden 2213 Fälle - nach 2245 Fällen im Jahr 2016, wie die Bundesärztekammer am Dienstag in Berlin mitteilte. Zum Tod von Patienten führten Behandlungsfehler demnach in 62 der nun festgestellten Fälle (2016: 96 Fälle). Die meisten Beschwerden bei den Gutachtern und Schlichtungsstellen der Ärzteschaft betrafen weiterhin Operationen an Knien und Hüftgelenken sowie Eingriffen wegen Brüchen von Unterschenkel und Sprunggelenk.

Jeder Fehler sei einer zu viel, betonte die Ärztekammer. Gemessen an jährlich 19,5 Millionen Behandlungen in Krankenhäusern und rund einer Milliarde Arztkontakten in Praxen liege die Zahl bestätigter Fälle aber im Promillebereich. Ursache für Gesundheitsschäden waren Fehler oder Mängel in der Risikoaufklärung laut Statistik nun in 1783 Fällen - nach 1845 Fällen im Jahr zuvor. Drei Viertel der Beschwerden wegen möglicher Behandlungsfehler betrafen Krankenhäuser, ein Viertel Arztpraxen. Insgesamt trafen die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen für außergerichtliche Lösungen im vergangenen Jahr bundesweit 7307 Entscheidungen zu mutmaßlichen Fehlern (2016: 7639).

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte die Statistik als wenig aussagekräftig. "Ärztekammern, Krankenkassen und Gerichte sammeln Behandlungsfehler weiter nebeneinander her. Die Gesamtzahl der Behandlungsfehler lässt sich nur schätzen", erklärte Vorstand Eugen Brysch. Notwendig sei deshalb ein bundeseinheitliches Zentralregister, das nicht nur die ärztlichen Behandlungsfehler, sondern auch alle Fehler in der Pflege erfasse.

Für die Bundesärztekammer warnte der Vorsitzende der Konferenz der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen, Andreas Crusius, Medizinern wegen Fehlern pauschal Pfusch vorzuwerfen. "Behandlungsdruck kann Behandlungsfehler begünstigen." Nach jahrelangen Einsparungen im Gesundheitswesen arbeiteten Ärzte in allen Versorgungsbereichen am Limit und darüber hinaus. Kommentar und Seite 7

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