15.10.2017 - 23:00 Uhr
Deutschland & Welt

Bürger in Niedersachsen schätzen ihren bodenständigen und pragmatischen Ministerpräsidenten Teetrinker mit kühlem Kopf

Hannover. Stephan Weil trinkt gerne grünen Tee. Er habe einmal gelesen, dass grüner Tee zu den bekömmlichsten Lebensmitteln überhaupt gehöre, sagt der niedersächsische Ministerpräsident über sein Lieblingsgetränk. Teetrinken - das passt zu dem 58-jährigen SPD-Politiker, der meist den ruhigen und gelassenen Norddeutschen gibt.

Ministerpräsident Stephan Weil kommt mit seiner Frau Rosemarie Kerkow-Weil zur Stimmabgabe in Hannover. Bild: Julian Stratenschulte/dpa
von Agentur DPAProfil

Nicht ganz so bekömmlich wie der grüne Tee erwies sich für Weil am Ende sein Bündnis mit dem grünen Koalitionspartner. Es zerbrach im August durch den plötzlichen Wechsel der Grünen-Abgeordneten Elke Twesten zur CDU. Twesten war verärgert darüber, dass es ihr in ihrem Wahlkreis nicht gelungen war, von den Grünen erneut als Direktkandidatin aufgestellt zu werden. Die Folge: Die vorgezogenen Landtagswahlen am Sonntag.

Zuvor Kämmerer und OB

Kurz darauf geriet Weil noch weiter unter Druck, als bekannt wurde, dass er eine Regierungserklärung zu VW dem Konzern zum Gegenlesen geschickt hatte. Solche Turbulenzen habe er noch nie erlebt, gestand Weil danach. Er habe sich selbst einige grundsätzliche Fragen gestellt. Aber: "Ich bin mit mir sehr im Reinen." Ein mit sich hadernder Stephan Weil - dieses Bild sollte in der Öffentlichkeit gar nicht erst aufkommen. Pragmatisch, ruhig und gelassen machte er seitdem weiter.

Bis zur gewonnenen Landtagswahl im Januar 2013 war Weil Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Hannover, für die er zuvor als Kämmerer gearbeitet hatte. Der in Hamburg geborene Sohn schlesischer Flüchtlinge studierte Jura und arbeitete als Anwalt, Richter und Staatsanwalt. SPD-Mitglied ist er seit drei Jahrzehnten. Sein Förderer und Vorbild, Altkanzler Gerhard Schröder, sagte Weil eine bundespolitische Karriere voraus. Wurde er zu Beginn seiner Amtszeit als Ministerpräsident als langweilig, blass und provinziell belächelt, so gewann Weil mit der Zeit an Statur. So geht der Sieg der SPD in Niedersachsen nach einer Analyse der Forschungsgruppe Wahlen stark auf das hohe Ansehen Weils zurück. Dieser habe einen "sehr guten Imagewert" von 2,0 auf einer Skala von minus 5 bis plus 5 erreicht, wie die Wahlforscher am Sonntagabend erläuterten. Zudem bescheinigten Weil 67 Prozent der Befragten gute Regierungsarbeit.

Wandern, Lesen, Fußball

"Er ist sehr bodenständig, ohne Statusallüren, und das passt zu Niedersachsen", sagt Weils Parteifreund, Wirtschaftsminister Olaf Lies. Der Regierungschef hatte kein Problem damit, bei seiner Sommerreise auch mal in einem Hostel zu übernachten oder sich beim Empfang eines SPD-Ortsvereins mit dem Teller unter dem Arm für Kartoffelsalat anzustellen. Seit 1987 ist Weil mit der Professorin Rosemarie Kerkow-Weil verheiratet. Das Paar hat einen erwachsenen Sohn. Weil entspannt beim Wandern. "Das ist die erholsamste Art, Urlaub zu machen", findet er. Außer Wandern, Lesen und Laufen hat er noch ein weiteres, sehr volksnahes Hobby: Der Fußballfan ist Besitzer einer Dauerkarte für Hannover 96.

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