21.02.2017 - 20:00 Uhr
Deutschland & Welt

Bundeswehr: Von der Leyen will bis zu 200 000 Soldaten

Mitten in der Debatte um höhere Militärausgaben soll die Bundeswehr ihr Personal aufstocken. Nach jahrelanger Schrumpfkur reagiert Ursula von der Leyen damit auf neue Bedrohungen. In Grafenwöhr wurden unterdessen die letzten Panzer für Litauen verladen.

Die Soldaten des Panzergrenadierbataillons 122 laden am Dienstag in der US-Garnison Grafenwöhr ihre Schützenpanzer vom Typ "Marder" auf die Bahnwaggons. Sie brauchen diese für den Nato-Einsatz in Litauen. Bild: paa
von Agentur DPAProfil

Berlin/Grafenwöhr. (dpa/paa) Wegen neuer Bedrohungen und wachsender Aufgaben will Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen die Bundeswehr kräftig aufstocken. Bis zum Jahr 2024 sollen die Streitkräfte auf 198 000 Soldaten und mehr als 61 000 Zivilisten wachsen, teilte das Verteidigungsministerium am Dienstag mit. Derzeit zählt die Bundeswehr knapp 178 000 aktive Soldaten (Stand: Ende Januar).

Panzer nach Litauen

"Die Bundeswehr ist gefordert wie selten zuvor", sagte von der Leyen. "Mit ihren Aufgaben muss auch die Bundeswehr wachsen dürfen." Die CDU-Politikerin führte den Kampf gegen die IS-Terrormiliz, die Einsätze in Mali und Afghanistan und die Beteiligung an der Nato-Präsenz im Baltikum an. Die letzten deutschen Panzer für die Operation "Enhanced Forward Presence", die derzeit anläuft, wurden am Dienstag in der US-Garnison Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN) verladen. Das Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach (Kreis Schwandorf) stellt den ersten Bundeswehrverband für die Nato-Kampfgruppe im Litauen. Dort hat die Bundesrepublik die Rolle der Führungsnation übernommen. Die Panzergrenadiere nehmen rund 200 Fahrzeuge, darunter 20 Schützenpanzer vom Typ "Marder" und sechs Kampfpanzer vom Typ "Leopard" vom Panzerbataillon 104 aus Pfreimd (Kreis Schwandorf), mit.

Insgesamt gehen 450 Soldaten für sechs Monate nach Litauen. Dann werden sie durch den nächsten Bundeswehrverband abgelöst. Ein Ende der Nato-Einsatzes zur Abschreckung Russlands ist nicht absehbar - dabei mangelt es auf deutscher Seite nicht nur an Ausrüstung, sondern auch an ausreichendem Personal. Die Einsatzbelastungen für den einzelnen Soldaten werden immer höher.

Seit Ende des Kalten Krieges wurde die Bundeswehr verkleinert - 1990 waren es noch 585 000 Soldaten. Das Ministerium hatte 2016 das Ende des Schrumpfkurses eingeleitet. Der Personalbedarf wird seither jährlich nach Sicherheitslage bestimmt. Im Mai hatte das Ministerium die 7000 zusätzlichen Soldatenposten und 4400 Zivilistenstellen beschlossen. Nun soll weiter aufgestockt werden. "Wir setzen alles daran, hohle Strukturen, auch beim Material, aufzufüllen", betonte von der Leyen.

Später in Ruhestand

Zuletzt hatte das Ministerium eine Größe von rund 192 500 Soldaten bis 2023 anvisiert. Nun wird die Zielmarke weiter nach oben geschraubt. Um die geforderte Stärke zu erreichen, soll bestehendes Personal länger gebunden werden. Soldaten sollen sich später zur Ruhe setzen und mehr Berufssoldaten übernommen werden.

Die Pläne bergen Zündstoff. In Deutschland wird heftig über die Verteidigungsausgaben diskutiert. Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump fordert von den Partnern mehr Ausgaben für die Verteidigung - und droht, die USA könnten sonst ihr Nato-Engagement kürzen.

Der "atmende Personalkörper" der Bundeswehr

Die Personalplanung der Bundeswehr unterlag bis vor kurzem strengen Sparzwängen. Starre Obergrenzen bestimmten die Zahl der Soldaten. Schließlich verfolgte man nach dem Ende des Kalten Krieges über Jahre einen Sparkurs. Die Streitkräfte wurden stark geschrumpft. Seit 2016 soll der Personalkörper der Bundeswehr "atmen". So nennt das Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Um auf neue Bedrohungslagen und Einsätze flexibel reagieren zu können, wird der Personalbedarf der Bundeswehr nun jedes Jahr überprüft und bei Bedarf angepasst. Dazu berechnen die Spitzen des Ministeriums im Frühjahr den Bedarf für die jeweils nächsten sieben Jahre. Die Empfehlung dieses Personalboards fließt in die Haushaltsplanung im Parlament ein. Tendenz bei der Truppenstärke: stark steigend. Derzeit umfasst die Bundeswehr rund 178 000 Soldaten: 167 977 Berufs- und Zeitsoldaten und 9979 freiwillig Wehrdienstleistende. (dpa/paa)

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