12.11.2017 - 17:52 Uhr
Deutschland & Welt

Bundeswehrverband Wüstner fürchtet um Zukunft der Truppe

Berlin. Die Unterhändler der Jamaika-Parteien setzen nach Ansicht des Bundeswehrverbands die Zukunft der Truppe aufs Spiel. "Ich habe bisher mit Grauen die Sondierungsgespräche verfolgt, weil die Verteidigungspolitik und damit unsere Bundeswehr anscheinend als Verhandlungsmasse zwischen anderen Themen zerrieben wird", sagte Verbandschef André Wüstner. Die Sicherheitspolitik werde nicht nur von Grünen und FDP, sondern auch von der Union stiefmütterlich behandelt. "Momentan enttäuschen mich alle vier Parteien, weil ich nicht gedacht hätte, dass es in einem elementaren Handlungsfeld so schwer fällt, sich klar zu positionieren. Jamaika spielt mit der Zukunft der Bundeswehr."

von Agentur DPAProfil

Ein mögliches Jamaika-Bündnis müsse deutlich mehr Geld in die Bundeswehr stecken. Die Personalaufstockung und die materielle Nachrüstung der Bundeswehr müssten fortgesetzt werden. Aber keine Partei habe sich bislang dazu klar positioniert, kritisierte Wüstner. "Die Bundeswehr ist nur bedingt einsatzbereit und gemessen am gewachsenen Auftrag im schlechtesten Zustand seit 1990." Die Ausrüstung der Truppe, die sich 25 Jahre auf Schrumpfkurs befand, ist teils marode, die Bundeswehr sucht zudem händeringend Nachwuchs. Eigentlich müsse man bei den eingeleiteten Trendwenden "weiter beschleunigen", sagte Wüstner. "Jedenfalls nicht in den Rückwärtsgang schalten, weil uns das Getriebe, das innere Gefüge der Bundeswehr, dann um die Ohren fliegt." Wenn die Jamaika-Unterhändler sich nicht zu einer personellen Stärkung, einer bessere Ausrüstung und mehr Geld für die Truppe bekennen würden, habe das Auswirkung auf die Motivation der Soldaten und auf die Attraktivität und Nachwuchsgewinnung der Bundeswehr: "Das wäre ein Supergau", sagte Wüstner.

Streitpunkt der Jamaika-Parteien im Wahlkampf war vor allem das vereinbarte Anstreben des Zwei-Prozent-Ziels der Nato, also eine Anhebung der Verteidigungsausgaben in Richtung zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bis 2024. Deutschland liegt trotz steigender Verteidigungsausgaben derzeit nur bei 1,2 Prozent. Ein Bekenntnis zum Zwei-Prozent-Ziel im Koalitionsvertrag wäre ein wichtiges Signal an internationale Bündnispartner, sagte Wüstner. Man müsse sich aber auf jeden Fall mindestens auf 1,5 Prozent des BIP zubewegen, damit die Truppe ihre Aufgaben erfüllen könne.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.