01.09.2015 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Chaos in Kiew

Eine Verfassungsreform soll den Friedensprozess im Kriegsgebiet Donbass fördern. Am Montag löste das umstrittene Vorhaben Ausschreitungen in der ukrainischen Hauptstadt aus. Ein Mensch stirbt.

Rauchschwaden vor dem ukrainischen Parlament in Kiew: Bei der Explosion einer Granate kam ein Nationalgardist ums Leben. Demonstranten machten gegen eine Verfassungsreform mobil, welche den Separatisten im Donbass etwas mehr Autonomie bescheren soll. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Bei gewaltsamen Protesten gegen eine Verfassungsreform haben ukrainische Nationalisten in Kiew einen Sprengsatz gezündet und mehr als 100 Menschen verletzt. Ein Angehöriger der Nationalgarde sei von einem Splitter ins Herz getroffen worden und gestorben, sagte Innenminister Arsen Awakow am Montag in Kiew. Hunderte Menschen protestierten vor dem Parlament gegen eine Verfassungsreform. Diese öffnet den prorussischen Separatisten im Kriegsgebiet Donbass das Tor zu mehr Autonomie. Ukrainische Nationalisten lehnen die Pläne ab. Die Gewalt in der Hauptstadt kommt kurz vor einer geplanten Waffenruhe in der Ostukraine. Von heute an haben die Armee und die prorussischen Separatisten eine Feuerpause vereinbart. Diese soll einen gewaltfreien Beginn des Schuljahres ermöglichen.

Überschattet von Tumulten nahmen die Abgeordneten die Verfassungsreform mit 265 von 368 möglichen Stimmen in erster Lesung an. Mitglieder der rechtspopulistischen Radikalen Partei hatten vorübergehend die Präsidiumstribüne besetzt und die Sitzung gestört. Für die endgültige Verabschiedung der Novelle sind in zweiter Lesung 300 Stimmen im Parlament notwendig. Ein Termin war zunächst nicht bekannt. Hunderte Menschen zogen nach der Abstimmung vor das Parlament. Demonstranten warfen Pflastersteine, Flaschen und Rauchbomben auf die Polizei. Die Sicherheitskräfte setzten Schlagstöcke und Tränengas ein.

Trotz scharfer Kritik aus Moskau startete im Schwarzen Meer das von den USA angeführte Marinemanöver "Sea Breeze" (Seebrise). An der knapp zweiwöchigen Übung beteiligen sich Soldaten aus der Ukraine und westlichen Nato-Staaten, darunter auch Deutsche. Russland sieht angesichts des Krieges im Donbass in dem Manöver der Nato-Staaten eine neue Provokation.

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