Dämpfer für Angela Merkel
Ohne Rückenwind

Angela Merkel gibt sich dankbar nach ihrer Rede in Essen. Bild: dpa

Angela Merkel bittet die CDU für die Wahl 2017 um Hilfe - und nimmt sie zugleich in die Pflicht. Das Resultat: 89,5 Prozent. Noch nie hat sie als Bundeskanzlerin ein so schlechtes Ergebnis bekommen.

Essen. CDU-Vize Armin Laschet steht es kurz vor der Verkündung ins Gesicht geschrieben. Das Ergebnis für Angela Merkel bei ihrer neunten Wahl zur CDU-Vorsitzenden ist nicht berauschend. 89,5 Prozent sind es beim Parteitag am Dienstag in Essen geworden. Merkels schlechtestes Ergebnis in ihrer bisher elfjährigen Kanzlerschaft. Vieles hat sie in den 17 Jahren an der Spitze in der CDU verändert, die Partei weit in die Mitte gerückt. Nun zeigt die Partei ihr eine andere Seite: Sie schickt ihre Frontfrau mit einem Dämpfer in ein Wahljahr. Das ist neu für die CDU, der es so sehr darauf ankommt, an der Macht zu sein und zu regieren. Ein echter Fehlstart.

Elf Minuten Beifall hatte Merkel für ihre Rede bekommen, in der sie zum Schluss das Herz der Christdemokraten berührte. So lange wie wohl noch nie. Gemessen daran war ein besseres Ergebnis vermutet worden. Sie geht kurz auf die Bühne und sagt: "Liebe Delegierte, ich nehme die Wahl an und freue mich über das Ergebnis." Hinter Merkel liegt ein extrem schweres Jahr. Geschwächt wie lange nicht mehr steht sie vor den rund 1000 Delegierten: Wahlschlappen in den Ländern, schlechte Umfragen, "Merkel muss weg"-Rufe. In Mecklenburg-Vorpommern wird die CDU von der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland überholt, im Land Berlin muss sie die Macht abgeben. Die Zahl der CDU-Ministerpräsidenten ist mittlerweile auf vier reduziert. Viele Bürger haben Angst, dass Flüchtlinge ihre wirtschaftliche Lage bedrohen. Merkels Flüchtlinge.

In der Aussprache auf dem Parteitag bekommt Merkel heftigen Unmut von Delegierten zu spüren. Einige beklagen bitterlich, der Kurs der Chefin sei falsch gewesen. Andere Kritiker in CDU und CSU finden, dass Merkel in ihrer Rede selbstkritisch wie nie war. Demütig geradezu. Das sei wohltuend.

Für eine gute Stunde ist ihre Rede vor der Wahl schwere Kost. Für Merkel und auch für die Delegierten. Die Kanzlerin erklärt der CDU die Welt. Mit einem Rückgriff auf die Gründung der CDU vor rund 70 Jahren, dem Grat zwischen Krieg und Frieden in Europa nach dem Grauen des Zweiten Weltkriegs und komplizierten Details zur Digitalisierung.

Jubel erst am Schluss

Aber erst in den letzten 15 Minuten ihrer Rede reißt sie den Saal mit. Sie erklärt noch einmal ihre Gründe, warum sie sich zum neunten Mal zur CDU-Vorsitzenden wählen lassen und zum vierten Mal die Kanzlerkandidatur übernehmen will. Lange habe sie überlegt. Viele hätten ihr gesagt: "Du musst, Du musst." Das habe sie berührt.

Das Gegenteil wäre ja auch nicht schön gewesen, bemerkt sie zur Erheiterung der Zuhörer. Aber dann ruft die mächtigste Frau der Welt: "Ihr müsst, ihr müsst mir helfen." Tosender Jubel. Und: "Es geht nur gemeinsam Hand und Hand mit jedem und jeder aus der Christlich-demokratischen Union." Die Delegierten springen von ihren Plätzen, klatschen rhythmisch, pfeifen begeistert.
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