Debatte um "Nafri"
Polizei in Erklärungsnot

Der Stein des Anstoßes: In einem Tweet aus der Silvesternacht benutzte die Kölner Polizei den Begriff "Nafri" für Nordafrikaner. Polizeipräsident Jürgen Mathies bedauerte dies am Montag. "Den Begriff finde ich sehr unglücklich verwendet hier in der Situation", sagte Mathies. Bild: dpa

An Silvester wollte die Kölner Polizei alles besser machen als vor einem Jahr - und sorgte tatsächlich für einen relativ friedlichen Jahreswechsel. Die Wahl ihrer Mittel sorgt allerdings zum Teil für Empörung. Ebenso wie ein nächtlicher Tweet.

Köln. "Am HBF werden derzeit mehrere Hundert Nafris überprüft. Infos folgen." Dies twitterte die Kölner Polizei in der Silvesternacht. Im neuen Jahr muss sie sich nun gegen Kritik wehren - auch wegen dieses Tweets. Warum? Und was versteht die Polizei unter einem "Nafri"? Wichtige Fragen und Antworten im Überblick.

Was passierte in der Kölner Silvesternacht?

Massenhafte Übergriffe wie vor einem Jahr gab es nicht. Damals hatten enthemmte Männergruppen am Hauptbahnhof Frauen eingekesselt, sexuell angegriffen und beraubt. Viele Beschuldigte waren Nordafrikaner und Flüchtlinge. Als Reaktion schickte die Kölner Polizei ein Jahr später ein riesiges Polizeiaufgebot in den Einsatz. Am späten Samstagabend trafen am Hauptbahnhof nach Angaben der Polizei "mehrere Hundert Nordafrikaner" ein. Sie wurden festgehalten, ihre Papiere kontrolliert. Einige seien danach direkt wieder mit dem Zug weggefahren.

Was bedeutet "Nafri"?

Das Wort stammt aus dem Sprachgebrauch der Polizei. Eine trennscharfe Definition gibt es nicht. Daher rühren auch in gewisser Weise die Verwirrung und Empörung nach dem Polizei-Tweet. "Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Nafri und Neger?", twittert etwa Satiriker Jan Böhmermann an Neujahr.

In der Vergangenheit verwendete die Kölner Polizei den Begriff meist, um "nordafrikanische Intensivtäter" zu beschreiben. Die "sogenannte Nafri-Szene" gehöre zu den Gruppen, die der Polizei Sorgen machten, sagte Polizeipräsident Jürgen Mathies noch im Dezember der dpa. Die Deutsche Bundespolizeigewerkschaft beschreibt das Wort ebenfalls als "eine Abkürzung für nordafrikanische Intensivtäter". Rassistisch sei es nicht gemeint.

Davon abweichend ist allerdings auch eine Definition im Umlauf, wonach das Wort allein die ethnische Zugehörigkeit beschreiben soll - also Nordafrikaner, unabhängig von einer Straffälligkeit. In diese Richtung wird beispielsweise ein Polizeisprecher bei "Spiegel Online" zitiert.

Der Begriff ist also schon länger im Umlauf?

Ja. Die Kölner Polizei befasst sich schon seit langer Zeit mit Tätergruppen aus Nordafrika und gebraucht das Wort. In einem internen Schreiben, das vor der Silvesternacht 2015 verschickt wurde, heißt es etwa, es habe in den vergangenen Jahren vermehrt Taschendiebstähle gegeben. "Dies dürfte maßgeblich auf die Täterklientel NAFRI zurückzuführen sein, die die günstigen Tatgelegenheitsstrukturen nutzen." In der Stadt gibt es auch ein Hilfsprogramm für straffällig gewordene Jugendliche aus Nordafrika. Die lokalen Medien benutzen den Begriff seit Monaten.

Was sagt die Kölner Polizei zu dem umstrittenen Tweet?

Mathies spricht von einem "Arbeitsbegriff" innerhalb der Polizei. Eine Häufung an Straftaten von Personen aus dem nordafrikanischen Raum lasse sich nicht bestreiten - dafür müsse man dann intern auch einen Begriff finden. "Den Begriff finde ich sehr unglücklich verwendet hier in der Situation", bedauert er den nächtlichen Tweet aber beim WDR.

Worauf zielt die Kritik an der Polizei im Kern?

Hier sind zwei Stränge zu trennen: Die Kritik an der Polizeikontrolle an sich und jene am Begriff "Nafri" und dem Tweet. Sofern man "Nafri" mit Straftäter übersetzt, lässt sich der Tweet als Vorverurteilung begreifen. SPD-Politiker Christopher Lauer halte ihn auch für in hohem Maße "entmenschlichend". Kritik an der Kontrolle kommt von Grünen-Chefin Simone Peter. Es stelle sich die Frage nach der Verhältnis- und Rechtmäßigkeit, "wenn insgesamt knapp 1000 Personen alleine aufgrund ihres Aussehens überprüft und teilweise festgesetzt" würden, sagte sie der "Rheinischen Post". Auch auf Twitter wird von "Racial Profiling", also gezieltem Vorgehen der Polizei nach ethnischen Gesichtspunkten, gesprochen.

War es notwendig, die jungen Männer festzuhalten?

Dazu sagt die Kölner Polizei eindeutig ja. Sie forderte sogar Verstärkung an. Bei seinen ersten Statements in der Nacht wirkte Mathies erkennbar angespannt. Glaubt man den Schilderungen der Polizei, ähnelte die Ausgangslage der Situation von letztem Jahr. Das Verhalten der Männer am Wochenende habe ebenfalls darauf schließen lassen, dass mit Straftaten zu rechnen gewesen sei, sagt die Polizei. Durch konsequentes Einschreiten sei das verhindert worden.
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