04.07.2017 - 21:16 Uhr
Deutschland & Welt

Der Diktator demonstriert Stärke Nordkorea testet Interkontinentalrakete

Der Streit um Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm ist einer der gefährlichsten Konflikte weltweit. Jetzt demonstriert die Diktatur militärische Stärke und startet eine Interkontinentalrakete. Die Schockwellen dürften auch den G20-Gipfel erreichen.

Das Standbild eines Videos, das vom nordkoreanischen Fernsehsender KRT zur Verfügung gestellt wurde, zeigt den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un (Mitte) wie er nach einem angeblichen Start einer Interkontinentalrakete applaudiert. Bild: KRT/AP/dpa
von Agentur DPAProfil

Pjöngjang/Seoul. Nordkorea hat nach eigenen Angaben erstmals eine Interkontinentalrakete (ICBM) getestet, die auch die USA erreichen kann. Der Test der Hwasong-14 genannten Rakete, den Machthaber Kim Jong Un persönlich angeleitet habe, sei erfolgreich gewesen, berichteten die Staatsmedien am Dienstag. Nordkorea könne "jeden Teil der Welt mit Atomwaffen treffen". Mit dem Test einer ICBM wäre eine neue Eskalationsstufe im Streit um Nordkoreas Atomprogramm erreicht. Das weithin isolierte Land arbeitet seit Jahren an der Entwicklung von Langstreckenraketen, die auch die USA erreichen können.

Die US-Streitkräfte sprachen zunächst von einer landgestützten Mittelstreckenrakete, die Nordkorea abgefeuert habe. Sie flog demnach 37 Minuten und somit länger als bei früheren nordkoreanischen Raketenversuchen. Als Interkontinentalraketen gelten Raketen mit einer Reichweite von mehr als 5500 Kilometern. Sie können mit Atomsprengköpfen bewaffnet werden und folgen nach Verlassen der Erdatmosphäre einer ballistischen Flugbahn. UN-Resolutionen verbieten der kommunistischen Führung Nordkoreas den Test ballistischer Raketen.

Nach Angaben Pjöngjangs erreichte der Flugkörper nach dem Start eine Höhe von 2802 Kilometern. Sie sei 933 Kilometer weit geflogen, bevor sie nach einer Flugzeit von 39 Minuten ihr Ziel im Japanischen Meer getroffen habe.

Der jüngste Test wurde auch als Warnsignal an die Regierung in Washington verstanden, der Nordkorea eine feindselige Politik unterstellt. Das bestreitet Washington. US-Präsident Donald Trump hatte mehrfach mit Alleingängen in dem Konflikt gedroht und auch militärische Aktionen nicht ausgeschlossen. Nach dem jüngsten Test twitterte Trump jedoch, vielleicht werde China Maßnahmen gegen Nordkorea ergreifen, um "diesen Unsinn" zu beenden.

Russland und China riefen Nordkorea in einer gemeinsamen Erklärung der Außenministerien auf, sämtliche Atom- und Raketentests einzustellen. Im Gegenzug sollten die USA und Südkorea auf gemeinsame Großmanöver verzichten, die Nordkorea als Gefährdung sieht. Kremlchef Wladimir Putin und Chinas Präsident Xi Jinping sagten bei einem Treffen in Moskau, sie wollten sich mit vereinten Kräften für eine Lösung des Konflikts auf der koreanischen Halbinsel einsetzen.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp