16.04.2018 - 21:06 Uhr
Deutschland & Welt

Der ehemalige FBI-Chef James Comey rechnet mit Präsiden Donald Trump ab "Moralisch ungeeignet" für Präsidentenamt

Washington. Der im Mai von Donald Trump gefeuerte FBI-Chef James Comey hat in einem Fernsehinterview aufs Schärfste mit dem US-Präsidenten abgerechnet. Trump sei "moralisch ungeeignet", Präsident zu sein, sagte der 57-Jährige dem Sender ABC News in einem am Sonntagabend (Ortszeit) ausgestrahlten Gespräch. Seiner Ansicht nach könnte Russland im Besitz von kompromittierendem Material über Trump sein. Er hält es auch für möglich, dass der US-Präsident die Justiz behindert hat. Es gebe dafür "sicherlich einige Hinweise", erklärte Comey.

James Comey. Archivbild: Andrew Harnik/dpa
von Agentur DPAProfil

Eine Person, die Frauen wie "Fleischstücke" behandele und so über sie spreche, die ständig lüge und darauf bestehe, dass das amerikanische Volk daran glaube, sei aus moralischen Gründen nicht geeignet, Präsident der Vereinigten Staaten zu sein, sagte Comey. "Die Wahrheit, die Rechtsstaatlichkeit und Integrität" seien Dinge, die vor allen politischen Auseinandersetzungen stehen sollten, wie etwa der Debatte um strengere Waffengesetze.

Der Ex-FBI Chef sagte auch, dass er es für möglich halte, dass Trump die Justiz behindert habe. Es gebe sicherlich Hinweise darauf. Er verwies aber darauf, dass er in dem Fall nicht der Ermittler oder Staatsanwalt sei, sondern nur Zeuge. In der Interviewpassage ging es um ein Gespräch zwischen dem Präsidenten und dem damaligen FBI-Chef im Februar 2017. Bei diesem äußerte Trump nach Comeys Darstellung den Wunsch, dass die Ermittlungen des FBI gegen den damaligen Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn eingestellt werden. Trump bestreitet das. Manche Beobachter sehen darin einen Versuch der Justizbehinderung.

In dem Interview sprach Comey auch über ein Dossier über Trumps mutmaßlichen Verbindungen zu Russland. Er habe von Anfang an die Quelle des Geheimpapiers, den ehemaligen Geheimagenten Christopher Steele, für glaubwürdig gehalten. Das Dossier enthält brisante Details über einen angeblichen Vorfall mit Trump und Prostituierten in Moskau im Jahr 2013. Comey hatte in einem persönlichen Gespräch den US-Präsidenten über die Möglichkeit informiert, dass Russland Trump dabei gefilmt haben könnten und die Aufnahme dazu nutzen könnte, um ihn zu erpressen. Der Ex-FBI-Chef sagte in dem Interview, er halte es für möglich, dass die Russen im Besitz von Material sind, das Trump gefährlich werden könnte. Er hielte es selbst für unglaublich und er habe es immer für unwahrscheinlich gehalten.

Trotz allem hofft Comey nicht, dass Trump seines Amtes enthoben wird, denn dadurch wäre "das amerikanische Volk aus dem Schneider". Seiner Ansicht nach seien die Amerikaner dazu "verpflichtet", zur Wahlurne zu gehen und im Sinne ihrer Werte zu stimmen. 2013 ernannte der damalige Präsident Barack Obama Comey zum Direktor der Bundespolizei. Dessen Nachfolger Donald Trump feuerte Comey im Mai 2017 und brachte das später mit den Russland-Ermittlungen des FBI in Zusammenhang. Das Interview war Comeys erstes Mediengespräch vor der Veröffentlichung seines Buches "A Higher Loyalty: Truth, Lies and Leadership" (deutscher Titel: "Größer als das Amt: Auf der Suche nach der Wahrheit - der Ex-FBI-Direktor klagt an"). Das Werk soll am Dienstag erscheinen.

Auszüge aus dem Buch zeichnen ein verheerendes Porträt des Präsidenten als notorischen Lügner und unmoralische Führungsperson. Seit Tagen attackieren sich die beiden öffentlich. Trump hatte ihn auf Twitter als "schlechtesten FBI-Direktor der Geschichte" und "Informant und Lügner" bezeichnet. Er forderte, dass Comey wegen der Verbreitung geheimer Informationen strafrechtlich verfolgt werden sollte. Als Folge der Entlassung Comeys war Robert Mueller als Sonderermittler eingesetzt worden. Dieser untersucht seither, ob Russland sich in die Präsidentschaftswahl 2016 eingemischt hat und ob das Trump-Lager darin verwickelt war. Die Untersuchung setzt Trump schwer zu.

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